Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Dicke Luft am Inn?

Die Bruckgasse in Wasserburg ist von Lärm und Schadstoffen mehr belastet als die restliche Altstadt

Das Gebäude- und Geländemodell von Wasserburg wird gefüttert mit Daten der Meteorologie und Emissionsquellen. Dadurch errechnet sich ein „Ausbreitungsmodell“, das die Konzentration von Luftschadstoffen in Jahresmittelwerten anzeigt.Hoock & Partner Sachverständige
+
Das Gebäude- und Geländemodell von Wasserburg wird gefüttert mit Daten der Meteorologie und Emissionsquellen. Dadurch errechnet sich ein „Ausbreitungsmodell“, das die Konzentration von Luftschadstoffen in Jahresmittelwerten anzeigt.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
    schließen

Eine punktuelle Schadstoff- und Lärmmessung ist nicht repräsentativ für die ganze Altstadt. Eine Voruntersuchung von Umweltphysiker Dr. Benny Antz bestätigt zwar, dass die Bruckgasse in Wasserburg höher belastet ist, aufgrund der baulichen Enge. Aber dies sagt nicht aus, dass die Werte auf der Halbinsel am Inn überschritten sind.

Wasserburg – Die Bruckgasse in Wasserburg ist ein Nadelöhr: Hier muss viel Verkehr durch, es gibt Stau, Lärm und Schadstoffe sammeln sich in der baulichen Enge. Dies bestätigt auch die Voruntersuchung in Sachen Luft- und Lärmbelastung in der Altstadt, die Dr. Benny Antz vom Büro „Hoock und Partner“ durchgeführt hat. Sie sollte Grundlage sein, um mögliche weitere Schritt einzuleiten und ein Messverfahren zu vergeben.

2018 hatte das Landesamt für Umwelt (LfU) Messungen unternommen und am Brucktor eine leichte Überschreitung eines Grenzwertes festgestellt. Darauf hin drängten die Grünen in einem Antrag, dies genauer zu untersuchen. Das ist nun durch „Hoock und Partner“ geschehen.

Weitere Messungen nicht sinnvoll

Der Umweltausschuss verzichtet nun aber einstimmig auf weitere Messungen, nachdem er die Faktenlage gehört hat. Denn auch wenn an neuralgischen Punkten Luftschadstoffe und Lärm erhöht sind, so sind die Messwerte nicht repräsentativ für die Altstadt.

Dazu kommt, dass Messungen zahlreichen Schwankungen unterliegen und dass im Coronajahr 2020 ohnehin weniger Autos unterwegs waren, was das Ergebnis auch beeinträchtigt. „2020 gab es generell eine krasse Abnahme an Schadstoffen in Deutschland“, so Antz.

Schadstoffe gehen selbst am Stachus zurück

Im Fokus seiner Voruntersuchung lagen Stickstoffdioxid und Feinstaub. Schwefeldioxid, Blei, Benzol oder Kohlenmonoxid seien im Verkehr kein Thema mehr heutzutage.

Auch interessant: Lärm und Feinstaub in der Wasserburger Altstadt: Umweltausschuss will neue Messung

Schwefeldioxid nehme überall ab, selbst an Plätzen wie dem Stachus in München.

Wind, Regen, Schnee

Bei einer Lärmmessung mittels Mikrofon verfälsche jeder Regentropfen oder jedes Windrauschen oder eine geschlossene Schneedecke das Ergebnis. Seiner Ansicht nach käme nur ein Berechnungsverfahren in Frage. „Die Bruckgasse in Wasserburg ist ein spezieller Fall, hier spielt sich das Maximum an Belastung ab. In der Häuserschlucht können Luftschadstoffe schwerer abtransportiert werden“, so Antz.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier.

Jedoch, so Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) sage dieser Hotspot nicht aus, dass Grenzwerte in der Altstadt überschritten seien, was Antz bestätigte. Zudem erklärte er auf Nachfrage von Dr. Martin Heindl (SPD), die Lärmschutzverordnung greife nicht in der Altstadt. Die beziehe sich auf Neubauten oder wesentliche bauliche Veränderungen.

