Die Wasserburger Zeitung schaut auf das Jahr 2020, Teil I: Und plötzlich war Pandemie

„Wasserburg im Jahreskreis“ hat unser Karikaturist Reinhard Reindl dieses Bild genannt. Im Zentrum sitzt das im Jahr 2020 alles bestimmende Corona-Virus. Reindl hat auch die ‚rettende Aussicht‘ der Impfung mit eingebaut. Im Frühjahr ging es um die Wiederwahl Bürgermeister Michael Köbls (SPD), seine Regentschaft geht weiter. Kontrahentin Heike Maas (CSU) wähnte den Rathausschlüssel schon in greifbarer Nähe. Christian Stadler (Grüne) bringt die fünf Jahre unter Kölbl „auch noch rum“. Im Sommer gab es einen interimistischen, lang ersehnten Stadtbiergarten und im Dezember war’s – was die üblichen Vorweihnachtsaktivitäten und -attraktionen angeht – in der Stadt sehr, sehr staad.
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„Wasserburg im Jahreskreis“ hat unser Karikaturist Reinhard Reindl dieses Bild genannt. Im Zentrum sitzt das im Jahr 2020 alles bestimmende Corona-Virus. Reindl hat auch die ‚rettende Aussicht‘ der Impfung mit eingebaut. Im Frühjahr ging es um die Wiederwahl Bürgermeister Michael Köbls (SPD), seine Regentschaft geht weiter. Kontrahentin Heike Maas (CSU) wähnte den Rathausschlüssel schon in greifbarer Nähe. Christian Stadler (Grüne) bringt die fünf Jahre unter Kölbl „auch noch rum“. Im Sommer gab es einen interimistischen, lang ersehnten Stadtbiergarten und im Dezember war’s – was die üblichen Vorweihnachtsaktivitäten und -attraktionen angeht – in der Stadt sehr, sehr staad.

Ein verrücktes Jahr geht zu Ende. Die Wasserburger Zeitung schaut zurück auf die letzten Monate vor der Pandemie und die Zeit, in der das Virus Covid-19 plötzlich alles bestimmte. Der Rückblick beschäftigt sich im ersten Teil mit Januar bis April 2020.

Von Katharina Heinz

Wasserburg – Im Januar des vergangenen Jahres herrschte die Ruhe vor dem Corona-Sturm. Bevor 2020 so richtig verrückt wurde, haben sich die Wasserburger mit ganz normalen Dingen beschäftigt. Flüchtlinge und Ehrenamtliche des Vereins „Selbsthelfer“ zum Beispiel arbeiteten fleißig an den Nähmaschinen. Nein, dabei entstanden keine Alltagsmasken, sondern unter anderem Schals für die Bewohner der Obdachlosenunterkunft „Traube“. Auch die ersten Vorboten der Kommunalwahl im März waren zu spüren. So hat die Chefin des Wasserburger Ordnungsamtes, Claudia Schaber, Freiwillige für den Dienst als Wahlhelfer gesucht.

Christkindlmarkt und Prinzenpaar

Aus heutiger Sicht völlig unvorstellbar: Im vergangenen Winter fand in der Wasserburger Altstadt ganz unbeschwert der Christkindlmarkt statt. Dabei gab es sogar einen neuen Publikumsmagneten: Auf der beliebten Eisbahn waren am ersten Januar-Wochenende Bierkastencurling und Synchroneiskunstlauf angesagt. Auch Fasching gab es im vergangenen Jahr. Mit Bosna stimmte sich das Prinzenpaar Magdalena II. und Fabian I. auf die Saison ein. Deren erster Höhepunkt folgte prompt: Beim großen Faschingsball „Badriazzo“ verzauberte die Stadtgarde ihre Gäste mit einem Ausflug in Alices Wunderland.

Kurz darauf rollten nahe der Wasserburger Rampe die Bagger an. Ein Teil des Geländes der Gärtnerei Hirneiß wurde freigeräumt, weil dort das neue Feuerwehrhaus gebaut werden soll. Dass auf der freien Fläche im Sommer zunächst ein „Pop-Up-Biergarten“ entsteht, dass konnte zu dieser Zeit noch niemand ahnen.

Außerdem standen im Januar zwei Personalien im Fokus: Maria Schell, die berühmte und 2005 verstorbene Schauspielerin aus Wasserburg, hat anlässlich ihres 94. Geburtstages eine eigene Straße bekommen: Die „Maria-Schell-Straße“ befindet sich im Reitmehringer Neubaugebiet. Von einem anderen bekannten Wasserburger mussten sich die Bürger der Stadt verabschieden: Mit Alfred Schuhbeck verstarb eine Leichtathletik-Trainer-Legende.

