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DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

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Landkreis Rosenheim – Der DWD veröffentlichte am Sonntagabend (26. September) eine amtliche …
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FASTENBILD

„Der Judaskuss“ ist wieder zurück in der Wasserburger St. Jakob Kirche

Jesus wird gefangen genommen – Judas hat ihn verraten. Das Gemälde „Der Judaskuss“ ist ab sofort in der St. Jakob Kirche ausgestellt.
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Jesus wird gefangen genommen – Judas hat ihn verraten. Das Gemälde „Der Judaskuss“ ist ab sofort in der St. Jakob Kirche ausgestellt.

Erfüllt weder von seiner Größe noch von seiner Thematik her die Voraussetzungen für ein Wohnzimmerbild: der „Judaskuss“. Das Gemälde des Wasserburger Malers Gregor Sulzböck gehört zu einem Zyklus an Fastenbildern und ist ab sofort in der St. Jakob Kirche in Wasserburg ausgestellt.

Von Ferdinand Steffan

Wasserburg – Erfüllt weder von seiner Größe noch von seiner Thematik her die Voraussetzungen für ein Wohnzimmerbild: der „Judaskuss“. Bis vor Kurzem hing das 2,10 mal 1,45 Meter große Gemälde im Treppenhaus am Kaspar-Aiblinger-Platz 14, wo es der verstorbene Dr. Hermann Schiel einst beim Kauf des Hauses mit erworben hatte. Ab sofort ist das Fastenbild in der St. Jakob-Kirche ausgestellt, wie Pfarrer Bruno Bibinger mitteilt.

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Vor etlichen Jahren hatte Schiel es einer Restaurierung unterziehen, reinigen, alte Kittungen entfernen und wieder nachspannen lassen, sodass es wieder im alten Glanz erstrahlte.

Es war schnell klar, dass dieses Bild zu einem Zyklus von Fastenbildern gehörte, die im Inventarverzeichnis der Pfarrkirche aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verzeichnet sind: „Auf der Bibliotheca (obere Sakristei) 21 gemahlene Fastentücher“.

Ein Fastentuch für jeden Altar

Jeder der 14 Seitenaltäre, der Hochaltar, die beiden Pfeileraltäre und der Altar in der Turmkapelle (wenn er damals noch bestand) besaßen damals ein Fastentuch, das ab dem Aschermittwoch vor die Retabel der Altäre gestellt oder gehängt wurde.

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In der Überzahl von 21 Fastentüchern könnten sich auch welche aus der Gruft- und Michaelskapelle befinden. In der Regel trugen sie Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu, sodass der Geistliche bei seinen Fastenpredigten auf die jeweiligen Sequenzen Bezug nehmen konnte. Wie bei einer Bilderbibel stand den Gläubigen damit das Passionsgeschehen drastisch vor Augen.

Weg damit während der Regotisierung

Die barocke Schaufrömmigkeit fand in der Aufklärung das 19. Jahrhunderts immer weniger Gefallen, sodass die Gemälde an Bedeutung verloren und auf den Kirchenspeichern blieben. Bei der großen „Räumaktion“ 1870/71, bei der nicht mehr benötigtes Kirchengut verkauft wurde, um die Regotisierung der Pfarrkirche finanziell zu unterstützen, dürften auch die Fastenbilder veräußert worden sein.

Der „Judaskuss“ gelangte so in das Bürgerhaus am Kaspar-Aiblinger-Platz, ein zweites Bild fand auf Umwegen in die Sammlung des Städtischen Museums. Im ersten Verzeichnis von 1898 ist es noch nicht verzeichnet und da die Eingangsbücher jener Jahre lückenhaft sind, lässt sich seine Herkunft nicht zurückverfolgen. Da es aber mit 2,08 1,35 Meter fast gleichgroß wie der „Judaskuss“ ist, dürfte die Darstellung der „Todesangst Jesu am Ölberg“ zur gleichen Serie der Fastenbilder aus St. Jakob gehören. Diese Nachtszene befindet sich in einem eher schlechten Zustand und bedürfte konservatorischer Maßnahmen.

Sulzböck ab 1658 Wasserburger Bürger

Die Möglichkeit einer künstlerischen Zuschreibung der Bilder ergab sich 2013, als dem Museum eine mit „G. Sultzbökh 1658“ signierte „Kreuzabnahme“ angeboten worden war. Das Bild hatte ein Sammler aus dem Mangfallgebiet in den 70er Jahren in einem Trödelladen in München erworben. Mit 1,70 mal 1 Meter Größe hat es wiederum die Maße eines Fastenbildes, wobei ja nicht alle Bilder die gleichen Formate haben mussten, da sie dem jeweiligen Altar angepasst waren.

Wichtig ist jedoch die rückseitige Signatur mit der Jahreszahl. Der nach 1635 in Eggenfelden geborene Maler Gregor Sulzböck lässt sich ab 1657 in Wasserburg nachweisen, heiratete am 4. Februar 1658 die Malerwitwe Anna Strohvog(e)l und wurde am 8. März 1658 als Bürger der Stadt aufgenommen. Er führte bis zu seinem Tod 1698 nicht nur die traditionsreiche Werkstatt der Pittenharter und Strohvog(e)l fort, sondern wurde auch zu einem der wichtigsten Barockmaler der Stadt. Er fertigte die Gerechtigkeitsbilder für den kleinen Ratssaal (heute Sitzungssaal) und war auch an der Fertigstellung des Hochaltares von St. Jakob sowie an der Ausstattung weiterer Kirchen im Umkreis beteiligt.

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Der Maler hat bei dieser Szene der Gefangennahme Jesu die Hauptpersonen Jesus und Judas in einer Dreieckskomposition in den Vordergrund gestellt, wobei hinter ihnen eine Fahne mit den Buchstaben S.P.Q.R. (Senat und Volk von Rom) die Spitze des Dreiecks bildet. Dieses Dreieck ist durch Beleuchtung und Farbigkeit hervorgehoben, während die umgebenden Soldaten im Dunkel der Nacht verschwimmen. Nur stellenweise scheinen ihre Gesichter und Hände in der Finsternis auf. Ein am Rand der Szene stehender und nur von hinten dargestellter Soldat hält eine Laterne, die gleichsam die Lichtquelle bildet, die Jesus und Judas ausleuchtet.

Barockes Stück wieder in der Pfarrkirche

Wenn nun die Pfarrei St. Jakob das Gemälde des Judaskusses über einen Zwischenhändler, dem es ein persönliches Anliegen ist, dass das Bild in Wasserburg bleibt und wieder einer kirchlichen Verwendung zugeführt wird, von den Erben des Dr. Schiel zurück erwirbt, kehrt nicht nur ein barockes Ausstattungsstück der Pfarrkirche an seinen angestammten Platz zurück, sondern auch ein wichtiges Beispiel für das künstlerische Schaffen des Gregor Sulzböck, dessen Werke unter anderem in der Frauenkirche (Hochaltar- und Auszugsgemälde), in Gars, Schechen, Ebrach und St. Christoph zu finden sind.

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