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Jetzt wieder historisch korrekt

Der Pranger am Wasserburger Rathaus ist seine Alu- und Gummifesseln endlich los

Rostig und schwer sind die Ketten endlich wieder, die am Pranger am Rathaus hängen. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann ließ sie austauschen.
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Rostig und schwer sind die Ketten endlich wieder, die am Pranger am Rathaus hängen. Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann ließ sie austauschen.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Die „Weinpanscherin“ wurde 2009 beim Bürgerspiel in Wasserburg an den Pranger gekettet. Man wollte ihr keine schweren, rostigen Stahlfesseln zumuten und ersetzte diese mit Aluketten und Gummihandschellen. „Endlich hängen wieder schwere rostige Ketten am Pranger“, freut sich Stadtführerin Irene Kristen-Deliano.

Wasserburg – „Waren die Handschellen immer schon aus Plastik“, fragten die Schulkinder oft, wenn sie mit Irene Kristen-Deliano auf Stadtentdeckungstour gingen und den Pranger am Rathaus eingehender betrachteten.

Da hingen nämlich seit 2009 Aluketten und Gummihandschellen.

„Verurteilte Weinpanscherin“

Anlässlich des Bürgerspiels 2009 wurden Ketten und Handschellen aus Plastik angebracht – für die „Weinpanscherin“.

„Für das Bürgerspiel hatte man die damals angebracht. Verständlich, denn der Darstellerin, der Weinpanscherin Regina, die zu einer Prangerstrafe verurteilt wurde, konnte man ja nicht die verrosten, schweren Handschellen für ihren Auftritt anlegen“, erklärt Kristen-Deliano, die sich als Stadtführerin bestens auskennt.

Herrmann reagierte schnell

Danach sei wohl vergessen worden, wieder alte, rostige Metallketten anzubringen.

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Kristen-Deliano wandte sich an verschiedene Stellen im Rathaus und landete mit ihrem Anliegen, man möge doch bitte wieder für eine Ausstattung sorgen, die zum alten Gemäuer des Rathauses passt, bei Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann.

Auf dem kurzen Dienstweg sorgte sie für Abhilfe.

Historisch korrekte Darstellung

„Wir wollten den Pranger wieder historisch korrekt darstellen. Ich fragte im Bauhof nach, ob da noch eine alte Kette mit Patina rumliegt. Dort wurde man fündig“, so Herrmann. Unbürokratisch ließ sie dieses „äußere Zeichen der Gerichtsbarkeit“, an dem sogenannte Ehrenstrafen vollstreckt wurden, so bestücken, dass es „zum Ambiente passt“.

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Die Strafe, am Pranger zu stehen, erlangte etwa ab dem 13. Jahrhundert Bedeutung. Sie diente der öffentlichen Schande, die der Verurteilte zu erdulden hatte. „An den Pranger stellen“ bedeutet heutzutage, jemanden quasi institutionell öffentlich bloßzustellen. „Wir verwenden heute auch die Redewendung, ,etwas anprangern‘, was bedeutet, etwas öffentlich zu machen“, ergänzt Kristen-Deliano.

Schmähgewitter heute: Shitstorm

In modernen Zeiten könnte man das Internet und im speziellen die Sozialen Netzwerke mit dem mittelalterlichen Pranger vergleichen. Man wird nicht mit faulen Tomaten beworfen, sondern mit einem „Shit-Storm“ überzogen, den man mit „Schmäh-Gewitter“ übersetzen könnte.

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