Der Drahtesel – ein Goldesel: Fahrradhändler in Wasserburg freuen sich über gute Geschäfte

Mit Fahrrädern gut im Geschäft: Bernhard Gruber, Ladeninhaber aus Haag.
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Mit Fahrrädern gut im Geschäft: Bernhard Gruber, Ladeninhaber aus Haag.
  • Winfried Weithofer
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Das Radfahren erlebt im Wasserburger und Haager Land derzeit einen Boom. Das freut nicht nur die Fahrradhändler.

Wasserburg/Haag – Fahrradhändler zählen zu den großen wirtschaftlichen Gewinnern der Corona-Pandemie. Der Ansturm auf die Läden hält weiter an. „Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat“, sagte jüngst David Eisenberger, Vorsitzender des Verbandes des Deutschen Zweiradhandels mit Sitz in Bielefeld. Einige Händler hätten ihren Umsatz sogar verdreifachen können. Keine Frage: Die Ausnahmesituation der vergangenen Monate hat dem Verkehrsmittel Fahrrad einen enormen Schub gegeben. Auch im Altlandkreis Wasserburg läuft der Verkauf von Drahteseln außerordentlich gut.

Doppelt so viele Räder wie im Vorjahr verkauft

Walter Seidinger, der in der Stadt einen Fahrradladen führt, musste eine Vollzeitkraft einstellen, um das Geschäft zu bewältigen. „Das ist gar nicht mehr anders gegangen, der Ansturm war enorm, wir haben im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele Räder verkauft.“

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Gewaltig angestiegen seien auch die Reparaturaufträge. „Am Tag nach der Wiedereröffnung hat man mir 100 defekte Radl reingeschoben. Das war schon extrem“, so Seidinger.

Besonders begehrt: E-Bikes

In letzter Zeit habe der Boom zwar etwas nachgelassen, aber noch immer sei bei ihm deutlich mehr los als im Vorjahr.

Besonders begehrt sind laut Seidinger die E-Bikes, von denen er allein im Juli 150 Stück abgesetzt hat. Ein gutes Modell kostet etwa 3.000 Euro. „Die Kundschaft scheut die hohen Kosten nicht“, sagt er. Festzustellen sei, dass viele Leute nicht in den Urlaub fahren und das gesparte Geld in ein Fahrrad stecken würden.

Die Kunden standen nach dem Lockdown Schlange

Ebenfalls in der Wasserburger Altstadt befindet sich der Fahrradladen von Rainer Friesinger. Auch bei ihm sind die Kunden Schlange gestanden, doch der Boom sei auf die sechs Wochen nach Ende des Lockdown konzentriert gewesen. „Übers Jahr verteilt sehe ich eine normale Steigerung.“ Er rechnet für 2020 mit etwa zehn Prozent mehr Umsatz. Was die verkaufte Stückzahl betrifft, entfalle etwa die Hälfte auf die teuren E-Bikes. „Das Geschäft läuft super“, freut sich Friesinger.

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Für Bernhard Gruber, Inhaber eines alteingesessenen Fahrradgeschäfts in Haag, bleibt der 27. April unvergesslich – der erste Tag nach mehrwöchigem Lockdown: „Bei mir auf dem Hof waren 50 Leute versammelt, die sich nach Fahrrädern erkundigen wollten.“ In den Tagen und Wochen danach habe er den Andrang nur mit strikter Terminvergabe bewältigen können – Beratung und Probefahren mussten ja sein, eine zeitaufwendige Angelegenheit. „In vier Wochen hatte ich einen Umsatz wie im vergangenen Jahr in drei Monaten.“

Personalmangel: 80-Stunden-Wochen keine Seltenheit

Allein im Mai habe er 200 Fahrräder verkauft, und gerade so flott ging es weiter. „Mein Vorteil war, dass ich Platz habe“, betont Gruber. Die meisten der gelagerten 700 Radl ist er in der Zwischenzeit bereits losgeworden. Doch der Verkaufserfolg hat seinen Preis: 80 Stunden in der Woche, auch samstags und sonntags, habe er arbeiten müssen. Gerne hätte er daher noch mehr Personal eingestellt, doch die Suche ist schwierig: „Man findet keinen“, sagt er.

Wasserburg Knotenpunkt vieler Fernradwege

Mit den Händlern freut sich auch die Tourismusbranche über den Fahrradboom. „Der Fahrradtourismus steht in diesem Jahr ganz hoch im Kurs“, sagt Andrea Aschauer von der Gäste-Info Wasserburg. Der Anteil der Radler an der Gesamtzahl der Touristen sei auf jeden Fall gestiegen. Zugute kommt der Stadt dabei, dass sie ein Knotenpunkt vieler Fernradwege ist, Radler würden hier auch gern übernachten. „Wegen Corona gibt es aber allgemein weniger Besucher“, schränkt die Wasserburger Tourismusbeauftragte ein.

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