Die Schallplatte erlebt in Wasserburg eine Renaissance

In Zeiten von digitalen Streamingdiensten eine Rarität geworden: Alfred „Frödy“ Zaller hat sich auf den Verkauf von analoge Musikträgern, wie Schallplatten und CDs spezialisiert.
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In Zeiten von digitalen Streamingdiensten eine Rarität geworden: Alfred „Frödy“ Zaller hat sich auf den Verkauf von analoge Musikträgern, wie Schallplatten und CDs spezialisiert.

Wie aus einer anderen Zeit – so erscheint „Frödy Records“ in der Wasserburger Berggasse auf dem ersten Blick. In Zeiten digitaler Streamingmusik durch Apps wie Spotify, AppleMusic oder Youtube stapeln sich hier Schallplatten, CDs und Kassetten. Das passt in ein Museum, aber verkauft sich so etwas?

Von Sophia Huber

Wasserburg– Inhaber Alfred „Frödy“ Zaller beantwortet die Frage mit einem klaren Ja. Und das hat nicht nur mit Nostalgie zu tun.

Es gebe viele, die wie er Schallplatten gegenüber digitaler Musik bevorzugen würden, sagt er. Gründe dafür nennt Zaller mehrere. Erinnerungen an früher spielen natürlich eine Rolle. „Aber für die meisten meiner Kunden ermöglicht analoge Musik einfach eine bewusstere Art, Musik zu hören.“

Analoge Musik als kleines Kunstwerk

„Für mich ist so eine Schallplatte wie ein kleines Kunstwerk“, so Zaller weiter. Damit meint er nicht nur das Design, sondern auch die Platte und das Hörerlebnis selbst. „Man legt die Platte ein, setzt die Nadel auf, nach einer halben Stunde dreht man sie um.“ Eine Art Musik zu hören, die Streamingdienste schlicht nicht anbieten könnten.

Doch Zaller betont, dass er kein Gegner von Streamingmusik sei. Er selbst nutze neben Schallplatten auch anderen Medien wie CDs oder Youtube. „Ich unterstütze alle Arten, Musik zu hören.“

Getreu diesem Motto kommen auch Musikliebhaber in seinem Laden auf ihre Kosten. Egal, ob der alte Plattenspieler eine neue Nadel braucht, das T-Shirt der Lieblingsband noch im Schrank fehlt oder die alte Schallplatte dringend einen Stopp in der Schallplatten-Waschmaschine benötigt. Zaller steht mit Rat und Tat zur Seite.

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Besonders viel Freude bereitet es ihm, wenn junge Menschen den Weg in sein Geschäft finden. „Es kommt auch vor, dass Kinder mit ihren Eltern in den Laden ziehen, um nach Schallplatten zu suchen.“

Vorsitzender der Stadtkapelle: „Könnte sein, dass die Zeit der Schallplatte nie vorbei geht.“

Wer Zaller so zuhört, könnte fast meinen, Schallplatten gehöre die Zukunft. Was sagt der Musikexperte dazu? Georg Machl, Vorsitzender der Wasserburger Stadtkapelle, findet es schwierig, den Stellenwert von Schallplatte und Co. einzuschätzen. „In der Stadtkapelle greifen wir schon noch auf die alten Medien zurück. Wir haben viele Schallplatten mit ehemaligen Dirigenten.“

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Doch ob dieser Tonträger eine Zukunft hat, die Beantwortung dieser Frage fällt Machl schwer. „Schallplatten haben viele Liebhaber“, stellt er fest, „könnte sein, dass deren Zeit nie vorbei geht.“ Gilt das auch für Kassetten? „Kaum ein Jugendlicher heutzutage weiß, was ein Bleistift und eine Kassette miteinander zu tun haben“, sagt der Vorsitzende der Stadtkapelle schmunzelnd (Zur Erklärung für unsere jungen Leser: Mit dem Bleistift wurde ein Tonband, das sich verheddert hatte, wieder in die Kassette gedreht).

Instrumente auch im Angebot

Auch Zaller verlässt sich nicht nur auf das Vinyl. Demnächst soll es in seinem Laden auch mehr Instrumente geben. Vor allem die Frage nach Gitarren und Gitarrenseiten sei hoch. „Die Wasserburger wünschen sich das. Vielen fehlt ein Fachgeschäft für Musikinstrumente.“ Zaller möchte das ändern, damit auch dem Musikliebhaber, der selbst gern Musik macht, geholfen werden kann.

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