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AUS DEM STADTRAT

Die neue Wasserburger Kita kann kommen

Der Planentwurf für Kirche und Kita am Burgstall: Die Abbiegespur von der Staatsstraße aus finanziert die Stadt.
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Der Planentwurf für Kirche und Kita am Burgstall: Die Abbiegespur von der Staatsstraße aus finanziert die Stadt.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Gute Nachricht für junge Eltern: Wasserburg bekommt 62 neue Krippen- und Kindergartenplätze. Träger der Kita ist das Wohlfahrtswerk der Adventgemeinden, das am Burgstall bauen will. Hier entsteht auch ein neues Gotteshaus der evangelischen Freikirche. Der Stadtrat musste trotzdem eine bittere Pille schlucken.

Wasserburg – Bereits 2019 hatte der Stadtrat signalisiert, eine Kindertagesstätte mit zwölf Krippen- und 25 Kindergartenplätzen mit einem Investitionskostenzuschuss zu unterstützen. Im Laufe der Planungen hat sich nach Angaben von Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) jedoch für den Träger herausgestellt, dass zwei Gruppen nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

Deshalb jetzt der Antrag an die Stadt, auch den Bedarf für eine dritte Gruppe anzuerkennen. Der ist nach Angaben des Bürgermeisters unstrittig. Zusätzliche 50 Kindergarten- und 24 Krippenplätze waren schon 2018 als Bedarf ermittelt worden, „wir werden jedoch immer wieder von der Realität überholt“, sagte Kölbl und deutete damit an, dass der Bedarf weitaus höher ist.

Magdalenenweg wird verlegt und breiter

Das Angebot des Advent-Wohlfahrtswerks e.V., am Burgstall eine Kita mit drei Gruppen zu errichten, kam also gerade recht. Die Stadt bezuschusst das Neubauvorhaben mit 2,095 Millionen Euro. Die Kommune bekommt zur Finanzierung ihres Anteils wiederum vom Freistaat Zuweisungen, als sicher gelten Förderungen in Höhe von 40 Prozent, vielleicht sind es aufgrund eines weiteren Zuschussprogramms bis zu 70 Prozent.

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Doch es gab noch ein Problem, das für längere Debatten sorgte: die Erschließung der Kita über die Staatsstraße. Das Staatliche Bauamt fordert, dass der Magdalenenweg verlegt und so verbreitert wird, dass auch Begegnungsverkehr möglich ist, damit es zu keinen Rückstaus Richtung Staatsstraße kommt.

Diese Maßnahme und den Bau einer Lärmschutzwand übernimmt der Bauherr. Finanziell nicht mehr zu schaffen ist für das Advent-Wohlfahrtswerk die Errichtung einer Linksabbiegespur an der Staatsstraße, ebenfalls gefordert vom Staatlichen Bauamt. Bis zu 400.000 Euro könnte sie kosten.

Auch Rad- und Gehweg geplant

Zwei Herzen würden in ihrer Brust schlagen, sagte die Kindergartenreferentin des Stadtrates, Bettina Knopp. Sie freue sich, dass ein Teil des Betreuungsbedarfs durch den Kita-Bau gedeckt werde.

Als grüne Stadträtin bedauere sie jedoch sehr, dass für die Erschließung keine umweltverträglichere Lösung als die neue Linksabbiegespur gefunden werden könne. Knopp forderte eine attraktive Ertüchtigung mit Geh- und Radweg. Das ist auch geplant, so Kölbl.