Im Januar wurde auch ein dunkles Kapitel der Wasserburger Geschichte aufgeschlagen. Denn unter dem NS-Regime fanden auch hierzulande viele Verbrechen statt, die bisher noch kaum aufgearbeitet wurden. So wurden unter anderem aus den Pflegeeinrichtungen Attl und Gabersee im Rahmen der „NS-Euthanasie“ Patienten deportiert und ermordet. An die Opfer der Nationalsozialisten erinnern – das war dementsprechend eines der Ziele des NS-Denkmals, das am Heisererplatz errichtet und Ende Januar eingeweiht wurde. Begleitend dazu gab es ab Februar die Wanderausstellung zum Thema „Patientenmorde“ im Wasserburger Stadtmuseum. Ende Januar dann der erste Hinweis auf Corona: Das OVB berichtete über das neuartige Corona-Virus. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg hatte sich infiziert. In der Region Rosenheim sorgte das allerdings nicht für größere Beunruhigung. Man sei auf den Ernstfall vorbereitet, ließen das Gesundheitsamt und die Kliniken vermelden.

Faschingsspaß im Februar

Im Februar ließen es die Faschingsnarren in Wasserburg so richtig krachen. Von der Ü30-Party über den Gaudiwurm durch die Altstadt bis zum Unsinnigen Donnerstag ging es rund. Richtig rund lief es auch für die beiden Wasserburger Edna Kleber-Belizário und Christoph Kleber. Die Inhaber des Ladens „Grünkunft“ traten mit ihrer Erfindung einer nachhaltigen Verpackung bei der Pro7-Gründershow „Das Ding des Jahres“ auf. Mit ihrem „Nachhälter“, einer kompostierbaren Verpackung, haben sie es bis ins Finale der Sendung geschafft – und dann sogar gewonnen.

Anlass zur Freude gab es auch für alle, die gerne an der frischen Luft unterwegs sind. Denn zwischen Wasserburg und Eiselfing/Höhfelden wurde im Februar der Geh- und Radweg eingeweiht. Bisher musste man das Stück am Straßenrand oder über den Friedhof am Herder zurücklegen. Einen Grund zum Feiern gab es auch am Wasserburger Romed-Klinikum. Während deutschlandweit Kreissäle schließen, wurde dort ein neues Hebammenhaus eingeweiht. Frauen finden dort Betreuung und Beratung rund um die Vor- und Nachsorge der Geburt.

Kommunalwahl und Corona

Im März lieferten sich die aufkeimende Corona-Pandemie und die Kommunalwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Sachen Berichterstattung. Zunächst konnte das politische Geschehen noch mithalten. Bei einer Podiumsdiskussion sorgten die Wasserburger Bürgermeisterkandidaten Christian Stadler (Bündnis 90/Die Grünen), Heike Maas (CSU) und der Amtsinhaber Michael Kölbl (SPD) einen fairen Schlagabtausch. Etwas später wurde schon klar, dass man für die Stimmabgabe wegen Corona wohl seinen eigenen Stift mitbringen muss. Mitte März konnte schließlich Michael Kölbl seinen Wahlsieg feiern. Doch parallel zur Kommunalwahl steigt die Anspannung in Sachen Corona-Virus. Das OVB berichtet Anfang März von „Chaos und Unruhe“, ausverkauften Desinfektionsmitteln und abgesagten Schüleraustauschs. Es folgten zunächst vereinzelte Schulschließungen, dann der Lockdown. Schulen und Kitas, Sportstätten, Touristenattraktionen und der Einzelhandel wurden dicht gemacht. Die Fallzahlen stiegen.

Um Wasserburg herum gehört das kbo-Inn-Salzach-Klinikum Gabersee Ende März zu den ersten Einrichtungen, die stark betroffen sind. Dort haben sich 19 Patienten und 13 Mitarbeitern angesteckt. Auch wird deutlich, dass die Pandemie nicht so schnell wieder vorbei sein wird. Erste Absagen werden öffentlich, wie etwa für das Wasserburger Bürgerspiel. Was sich in Wasserburg aber auch zeigt: Die Menschen werden erfinderisch. Matthias Lehmann von der Bücherstube etwa beginnt, Bücherbestellungen per Telefon anzunehmen und mit dem Rad auszuliefern. Der Stechl Keller verkauft seine Speisen „To-Go“ durchs Seitenfenster. Das Innkaufhaus ruft Kinder dazu auf, den Senioren des Wasserburger Altenheims Briefe zu schreiben, um ihnen Mut zu machen und die Einsamkeit zu vertreiben.

Erfinderische Wasserburger

Im April wird wieder fleißig genäht in Wasserburg. Nun aber sind es Alltagmasken. Schneiderin Vroni Herwegh zum Beispiel produziert nun statt Dirndl Mund-Nasen-Masken.

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Baggern unter Hygienebedingungen – zumindest auf den Baustellen ging die Arbeit voran. Das konnte man auch neben dem Kreisverkehr in der Burgau sehen, wo mit dem Aushub für das neue Dienstgebäude der Polizeiinspektion begonnen wurde. Während in Rosenheim noch um das Herbstfest gebangt wird, ist das Frühlingsfest bereits abgesagt. Inzwischen dürfen zumindest einige Läden wieder öffnen. Doch die Quadratmeter-Regel sorgt auch in Wasserburg für Ärger. Das Innkaufhaus musste prompt nach einer Polizeikontrolle wieder schließen. Die Geschäftsführer hatten das Kaufhaus im April verkleinert und lagen nun ihrer Ansicht unter der 800-Quadratmeter-Grenze. Polizei und Landratsamt sahen das anders. Kurz darauf allerdings wurde die Regelung wieder gekippt. Fortsetzung folgt.

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