Die Angst der Wasserburger Wirte vor dem Corona-Winter – Sind Heizpilze die Lösung?

Heizpilze sind auf Sondernutzungsflächen in der Stadt nicht erlaubt. Doch die Gastronomie benötigt eine Chance, die Außensaison zu verlängern.
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Heizpilze sind auf Sondernutzungsflächen in der Stadt nicht erlaubt. Doch die Gastronomie benötigt eine Chance, die Außensaison zu verlängern.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Der Winter naht – und die Sorgen der Gastronomen werden größer. Denn in der kalten Jahreszeit werden sie ihre Biergärten und Terrassen schließen müssen, mit denen sie in der Corona-Pandemie wenigstens noch etwas Umsatz machen konnten. Heizpilze könnten die Außensaison verlängern. Doch es gibt einen Haken.

Wasserburg – In Wasserburg ist die Aufstellung von Heizgeräten im öffentlichen Raum nicht erlaubt. Die Stadtratsfraktion von CSU und Freie Wähler-Wasserburger Block möchte, dass die Stadt heuer umdenkt.

Die Grünen hatten sich 2019 mit ihrem Antrag durchgesetzt, Heizstrahler auf Sondernutzungs- und städtischen Miet- oder Pachtflächen für die Gastronomie nicht mehr zu erlauben. Die Geräte gelten als Energiefresser. Damit widersprechen sie den Klimaschutzzielen der Stadt.

CSU/FW-WBI-Fraktion fordert Rücknahme des Heizpilzverbots

Doch es sind besondere Zeiten, argumentiert die Stadtratsfraktion CSU/FW-WBI, die laut Sprecherin Heike Maas (CSU) die sofortige Aussetzung der Auflagen beantragt hat – temporär nur während der coronabedingten Ausnahmesituation, solange Hygiene- und Abstandsreglungen Gültigkeit haben, wie Maas ausdrücklich betont. Danach sollen die Auflagen zum Ausschluss von Heizgeräten, gemäß Beschluss des Bauausschusses vom 21. November 2019 wieder gelten. „Wir erkennen grundsätzlich das Verbot der Heizgeräte als Maßnahme zum Klimaschutz an“, stellt Maas fest.

Die Fraktion will der Gastronomie helfen, ihre Gäste möglichst lange im Freien bewirten zu können. Denn aufgrund der verpflichtenden Hygiene- und Abstandsregeln gibt es deutlich weniger Sitzplätze. Wirte wie Peter Fichter vom Stechl Keller stellen außerdem fest, dass nach wie vor manche Gäste nicht drinnen sitzen wollen. Seine Heizgeräte befinden sich auf Privatgrund, er darf sie deshalb nutzen. Fichter legt Wert auf die Feststellung, dass seine Heizstrahler, die fest an der Wand montiert sind, zu 100 Prozent auf Ökostrom-Basis funktionieren. „Schädlich und auch gefährlich sind vor allem die Gaspilze, einer hat einen CO2-Ausstoß wie 100 Pkw“, berichtet er.

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Fichter wird für die Herbst- und Wintersaison außerdem die Aufstellung eines vier mal vier Meter großen Zeltes beantragen. „Wir haben drinnen nur 20 Sitzplätze – und 35 Angestellte. Wir müssen was tun, damit wir unsere Leute weiter bezahlen können“, sagt er. Und appelliert an die Stadt und den Stadtrat, „endlich mal etwas für uns Wirte zu tun“. Der Berufsstand gehöre neben der Reisebranche zu den am stärksten Betroffenen der Corona-Pandemie.

Fichter hofft vor allem auf Entgegenkommen bei Versuchen, den schwierigen Herbst und Winter zu meistern. „Wir brauchen die Unterstützung, sonst schaffen es viele von uns nicht.“

Ratschlag: Decke zum Cafébesuch mitnehmen

Christine Deliano von der Wasserburger Backstube in der Hofstatt appelliert ebenfalls an die Stadt, alle Versuche der Cafés und Lokale zu unterstützen, Gästen auch in der kühleren Jahreszeit einen Aufenthalt im Freien zu ermöglichen. Denn auch sie hat die Bestuhlung drinnen und draußen um ein Drittel reduzieren müssen. „Das bedeutet trotz der Tatsache, dass wir immer gut besucht sind, dass auch unser Umsatz um ein Drittel gesunken ist.“

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„Heizpilz oder Zelt: Das bin ich ganz schmerzfrei. Hauptsache unsere Gäste können draußen bleiben, wenn sie mögen, und müssen nicht frieren“, sagt Deliano. Sie appelliert außerdem an die Kunden der Wasserburger Gastronomie, eine Decke mitzubringen. „Am besten legen wir sie uns heuer ins Auto, damit wir sie immer griffbereit haben“, so ihr Ratschlag. Würde sie selber Decken ausgeben, müssten diese nach jeder Nutzung durch einen Gast gewaschen werden. „Das können wir nicht leisten.“

Branchenverband Dehog warnt: „Die Lage ist prekär.“:

Auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga appelliert an die Kommunen, „alles zu tun, was möglich ist, um die Wirte zu unterstützen“, so Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert auf Anfrage der Wasserburger Zeitung. Denn: „Die Lage ist nach wie vor prekär.“ Die Gastronomie erwartet nach einer Umfrage des Verbandes, dass das Corona-Jahr 2020 mit einem Umsatzrückgang von 51 Prozent abschließen wird. Im Juli und August sei der Besuch zwar vor allem auf dem Land besser als erwartet gewesen, doch nach wie vor kommen weniger Gäste – vor allem fehlen die ausländischen Besucher und Tagungsgäste, berichtet Geppert.

Er sieht angesichts der Hygieneregeln der Gastronomie in Innenräumen keine Infektionsgefahren. „Die Konzepte funktionieren, der Aufenthalt ist sicher“, so seine Erfahrung. Viel mehr Gefahren würden durch private Feiern im privaten Raum ausgehen. „Die finden ohne Hygienekonzept und ohne Registrierung statt. Solche Feiern würden in unseren Gastronomiebetrieben geordneter ablaufen.“ duc

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