ESCHENSTERBEN

Kahlschlag befürchtet: Der Hangwald am Attler Berg wird gefällt und das sagt die Besitzerin

Thomas Freiberger vom Technischen Dienst der Stiftung Attl im Hangwald, wo am Montag die Fällungen beginnen.
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Thomas Freiberger vom Technischen Dienst der Stiftung Attl im Hangwald, wo am Montag die Fällungen beginnen.
  • Heike Duczek
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Das Eschensterben im Raum Wasserburg fordert erneut ein Opfer: Am Attler Berg oberhalb der B 15 müssen die Bäume im Hangwald gefällt werden. Kritiker befürchten einen Kahlschlag, die Stiftung Attl als Eigentümerin betont: „Es tut uns leid, aber wir müssen aus Sicherheitsgründen reagieren.“

Wasserburg – Am Attler Berg oberhalb der Bundesstraße 15 müssen von Montag, 1. Februar, bis einschließlich 14. Februar umfangreiche Baumfällarbeiten durchgeführt werden. Dabei werden in erster Linie alle Eschen zwischen der Ortsabfahrt nach Attel und dem Fluss entfernt. Die Bäume am Hang sind am Eschentriebsterben erkrankt – unheilbar, bedauert Thomas Freiberger vom Technischen Dienst der Stiftung Attl, zu der der Hang gehört. Ein großes Problem stelle das Absterben der Haltewurzeln dar. Dadurch sei die Standsicherheit der Bäume immens gefährdet.

Sorgen um Stabilität des Hangs

„Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht stehen wir in der Verantwortung für die Hangsicherheit“, erklärt Freiberger. „Es kann immer wieder auch größeres Astwerk abfallen.“ Nicht nur das: Auch instabile, weil von innen verfaulte und todkranke Eschen könnten auf Wohngebäude – etwa beim Gasthaus Fischergustl – oder auf die Bundesstraße und zwei Fußwege stürzen. Bäume, die im Wald liegenbleiben, würden durch mitreißendes Erdreich auch die Stabilität des Hangs an sich gefährden.

Stiftung setzt auf die Naturverjüngung

Die Stiftung Attl hat deshalb in enger Absprache mit den Fachbehörden am Landratsamt Rosenheim beschlossen, die sterbenden Eschen zu fällen. Auf Kritik stößt die Tatsache, dass auch einige weitere Bäume, unter anderem Buchen, fallen sollen. Es entstehe ein Kahlschlag, bemängeln einige Leser, denen beim Spazierengehen die roten Markierungen an den Bäumen aufgefallen sind.

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„Das sieht im ersten Jahr in der Tat nicht schön aus“, bedauert Freiberger. Doch er verspricht: „Das wird wieder ein wunderbarer Wald.“ Denn die Stiftung setze auf die Naturverjüngung: Die vielen kleinen Bäume im Areal, die sich bereits ausgesät hätten, würden nach der Maßnahme wieder viel Licht bekommen. „Die Natur schiebt dann an, es gibt einen Wachstumsschub“, ist Freiberger überzeugt. Diese Erfahrung hat, wie berichtet, auch die Stadt auf ihren Flächen gemacht, auf denen sie die kranken Eschen entfernte. Innerhalb kürzester Zeit eroberter sich ein neuer Wald das Areal zurück.

Wegen Erfahrungen aus 2018 diesmal ein anderer Weg

2018 hat die Stiftung bei der Sanierung des Südhangs einen anderen Weg eingeschlagen als jetzt: Sie hat nur die schwerkranken Bäume entfernt, die restlichen, die noch nicht so anfällig waren, stehen gelassen. Diese haben aufgrund der Tatsache, dass mehr Licht einfallen konnten, sehr schnell dichte Kronen und starke Belaubung entwickelt, berichtet Freiberger. Das Wurzelwerk habe dieser neuen Massivität jedoch nicht standgehalten, die Kraft nicht ausgereicht. Auch Stürme sorgten dafür, dass die unten instabilen Bäume umstürzten und viel Erdreich mitrissen – einer fiel sogar auf die Straße herab, berichtet Freiberger. Auch an den beiden beliebten Fußwegen seien abbrechende Äste oder umfallende Bäume eine Gefahr für Spaziergänger.

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Deshalb gibt es jetzt bei der zweiten Hangsicherung eine andere Vorgehensweise: Nicht nur die Eschen, sondern fast alle Bäume werden entfernt. Sie sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Möglicherweise bleibt jedoch eine Eiche stehen: Sie hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern, eine schlechte Krone – vielleicht reichen jedoch Pflegemaßnahmen aus, berichtet Freiberger.

Er hat Verständnis dafür, dass sich Naturfreunde um das Landschaftsbild in Attel sorgen. Jederzeit sei er bereit, Kritikern vor Ort die Maßnahmen persönlich zu erläutern, verspricht Freiberger.

Das Totholz bleibt liegen

Der Wald liegt nicht in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet. Freiberger weist jedoch darauf hin, dass die Landwirtschaft der Stiftung, die für die Waldpflege zuständig sei, einen Naturlandbetrieb führe. Den Mitarbeitern tue jeder Baum, der zu fällen sei, „von Herzen weh“. Deshalb seien der Entscheidung, zu fällen, umfangreiche Vorgespräche mit den Fachbehörden und mit „Bedacht vorgenommene Überlegungen“ vorangegangen. Doch: „Es nützt nichts: Unser Wald darf nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.“ Auch die Stadt Wasserburg fordere den Schutz der Fußwege.

Im Rahmen der Fällungen werde die Stiftung Totholz liegenlassen – als Heim-und Niststätten für Insekten und Vögel.

Wirtschaftlich rechne sich die Maßnahme in keiner Weise, so Freiberger. Die Höhe der entstehenden Kosten würden die eines Holzertrags um ein Vielfaches überschreiten.

Darum sterben die Eschen

Bereits seit Anfang des Jahrtausends beobachten Forscher, Baumpfleger und Förster die Symptome des Eschentriebsterbens, das auch unter dem Namen „Eschenwelke“ bekannt ist. Ein Hallimasch-Pilz verursacht die Krankheit an den Eschen. Seit 2007 ist er bei Bäumen in Deutschland nachgewiesen. Seitdem verbreitet sich das Eschentriebsterben über die ganze Republik und die typischen Symptome sind an vielen befallenen Bäumen deutlich sichtbar. Betroffen sind Bestände jeglichen Alters in Wald und Flur. Trotz groß angelegter Forschungsvorhaben bereitet die Krankheit große Sorgen und die Forscher erwarten aktuell keine verbesserte Situation.

Ein großes Problem stellt dabei das Absterben der Haltewurzeln dar. Dadurch ist die Standsicherheit der Bäume immens gefährdet.

Sperrungen möglich

Wegen der Baumfällarbeiten kommt es bis zum 14. Februar immer wieder zu Sperrungen der umliegenden Fußwege. Notwendige zeitweilige Sperrungen der Bundesstraße 15 werden noch bekannt gegeben.

Auch die Bundesstraße 15 muss vor umstürzenden Eschen geschützt werden. Die Bäume werden ab Montag gefällt.
Die Wurzel stammt von einem Baum, der 2020 umgefallen ist und um Haaresbreite das Klostergebäude verfehlt hat.

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