Existenz bedroht

Umweltstation Seiml-Hof in Obing bekommt keine Gäste und keine staatliche Hilfe in der Corona-Pandemie

Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Schüler einer Münchner Mittelschule bauen auf dem Seiml-Hof im Rahmen einer Projektwoche einen Hühnerstall. Doch heuer blieben die Klassen aus.
+
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Schüler einer Münchner Mittelschule bauen auf dem Seiml-Hof im Rahmen einer Projektwoche einen Hühnerstall. Doch heuer blieben die Klassen aus.
  • vonChrista Auer
    schließen

Die staatlich anerkannte Umweltstation in Obing leidet stark unter der Stornierungswelle. Der vom Umweltministerium versprochene Rettungsschirm wurde für die gemeinnützige Bildungseinrichtung noch nicht gespannt.

Obing – „Traut’s euch und habt Vertrauen in uns“, wirbt Landwirt Thomas Mitterer für einen Aufenthalt auf dem Seiml-Hof in Obing. Die Umweltstation, die 2019 etwa 8.000 Übernachtungen und 3.500 Gäste verbuchte und für die im Corona-Jahr 2020 die Hauptsaison weggebrochen ist, sei mit einem funktionierenden Hygienekonzept für Besucher gut aufgestellt. Doch die Menschen haben Angst, die Schulen als Hauptkunden bleiben weg.

Wege aus der Krise finden

Mitterer ist auf der Umweltstation als pädagogische Fachkraft für die Bereiche Landwirtschaft und Biogasanlage zuständig. Er hat viel Herzblut in die Entwicklung des Bauernhofs zum Inklusionsbetrieb mit den vier Eckpfeilern – ökologische und soziale Landwirtschaft, nachhaltige Energieerzeugung und Umweltbildung – gesteckt. Nun kämpft er mit dem Führungsteam darum, Lösungen aus der Krise zu finden, denn die Auswirkungen der Corona Pandemie haben der Umweltstation in der Nähe von Obing schwer zugesetzt.

Lesen Sie auch:

Weitere aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite

Was Mitterer ärgert: Die Umweltstation erhält als einzige in Bayern keine staatliche Hilfe in der Pandemie. Die Angst der Leute sei für ihn nicht nur wirtschaftlich eine Katastrophe, so Mitterer. Auch persönlich seien die Auswirkungen von Corona belastend, „denn ich mag die Menschen und ich mag es, mit ihnen zu ratschen.“

In den vergangenen Jahren sei die Bildungseinrichtung ein offenes Haus für Menschen unterschiedlicher Kulturen und Gesellschaftsschichten mit und ohne Behinderung gewesen, in dem ein ständiger Austausch mit den Besuchern stattgefunden habe. Dadurch seien Freundschaften entstanden, erzählt der Pädagoge. Nun liege alles auf Eis. Seit März gebe es keine Buchungen mehr für das Gruppenhaus und die umweltpädagogischen Bildungsprogramme.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Es bleibt in Obing bei dem Plan mit Tiefgarage

„Als Schulbauernhof können wir die ökologische Landwirtschaft des Seiml-Hofes Kindern hautnah vermitteln. So sind es in erster Linie Schulklassen, die auf unserem Hof ihre Schulfreizeiten abhalten. Da in Bayern Schulfreizeiten bis Ende Januar 2021 untersagt sind, sehen wir mit Sorge in die Zukunft“, erläutert Günes Seyfarth, die sich im Trägerverein um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Aktuell könne wegen der Pandemieauflagen natürlich nur einen Teil durch Familien aufgefangen werden. Nicoline Roeßke stellt dar, wie soziale Landwirtschaft am Hof in der Praxis umgesetzt wird: „Wir haben vor Jahren begonnen, auch Arbeitsplätze für Menschen mit Einschränkung aufzubauen. So arbeiten wir in einem inklusiven Team mit gleichwertigen Aufgaben“, erklärt die Ökotrophologin, die für den Themenschwerpunkt Ernährung zuständig ist.

Diese Arbeitsplätze brauchten viel Zeit und viele Arbeitsstunden. Umso erfreulicher sei es, dass die mit der Biogasanlage verbundene Ausbildung der Mitarbeiter mit Behinderung zu Multiplikatoren durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert worden sei.

Verantwortung für Arbeitsplätze

Klar sei auch, dass am Seiml-Hof die Verantwortung für alle Mitarbeiter, insbesondere für jene mit Einschränkung, sehr ernst genommen werde. „Ihre Arbeitsplätze bedeuten für sie ihr Leben, denn die Arbeit gibt ihnen Struktur. Deshalb ist für uns Kurzarbeit für Menschen mit Einschränkungen und der Menschen, die sie während ihrer Arbeitszeit kontinuierlich anleiten, nicht umsetzbar“, sagt Roeßke. Denn nur durch die gewohnte dauerhafte Arbeit und Anleitung könne das inklusive Team sinnvoll eingesetzt werden.

Lesen Sie mehr:

Dorfmitte Obing wird um einen Euro schöner: Fröschlhäusl wird wiederbelebt

Landwirt Mitterer weist auf die Bio-Tierhaltung und die nachhaltige Energieerzeugung hin: „Mit unserer eigenen Biogasanlage erzeugen wir mit dem Mist unserer Tiere Energie und Wärme für unseren gesamten Bauernhof und unser Übernachtungshaus“.

Das sagt das Umweltministerium

• Um die staatlich anerkannten Umweltstationen in Bayern in der Pandemie-Zeit bestmöglich zu unterstützen, werden die vorgesehenen Zuwendungen in 2020 in voller Höhe ausbezahlt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Umweltstationen einen Antrag auf Förderung von Basis- oder Modellprojekten gestellt hatten und dieser von einem Fachgremium positiv bewertet wurde.

• Die Umweltstation Seiml-Hof hatte für 2020 keinen Antrag auf Förderung eines Basisprojekts gestellt. Der Antrag zur Förderung eines Modellprojekts wurde vom Fachgremium abgelehnt, da die Voraussetzungen nicht erfüllt waren.

• Die Förderrichtlinien ermöglichen außerdem jeder Umweltstation, weitere Zuwendungen für die Beschaffung von Ausstattungsgegenständen zu beantragen. Das Umweltministerium hat der von der Umweltstation Seiml-Hof beantragten Förderung für die Beschaffung von Ausstattungsgegenständen zugestimmt. Bewilligungsbehörde ist die Regierung von Oberbayern.

• Aktuell laufen die Antragsverfahren für den vom Ministerrat beschlossenen Rettungsschirm Erwachsenenbildung. Der von der Umweltstation Seiml-Hof eingereichte Antrag zur Gewährung von Unterstützungsleistungen aus dem Rettungsschirm wird derzeit von der Regierung von Oberbayern geprüft. Die Antragsverfahren werden voraussichtlich in Kürze abgeschlossen werden.

Mehr zum Thema

Kommentare