Aus dem Bauausschuss

Die Haager Freyung, eine Grünfläche im Ort, soll frei bleiben

Wiese mit historischer Bedeutung: die Freyung in Haag (Bildmitte).
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Wiese mit historischer Bedeutung: die Freyung in Haag (Bildmitte).
  • vonLudwig Meindl
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Für die Freyung, die Grünfläche im Zentrum von Haag, hat der Bauausschuss den bestehenden Bebauungsplan aufgehoben. Die Gemeinde soll sich nun darum bemühen, die Grünfläche dauerhaft vor eventuellen Bauanfragen zu sichern. Das hat auch historische Gründe.

Haag – Die Fläche erstreckt sich nördlich der Gabelsbergerstraße, wird im Osten von der Hörmann-Villa, im Norden vom Garten der Meyer-Villa, dem „Hintereder-Hof“, der Maria-Wart-Straße und dem Friedhof, im Westen vom Bürgermeister Trautner Weg begrenzt.

Einst Schutz vor Verfolgung

Das Areal schrieb in Haag Geschichte, da es eine der wenigen sakrosankten Bereiche des sozialen öffentlichen Lebens darstellte. Am Hügel befand sich eine Stätte, einem Altar nachempfunden, zu der sich Verfolgte flüchten konnten und an der sie auch Schutz erwarten durften.

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Wie bei den alten Griechen und Römern Tempel Verfolgte schützend aufnahmen, so galt das bis zur Säkularisation 1804 für die Haager Freyung „als Stätte für Freiheit vor Verfolgung, Schnelljustiz und Blutrache“. Das galt laut historischer Aussage für „alle, wes Stand sie seynd“.

Platz zum Schlittenfahren

Folgende Episode ging in die Haager Geschichte ein: Der Wirt vom Kefer soll am Marktplatz einen Verwundeten an der Freyung dem Zugriff seiner Verfolger entzogen und den Mann versorgt haben. Zwei Steine des historischen Gedenksteins fand man später verbaut in Albaching und Ramsau – Jahreszahl: 1727. Im Winter nutzen die Kinder die „Freiham“ zum Ski- und Schlittenfahren.

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Die idyllische Lage mit Blick auf Schlossturm, Kirche und Alpenpanorama lockte schon etliche Bauwillige, vor allem auch am Rand des Areals. So plante neben anderen Armin Wittmann an der Gabelsberger Straße Wohnblöcke. Hans Jeske wollte 2008 barrierefreies Wohnen verwirklichen. Lange Debatten hatte es 2010 um die „Gestaltungsfreiheit“ gegeben, als Karl Ziegler seinen Wohnbau ankündigte und mit Unterstützung des Landratsamtes realisierte.

„Das formelle Verfahren“ des Bebauungsplans „Freyung“ sollte nun nach Empfehlung aus dem Landratsamt aufgehoben werden, berichtete Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD). Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer (CSU) sprach von einem Außen- und Innenbereich, der hier gelte, und wollte die Situation der Baulücken am Rand zu den Straßen geklärt haben.

Park oder Erholungsraum?

Zu eventuellen Bauansinnen betonte Bürgermeisterin Schätz grundsätzlich: „Wir können nur das Einvernehmen verweigern oder zusichern.“ Ihr läge persönlich ein besserer „Schutz der Freifläche“ am Herzen. Eine landwirtschaftliche Nutzung bestehe noch. Die Gemeinde soll ihrer Meinung nach jedoch eine dauerhafte Sicherung des Grünareals anstreben. Man könne es Park oder Erholungsraum bezeichnen. Die Behörden dürften auch zu einem Lösungsansatz beitragen – etwa der Landschaftspflegeverband.

Der Ausschuss hob in seinem Beschluss einstimmig das Verfahren für die „Freyung“ auf. Die Verwaltung wird beauftragt, die Möglichkeiten einer dauerhaften Sicherung zu suchen.

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