Sepp Baumann hat Zweifel

Gar nicht einverstanden zeigte sich Sepp Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg). Er zweifelte den Bedarf für drei Gruppen an, sieht die Gefahr, dass die neue Kita eine Konkurrenz für städtische Einrichtungen darstellen könnte und befürchtet, dass angesichts der Lage am Stadtrand auch Kinder aus Eiselfing und Babensham kommen. Die Stadt zahle Millionen für eine Kita, die auswärtige Kinder besuchen würden, so Baumanns Sorge. Kölbl betonte, in der Vereinbarung zwischen Stadt und Träger werde festgelegt, dass Wasserburger Familien den Vorzug hätten. Das Erweiterungsvorhaben der katholischen Kirche an der Ponschabaustraße ist derzeit anscheinend vom Ordinariat ausgebremst, deutete der Rathauschef außerdem an. Pastor Frederik Woysch als Projektleiter der Adventgemeinde berichtete von konstruktiven Gesprächen mit Wasserburgs neuem Stadtpfarrer.

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Elisabeth Fischer (CSU) plädiert dafür, die Kosten für die Abbiegespur zu übernehmen. Eine gute Anbindung der Kita sei wichtig, Fraktionskollege Georg Machl sieht durch die neue Erschließung sogar eine Aufwertung der Siedlung Burgstall. Dass die Stadt die Finanzierung der Spur allein stemmen müsse, sei trotzdem „sehr unglücklich“, fand Machl. Woysch erläuterte, warum die unabhängige Freikirche die Kosten nicht zusätzlich stemmen könne. Sie baut Kirche und Kita aus Spendenmitteln, die Kosten hätten sich in der Planungszeit mehrfach erhöht.

Nur Baumann stimmt dagegen

Pastor Woysch verdeutlichte jedoch auch: Wenn der Stadtrat Bauchschmerzen habe, solle er sich nicht gezwungen fühlen, Ja zur Kita und damit zur neuen Abbiegespur zu sagen. „Dann bauen wir nur eine Kirche“, betonte er. Das Wohlfahrtswerk der Adventisten würde trotzdem gerne die Betreuungseinrichtung erstellen, um der Stadt Wasserburg, in der sie seit Jahrzehnten zuhause sei, „etwas zurückzugeben“.

In Bad Aibling betreibe das Wohlfahrtswerk bereits erfolgreich eine Kita, berichtete Woysch. Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) ließ vom Wasserburger Kinderarzt Dr. Marko Senjor ausrichten, er halte die Adventgemeinde mit ihrem Wohlfahrtswerk als geeigneten Partner. Bis auf Baumann stimmten schließlich alle Stadträte dem neuen Weg zu.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Kita-Neubau

Die Fraktionsvorsitzende von SPD/Linke Liste, Friederike Kayser-Büker, wollte wissen, ob das Personal der Glaubensgemeinschaft der Adventisten angehören müsse: Pastor Woysch betonte, dies sei nicht notwendig.

Kayser-Büker fragte außerdem nach den pädagogischen Werten, die vermittelt würden: Sie orientieren sich am christlichen Menschenbild, betonte der Pastor.

Die Stadträtin frage, ob auch Kinder aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen betreut würden, auch das bejahte Woysch. Ob es stimme, dass auch Flächen für gewerbliche Nutzungen vermietet würden, fragte Kayser-Büker. Der Projektleiter betonte, die Kita sei als Anlaufstelle für Familien gedacht, hier könnten stundenweise auch Dienstleistungen wie Ergo- oder Logopädie und musikalische Früherziehung stattfinden.

Dr. Hermann Budenhofer (Freie Wähler) wollte wissen, was mit dem Gebäude geschehe, wenn der Betreuungsbedarf mal nicht mehr gegeben sei oder sich die Politik des Trägers ändere. Vertraglich wird eine Kita-Zweckbindung auf 25 Jahren festgelegt, berichtete der Bürgermeister.

Dr. Martin Heindl (SPD) wünscht eine Erziehung, die die Werte des multikulturellen Wasserburgs berücksichtige. Religiöser Zwang werde selbstverständlich nicht ausgeübt, so Woysch. Norbert Buortesch (Bürgerforum) fragte nach, ob nachhaltig gebaut werde. Ja, so die Antwort, auf dem Dach sei etwa eine Photovoltaikanlage geplant.

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