Kosten bei bis zu 60.000 Euro

Antz schlug für ein Verfahren als Mess-Standorte die Bruckgasse, die Tränkgasse oder Schmiedzeile sowie einen Standort an der Innschleife vor, der die „urbane Hintergrundbelastung“ festhält. „Punktmessungen sind aber weder in Sachen Schadstoffe, noch beim Verkehrslärm repräsentativ“, so der Experte erneut. Man müsste sich eines kontinuierlichen Messverfahrens bedienen – über einen längeren Zeitraum und zwar mit „Spitzen“ und „Tiefen“ sowie den Stunden- und Tagesmittelwerten.

Lärmpeaks nerven

Die Kosten für die gesamte Messung von Installation über Kalibrierungen bis zur Auswertung liegen laut dem Umweltphysiker schätzungsweise bei 50.000 bis 60.000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren: Wasserburg will den Kindern ihren Schlittenberg bei der Innpromenade lassen

„Nach der Aussagekraft der Messungen sehen wir, das wäre rausgeschmissenes Geld“, so Kölbl. „Die Lärmpeaks nerven“, sagte Heindl in der Diskussion.

Autoposer haben Verhaltensproblem

Er nahm auch Bezug auf die Verkehrsteilnehmer mit „lautem Auspuff, die durch Brucktor durchheizen und den Motor aufheulen“. „Poser nerven, ja! Aber wenn die im Rahmen der Geschwindigkeitsbegrenzung da durchrattern, ist das nicht illegal, sondern vielmehr ein Verhaltensproblem“, so Antz.

Was tun für die Geplagten?

Norbert Buortesch (Bürgerforum) sagte, Dauerlärm sei immer belastend und auch gesundheitsschädlich. „Die Leute am Brucktor sind geplagt. Was können wir für sie tun?“, stellte er in den Raum.

Dass es dort und in der Tränkgasse eng hergehe sei bekannt. „Wenn wir den Verkehr reduzieren, nimmt auch die Belastung ab, aber dazu brauchen wir keine weiteren Messungen“, so Kölbl.

Lesen Sie auch: Wasserburg hat Mühe, nicht im „To-Go-Müll“ zu ersticken

Heindl schlug eine gegenläufige Ampelanlage am Marienplatz vor, damit am Tor keine Staus entstehen. „Der verlagert sich aber woanders hin, so Kölbl. Vor 20 Jahren gab es Versuche: Chaos pur.“ Zudem handle es sich um eine Staatsstraße. „Die werden da nie und nimmer eine Ampel bauen“, so Kölbl.

„Deppentum nicht ausrottbar“

Vom „nicht ausrottbaren Deppentum“ sprach Wolfgang Schmid (CSU) und sprach von jenen Autofahrern die Stauf verursachen, weil sie Angst haben, im Brucktor könne es bei Gegenverkehr zu eng werden. „Wir bräuchten außerhalb der Stadt eine Höhenkontrolle für LKW, damit die gar nicht erst reinfahren“, so Schmid.

Absauggeräte zu teuer

Bettina Knopp (Grüne) schlug vor, sich über technische Möglichkeiten Gedanken zu machen, um Lärm und Schadstoffe in belasteten Ecken zu reduzieren. „Eventuell Absauggeräte, die stundenweise Entlastung bringen.“

Dr. Antz bestätigte, wenn man technisch kreativ sei, gebe es viele Möglichkeiten. Ob diese finanzierbar seien, sei allerdings fraglich. Ein Zirkulationssystem halte er nicht für zielführend. „Föhns machen auch wieder Lärm“, so Buortesch.

ISEK zeigte Maßnahmen auf

Wolfgang Janeczka (SPD) zeigte sich nach dem Gutachten ernüchtert. „Verwertbare Maßnahmen können wir nicht ableiten, weitere Messungen für 60.000 Euro sind also nicht sinnvoll.“ Er wies darauf hin, dass es im ISEK diverse Maßnahmen zur Entlastung gab, die man weiter verfolgen sollte. Und Bourtesch appellierte, mehr zu tun, was den nicht motorisierten Verkehr unterstützt, „alles was gut für Luft und Bausubstanz ist“. Und man sollte das Staatliche Bauamt bitten, am Brucktor Lärmberechnungen zu machen.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Im ersten Jahr nach der Pandemie will die Stadt erneut an die LfU herantreten und um Nachmessungen an drei neuralgischen Punkten bitten.

Kommentare