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Kaminkehrermeister Harald Petermann

Der Glücksbringer aus Babensham

So kennen ihn die Leser im Wasserburger Land: Harald Petermann in voller Montur.
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So kennen ihn die Leser im Wasserburger Land: Harald Petermann in voller Montur.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Harald Petermann ist Kaminkehrer aus Babensham – und damit von Berufs wegen ein Glücksbringer. Eine Rolle, die Petermann mit Leidenschaft ausfüllt – gerade jetzt zum Jahreswechsel lebt er mit Freude die Berufsromantik..

Babensham – Man merkt es sofort: Kaminkehrer Harald Petermann ist einer, der seinen Mitmenschen mit guter Laune begegnet, dem jeglicher Missmut fremd ist, der mit Lust seine Arbeit anpackt. Man wünschte, es gäbe mehr von seiner Sorte.

Symbolfigur zwischen den Jahren

Seine Zunft steht nicht nur für saubere Schornsteine, sondern auch fürs Glück. Daraus hat sich die Sitte entwickelt, dass Kaminkehrerfiguren aus Marzipan oder Schokolade zwischen den Jahren gern verschenkt werden, vor allem am Silvestertag. Und wenn ein Kaminkehrer Wünsche fürs neue Jahr übermittelt, fühlen sich die damit Bedachten in der Regel vom Glück geküsst.

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Petermann hat die dafür notwendige energiegeladene Ausstrahlung. Woher schöpft er seine Kraft? „Ich bin halt der Typ dazu“, sagt der 57-Jährige mit starker Stimme. Er hat sich eine lebensfrohe Haltung antrainiert. „Ich habe früher mal Immobilien verkauft, war bei Schulungen für Rhetorik dabei.“ Die hätten ihm was gebracht – ihm gezeigt, wie man sich den rechten Schwung für den Tag holt: Beim Rasieren oder Zähneputzen morgens einfach in den Spiegel schauen und sich sagen: Du siehst gut aus, und heute wird ein guter Tag für dich. Sich positiv einstimmen, darauf komme es an: „Das funktioniert.“

Petermann ist der lebende Beweis dafür. Geboren ist er in Fürstenfeldbruck, am 10. Juni 1964. Von 1977 bis 1981 besucht er die Realschule in Wasserburg, mit nur wenig Ehrgeiz. Konsequent zu lernen, das ist seine Sache nicht. „Ich hab‘ alles andere im Kopf gehabt“, bekennt Petermann. Immerhin den Hauptschulabschluss schafft er, extern. „Meine Eltern waren natürlich not amused“, erzählt er.

Zum Beruf kommt er durch verwandtschaftliche Bande, durch den Cousin der Mutter, der in München-Haar Bezirkskaminfegermeister ist. „Das war mein Glück.“

1984 besteht er die Gesellenprüfung mit Bravour, und er merkt, dass es der Beruf ist, der zu ihm passt. „Ich bin mit vielen Leuten zusammen, ich versauere nicht im Büro“: So schildert der junge Harald sein Lebensgefühl, er fühlt sich als Kaminkehrer gut aufgehoben. 1989 wird er Meister, und damit bietet sich ihm die Chance, einen Kehrbezirk zu übernehmen. Nach langen Jahren, nach dem Intermezzo in der Immobilienbranche, ist er 2001 schließlich am Ziel, in München-Neuhausen. Seit 20 Jahren hat er dort seinen Verantwortungsbereich.

Magische Kräfte nachgesagt

Ein Mann vom Fach, aber auch einer, der immer mehr Spaß an seiner Rolle als Glücksbringer findet. Neulich ist er bei einem morgendlichen Kundenbesuch am Hauseingang mit den Worten begrüßt worden: „Wie können Sie in der Früh schon so gut aufgelegt sein?“ Ein schöneres Kompliment kann sich Petermann nicht wünschen. Er lacht und klopft sich auf die Schenkel, als er die Anekdote erzählt.

Der Babenshamer kennt sich aus in der Historie, er weiß, dass in früheren Jahrhunderten vom Schornstein eine existenzbedrohende Gefahr ausgegangen ist, der begegnet werden musste. Der Kaminkehrer habe dafür gesorgt, dass der Schlot regelmäßig gesäubert, von Ruß und Pech befreit wurde, erzählt er. „Eine Selbstentzündung durch die Glut, die bei der Verheizung von Holz entsteht, konnte so verhindert werden.“

Ein wahrer Segen für die Bewohner, und der Kaminkehrer wurde so zum Glücksbringer. Nach dem volkstümlichen Aberglauben soll auch das Berühren seiner goldfarbenen Knöpfe oder das Anfassen der verrußten Uniform zum Glück beigetragen haben. Zudem wurden ihm magische Kräfte nachgesagt: Mit seinem rußgeschwärzten Gesicht hat er angeblich Dämonen und Geister aus dem Haus vertrieben.

Daumen hoch für das neue Jahr: In Bezug auf die Pandemie kann es nur besser werden.

Berufsromantik wird eisern festgehalten

Die Glücksbringer-Tradition lebt fort, wenngleich sie im Bewusstsein der Bevölkerung nicht mehr den Stellenwert von früher hat. Petermann hält freilich eisern an der Berufsromantik fest: „Im Großen und Ganzen bin ich der traditionelle Kaminkehrer.“ Dass manche Kollegen auf die typische Bekleidung nicht mehr ganz so großen Wert legen und bei Gelegenheit in kurzen Hosen ihre Arbeit verrichten, bedauert er.

Der Zylinderhut hat aber auch bei ihm ausgedient. Das Glück lacht ihm sowieso.

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