Deutschland singt, Bach-Chor Wasserburg singt mit: Bewegende Lieder zum Tag der Einheit

Bewegender Auftritt: Der Bach-Chor mit Leiterin Angelica Heder-Loosli.
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Bewegender Auftritt: Der Bach-Chor mit Leiterin Angelica Heder-Loosli.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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Es war sein erster öffentlicher Auftritt in diesem Jahr – und einer, von dem ein ganz besonderer Zauber ausging: Am Samstagabend zog der Wasserburger Bach-Chor rund 100 Besucher in der St. Jakobs-Kirche bei einem Festakt anlässlich der Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren in seinen Bann.

Wasserburg – Ursprünglich sollte die Veranstaltung unter dem Motto „Deutschland singt“, an der zur gleichen Zeit deutschlandweit viele Chöre teilnahmen. auf dem Platz in der Frauengasse stattfinden, wegen des nasskalten Wetters gaben die Organisatoren aber der Kirche den Vorzug.

In seiner Ansprache fasste der Zweite Bürgermeister Werner Gartner die Bedeutung des Jahrestags zusammen: „Der Kampf gegen das Vergessen bleibt wichtig, gerade heute. 31 Jahre nach dem Fall der Mauer wissen manche Westdeutsche immer noch wenig über die DDR. Manche haben kaum eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlte, im SED-Staat zu leben.“ Gartner appellierte an die Besucher, am Tag der Einheit „die Herzen ganz weit zu machen und in echter Verbundenheit miteinander zu singen“.

32 Sängerinnen und Sänger aller Stimmlagen intonierten unter der Leitung von Angelica Heder-Loosli stimmungsvoll einen Reigen populärer Melodien – Volksmusik und Pop. Das Publikum sollte mitsingen, doch von der Einladung dazu machte es nur spärlich Gebrauch, man wollte dem Chor nichts von seiner Wirkung nehmen.

Mit einfühlsamen Worten sorgte Katrin Meindl von der Künstlervereinigung AK 68 für die Überleitungen von Lied zu Lied, darunter „Die Gedanken sind frei“, „Nun danket alle Gott“, „Amazing Grace“, „Der Mond ist aufgegangen“ und „We shall overcome“. Zu „Wind of Change“ sagte Meindl etwa, „hier wird der Zeitgeist eingefangen, hier wird ausgedrückt, was wir empfinden“.

Zeitzeugin berichtet vom Sieg gegen die Angst

In einem emotional vorgetragenen Zeitzeugen-Bericht erinnerte die aus Thüringen stammende Regina Liefeith – ein Mitglied des Bach-Chors – an die staatliche Willkür in der DDR. „Wir haben 1974 doch auch zum Abba-Song ‚Waterloo‘ getanzt. Aber ein Freund durfte nicht mehr Mathelehrer sein, weil er nicht zur Wahl gegangen war.“ Die 62-Jährige kämpfte sichtlich mit den Tränen, als sie vom „Sieg gegen die Angst“ im Herbst 1989 erzählte.

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Bewegt äußerte sich Chorleiterin Angelica Heder-Loosli über den Abend zum Tag der deutschen Einheit. „Für uns war das eine wunderbare Gelegenheit. Es hat sehr gutgetan, mal wieder für andere Menschen und für uns selber zu singen.“

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