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Digitalisierung kommt in Schwung

Die virtuelle Rathaustür ist in Wasserburg weit geöffnet

Bringen die Online-Offensive voran: Christian Fischl als Digitalisierungsbeauftragter (am PC), EDV-Administrator Markus Mitsch (links) und Stadtkämmerer Konrad Doser. Zusammen mit Erstem Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) freuen sie sich über die Neuerungen.
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Bringen die Online-Offensive voran: Christian Fischl als Digitalisierungsbeauftragter (am PC), EDV-Administrator Markus Mitsch (links) und Stadtkämmerer Konrad Doser. Zusammen mit Erstem Bürgermeister Michael Kölbl (rechts) freuen sie sich über die Neuerungen.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Seit Ende 2021 müssen die Wasserburger für weitere 30 Verwaltungsdienstleistungen nicht mehr ins Rathaus gehen. Sie können fast alles daheim vom Sofa aus online erledigen.

Wasserburg – Corona hat der Digitalisierung in Deutschland Schwung gegeben – auch im Wasserburger Rathaus. „Wir haben die virtuelle Tür weit geöffnet“, sagt Bürgermeister Michael Kölbl. Seit Ende 2021 müssen die Bürgerinnen und Bürger für weitere 30 Verwaltungsdienstleistungen nicht mehr ins Rathaus gehen. Sie können daheim vom Sofa aus online erledigt werden.

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„Bei diesem komplexen Thema darf der Dackel nicht zur Jagd gebracht werden“, bemüht Kölbl ein Sprichwort, das in seinen Augen perfekt passt zu personellen Entscheidungen, die das A und O einer erfolgreichen Online-Offensive darstellen würden. In der Stadtverwaltung gibt es für die Online-Offensive eine Projekt- und eine Lenkungsgruppe und ein großes Schulungsangebot. Christian Fischl, Verwaltungsfachangestellter im Steueramt, gehört zum Team, außerdem Systemadministrator Markus Mitsch, Kämmerer Konrad Doser und der Digitalisierungsbeauftragte Andreas Hiebl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und die Internetseite der Stadt Wasserburg.

Alte Zöpfe werden abgeschnitten

Zu viert haben sie es angepackt – und im November 2021 weitere 30 Verwaltungsvorgänge online gestellt. Mittelfristig sollen die hundert Prozent erreicht werden. Denn: Das Online-Zugangsgesetz verpflichtet Bund und Länder, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 auch elektronisch anzubieten. „Das werden die wenigsten Kommunen schaffen“, so die Erfahrung von Fischl.

Wasserburg ist nach Meinung von Kölbl jedoch zeitlich vorne mit dabei. „Wir gehen diesen Weg konsequent“, sagt der Rathauschef. Trotzdem kann er sich Kritik am Gesetzgeber nicht verkneifen: Schnell sei eine neue Verpflichtung in ein Gesetz geschrieben, umsetzen müssten es dann die Kommunen vor Ort. „Das geht nicht hoppla-hopp“, ergänzt Fischl. Im Hauruck-Verfahren seien Verwaltungsvorgänge nicht zu digitalisieren.

Denn: Es gibt viele Dienstleistungen, die müssen auch noch mit anderen Behörden – etwa dem Landratsamt Rosenheim – gekoppelt werden. Und es galt und gilt ein Problem zu lösen: Bei vielen Verwaltungsverfahren ist zum Abschluss eine Unterschrift notwendig – im Original. Im Endeffekt muss dann das Formular doch nach dem Laden wieder ausgedruckt, in einen Briefumschlag gesteckt und zur Post gebracht werden. Dass es auch anders geht, beweist die digitale Steuererklärung, sagt Hiebl. Er spricht von einer weiteren Hürde, die es zu nehmen gibt: Bezahlvorgänge, wenn Gebühren anfallen. Auch das ist in Wasserburg gelöst worden: über Paypal und Giropay.

Davon profitieren nach Überzeugung von Kölbl nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Verwaltung. Die Zettelwirtschaft werde nach und nach beendet, der Aktenberg reduziert. Dienstleistungen könnten außerdem dann erledigt werden, wenn es in den Zeitplan der Mitarbeiter passe, weil niemand am Schreibtisch stehe und warte, dass ein Vorgang erledigt werde.

Fischl und Hiebl berichten außerdem von vielen alten Zöpfen, die im Rahmen der Online-Offensive bereits abgeschnitten worden seien und künftig noch würden. „Prozessoptimierung“ heißt das Schlagwort der Stunde. „Das haben wir doch schon immer so gemacht“: Dieser Satz wird im Wasserburger Rathaus nicht gern gehört, berichtet das Projektteam schmunzelnd.

Die Einwohner nehmen die Umstellung an, immer mehr nutzen das Online-Angebot. Zahlen zur Resonanz gibt es allerdings noch nicht. Eines der ersten Einrichtungen war das Fundamt: Wer etwas vermisst, kann hier schon länger virtuell nachschauen. Eine sogar deutlich sichtbare Reform gab es außerdem beim Anmeldeverfahren für das Ferienprogramm: Früher standen die Eltern in langen Schlangen vor der Rathaustür. Heute werden die Ferienangebote für die Kinder online gebucht. Sogar die Anmeldung in den Kindergärten und Kitas soll heuer über ein am Dienstag, 8. Februar, freigeschaltetes Online-Portal auf der Stadt-Homepage vonstattengehen, berichtet Hiebl.

Demgegenüber gibt es sicherlich auch Bürgerinnen und Bürger, die auf den Gang ins Rathaus nicht verzichten mögen. „Unsere Tür steht immer offen“, sagt der Bürgermeister. Jeder könne persönlich sein Anliegen vortragen. Manchmal sei das auch notwendig. „Doch wir wollen der neuen Dynamik bei der Digitalisierung der Verwaltung nicht im Wege stehen“, gibt Kölbl als Ziel aus.

Software belastet finanziell

Das kostet. Denn die Stadt muss Software anschaffen. Einige große Anbieter bestimmen das Geschäft. Oft sei es deshalb notwendig, Pakete einzukaufen mit mehr drin als eigentlich benötigt würde, so Fischl. Außerdem fallen nach seinen Angaben Lizenzgebühren an. Die Online-Dienste kosten einmalig laut Kämmerer etwa 33 000 Euro. Der Freistaat fördere mit 20 000 Euro. Hinzu kommen laufende Kosten. Der digitale Service im Einwohnermeldeamt beispielsweise kostete einmalig etwa 17 000 Euro zuzüglich monatlich 380 Euro für die Wartung. Bei manchen Online-Diensten würden noch Entgelte pro Vorgang anfallen (beim Standesamt beispielsweise 17 Cent).

Im neuen Haushalt bilden außerdem Hardware-Investitionen große Ausgabeposten im sechsstelligen Bereich.

Es gibt nach Angaben der IT-Experten im Rathaus übrigens zwei Wege, digitale Leistungen abzurufen: über die Homepage der Stadt und über das Bayernportal, das für alle Behörden im Freistaat zuständig ist. Auch hier sind Formulare über den Zugang zu den einzelnen Kommunen abrufbar.

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