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Ein zu wenig beachtetes Kunstwerk

Der spätgotische Altar in St. Leonhard am Buchat gibt immer noch Rätsel auf

Der leider getrennt präsentierte Flügelaltar in der Wallfahrtskirche zeigt Szenen vor und während der Kreuzigung Jesu.
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Der leider getrennt präsentierte Flügelaltar in der Wallfahrtskirche zeigt Szenen vor und während der Kreuzigung Jesu.

Gläubige, die am Karfreitag und Karsamstag das Heilige Grab in St. Leonhard am Buchat besuchen, sind gefangen von dessen Größe und elektrischer Beleuchtung, die vor 100 Jahren erstmals erstrahlte. Doch noch ein weiteres Kunstwerk hätte die Aufmerksamkeit der Kirchenbesucher verdient.

Babensham – Sicher gehört dieses Heiligengrab zu den bekanntesten, nachdem bei der Säkularisation diese Veranschaulichung des Todes und der Grabesruhe Jesu abgeschafft worden war. Erst 1922 hat man diese Kulissen mit Wolken, Palmen, Soldaten und Engeln sowie die Aufbauten neu geschaffen. Daran beteiligt waren einheimische Schreiner und der Maler Keilhacker aus Taufkirchen. Die Kosten beliefen sich auf knapp 20.000 Mark (Mk), zuzüglich der 110 Lampen mit ihrer Installation, die nochmals 3 000 Mk – zu Zeiten der Inflation – verschlangen.

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Bei allem Staunen über dieses nunmehr 100-jährige Grab übersehen die Besucher meist ein viel bedeutsameres Kunstwerk, das in den Kartagen eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: ein ehemaliger Kreuzaltar in diesem Gotteshaus. Es ist der einzige, noch fast vollständig erhaltene gotische Flügelaltar in der Region, der bei der Barockisierung einer Kirche zerlegt und mutmaßlich an einen anderen Ort abgegeben worden war. Ob dieser jemals der Hochaltar von St. Leonhard war, lässt sich schwer nachweisen, da die Archivalien erst 1560 beginnen. Er wird in den Visitationsprotokollen nie genannt, und eigentlich müsste ein Leonhard- oder Wolfgangaltar im Mittelpunkt stehen.

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Leider hat man, wo auch immer, nicht nur das Mittelbild (Maße noch 260 x 215 Zentimeter) und die Tafeln der Flügel (Maße noch 92 x 90 Zentimeter) beschnitten, sondern auch voneinander getrennt. Daher hängen sie heute zusammenhangslos an der Nord- und Südwand des Langhauses. Stattdessen hat man zu schmale und zu niedrige Flügel eines Wolfgangs- und Leonhardsaltars neben die Kreuzigungsgruppe gehängt. So ist das Bildprogramm nicht mehr nachvollziehbar, da auch die seit der letzten Restaurierung 2013 versprochenen Erläuterungstafeln noch fehlen.

In geschlossenem Zustand hätte der Flügelaltar vier Szenen aus dem Marienleben gezeigt. An hohen Feiertagen, wie etwa in der Karwoche, wären die Flügel geöffnet worden und hätten das Geschehen des Letzten Abendmahles, der Todesangst Jesu am Ölberg, das Verhör vor Pilatus und die Kreuztragung veranschaulicht. Das Zentrum bildete eine sogenannte Große Kreuzigung mit viel Volk. Die Ohnmacht Mariens unter dem Kreuz wird ebenso dargestellt wie die Knechte, die um den Leibrock Jesu würfeln, oder die beiden Schächer, deren Seelen von einem Engel beziehungsweise einem Teufelchen in Empfang genommen werden.

Wo und wann wurde das Gemälde wirklich geschaffen?

In den Details, aber auch in der Gesamtkomposition stecken Hinweise zur Datierung und dem künstlerischen Umkreis, aus dem die Gemälde stammen. Daher kann mit einer Fehlinterpretation aufgeräumt werden, die Pfarrer Michael Braun, Kooperator von 1909 bis 1925 in St. Leonhard, in die Welt gesetzt hat. Er schrieb 1928 in seiner Chronik, dass die Wimpel der Soldaten auf Städte hinweisen würden, die an der Schlacht von Gammelsdorf (1313) beteiligt gewesen seien: Ingolstadt, Moosburg, Landshut und Straubing. Keiner der Wimpel stimmt mit den Wappen der Städte überein, bestenfalls könnte man bei oberflächlicher Betrachtung in den drei roten Helmen das Wappen Landshuts vermuten, dann wären die Helme allerdings blau. Damit ist auch die Vermutung, die Malerei sei in Landshut entstanden, widerlegt. In Wirklichkeit handelt es sich um „Judenhüte“, wobei auch auf einem roten Wimpel dieser Hut und ein Spottsymbol auf das Judentum dargestellt sind.

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Dieser Kreuzaltar mit seinen leider um ein Drittel verkürzten Flügeln, dem nur die Predella und vielleicht ein niedriges Gesprenge fehlen, hätte längst mehr Aufmerksamkeit in der kunstgeschichtlichen Forschung verdient. Wenn die Datierungsansätze und Zuschreibungen der Kreuzigungsbilder von Oberbergkirchen, die erst seit 1730 dort nachweisbar sind, und München, ab 1830 im Dom belegt, stimmen, müsste die Tafel von St. Leonhard von einem Künstler stammen, der Motive von beiden Vorlagen übernommen hat. Es kommt ein namentlich unbekannter Meister infrage, der um 1450 bis 1460 gearbeitet hat und und dessen Werke durch Einflüsse aus München und Salzburg geprägt sind.

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