„DIE HÜTTE BRENNT“: HILFERUF DER GASTRONOMIE

Zwei Haager Wirte machen auf ihre Situation aufmerksam

Giuseppe Costanzo ist aktuell Chef und Chefkoch zugleich.
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Giuseppe Costanzo ist aktuell Chef und Chefkoch zugleich.
  • vonLudwig Meindl
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Der bayernweiten Aktion „Die Hütte brennt“ schlossen sich in Haag zwei Gastronomen an. Ihre aktuelle Situationsbilanz fällt nicht rosig aus: Depression mache sich breit, Mitarbeiter bangen um den Arbeitsplatz, Kellnerinnen schauen sich nach anderen Beschäftigungen um.

Haag – Eine Nacht lang brannten im „Il Caminetto“ und im „Weißbräustüberl“ die Lichter.

Giuseppe Costanzo ist skeptisch: „Ich weiß nicht, ob das die Leute überhaupt gemerkt haben.“ Jeder müsse um 21 Uhr zuhause sein. In Großstädten sei das vielleicht eher aufgefallen. Tim Frische im „Weißbräustüberl“ war von der Wirkung ebenfalls nicht überzeugt, die Gastronomie müsse aber ein Zeichen setzen: „Wir müssen langsam wieder aufsperren, sonst wird es wirklich hart.“

Dasitzen und auf Anrufe warten, auch die Kreativität leidet

Aktuell läuft das Abhol- und Liefergeschäft laut Costanzo unter der Woche ruhig an den Wochenenden verbuche er starke Nachfrage. Trotzdem bleibe jeden Monat eine gewisse Summe offen. Von einem Mitarbeiter habe er sich schon trennen müssen. Die anderen bangen um ihren Arbeitsplatz. Eine gewisse Depression verspüre er selbst, so der „Caminetto“-Chef.

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Vor allem fehle der Kontakt zum Gast: „Wir sitzen zwei Stunden da, schauen ins Leere und warten auf Anrufe.“

Frische fragt sich: „Was mache ich mit den Bedienungen? Die schauen sich mittlerweile um einen andern Job um.“ Ihm schlage sich die momentane Küchenpraxis ebenfalls auf die Nieren: „Jeden Tag Schnitzel und Burger. Ich kann nicht mehr kreativ sein.“

Im „Caminetto“ blieben bei leeren Stühlen eine Nacht die Lichter an. Wurde die Aktion trotz der Ausgangssperre bemerkt?

Regierung habe Gastronomie im Stich gelassen

Umso wichtiger sei es, meinen beide, jetzt für die Gastronomie zu kämpfen. In die Politik setzt Costanzo nur noch wenig Vertrauen: „Auf die Restzahlungen für November warte ich immer noch.“ Die schnelle Schließung beim zweiten Lockdown hätte es nicht gebraucht und habe an den Zahlen nicht viel geändert.

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Die Regierung sei überfordert gewesen und habe die Gastronomie im Stich gelassen. Dabei mussten die Gastronomen Mitte des Jahres Geld in die Hand nehmen, um den Hygienestandard zu schaffen. Costanzo baute Trennwände ein, da auch die Gäste Abstand forderten.

Haag als Standort ein Glücksfall

Unterstützung erhielten die örtlichen Gaststätten vom Werbering „Haag aktiv“ durch Werbung. „Super“ finde er die Gutscheinaktion von Gemeinde und Bürgermeisterin für Haags Senioren. „Haag aktiv“-Vorsitzender Thomas Sax befürwortete das Zeichen der Lichtnacht: „Ich finde es total gut, dass ein gemeinschaftliches mediales Ereignis auf die Notwendigkeit der Öffnung der Gastronomie hinweist.“

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Im Vergleich zur Großstadt München schätzen sich die Haager Wirte über ihren Standort glücklich. „Wir haben eine moderate Miete und verständige Verpächter. Meiner hat mir zwei Monatsmieten geschenkt“, so Costanzo. Er sei überzeugt, dass in Haag, wenn grünes Licht gegeben werde, alle wieder aufmachten.

Dann werde wohl hohe Nachfrage herrschen:„Wir werden uns speziell organisieren und gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

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