„Sommer in der Stadt“

Wegen Corona entstanden: Jetzt zieht der Altstadtbiergarten Wasserburg Bilanz

Manuel Scheyerl von SAS ist froh, dass das Experiment „Pop-up-Biergarten“ funktioniert hat.
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Manuel Scheyerl von SAS ist froh, dass das Experiment „Pop-up-Biergarten“ funktioniert hat.
  • Heike Duczek
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Trinken, Essen, Feiern: Das geht auch in Corona-Zeiten, beweist der Pop-up-Biergarten in Wasserburg. Er geht jetzt in den Endspurt. Ein erstes Fazit fällt positiv aus. Der „Sommer in der Stadt“ hat gut geklappt.

Wasserburg – Zum Schluss gibt er noch mal Gas: der Corona-Sommer 2020. Viele schöne warme Tage bescheren auch dem ersten Pop-up-Biergarten in der Geschichte von Wasserburg viele Besucher zum Endspurt. Etwa 7000 waren seit Mitte Juli da – Trinken, Essen, Musik hören, Feiern trotz Pandemie. Es hat geklappt, so das erste Fazit von Biergartenbetreiber SAS und dem Ideengeber, dem Wirtschaftsförderungsverband (WFV).

Dabei war der Start ins Wasser gefallen: Die ersten beiden Tage am 16. und 17. Juli regnete es. Die Eröffnung musste auf den 18. Juli verschoben werden. Zwischendurch machte das Wetter immer wieder mal einen Strich durch die Rechnung, trotzdem gab es viele Wochenenden mit Strandfeeling am Inn.

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Schlager, Rock, Bierzeltmusik

Der stärkste Tag bisher: der Sonntag, an dem die beliebte Band „Just duty free“ auftrat. Es passte alles, erinnert sich Manuel Scheyerl von SAS: das Wetter, die Musik, die Stimmung. . „Musikalisch haben wir uns ganz bewusst darum bemüht, die ganze Bandbreite zu bieten: vom Schlager bis zur Bierzeltmusik“, erklärt er. Unter den Gästen seien deshalb alle Generationen vertreten gewesen – „vom Kinderwagenschieber bis zum Rollatoren-Nutzer“, wie er schmunzelnd sagt. Was ihn besonders gefreut hat: der gemeinsame Besuch von drei Seniorengruppen von BRK, VdK und Awo.

Mehrmals war nach seinen Angaben die Resonanz so gut, dass der Altstadtbiergarten – vorübergehend – seine Tore schließen musste. Er hat 300 Plätze, ist jedoch ausgelegt für 200 Besucher gleichzeitig.

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Nur wenige Gäste beschwerten sich

Die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln hat nach Einschätzung von Scheyerl gut geklappt – „besser als gedacht“, wie er sagt. „98 Prozent haben unser System der Registrierung verstanden“. Sie verlief per QR-Code oder handschriftlich. Ansonsten gelten die üblichen Regeln: Mund-Nasen-Schutz tragen bis zum Platz am Biertisch oder in der Lounge sowie im Strandliegestuhl.

Beschwerden habe es zwar hin und wieder gegeben – von Gästen, die sich über Regeln geärgert hätten. Doch sie seien selbst dann – zwar zähneknirschend – eingehalten worden. Bisher war außerdem nur ein Gast – alkoholisiert – polizeilich aufgefallen: Er hatte nach dem Besuch im Altstadtbiergarten in der Stadt randaliert. An Tagen mit zu erwartender hoher Besucherresonanz unterstützte SAS außerdem ein Sicherheitsdienst.

Dem Biergarten folgt irgendwann das neue Feuerwehrhaus

Ein paar Mal gab es nach Angaben von Scheyerl Beschwerden aus der Nachbarschaft, „doch generell waren die Nachbarn sehr verständnisvoll, dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken“, sagt Scheyerl. Tatsache ist: Der Altstadtbiergarten ist eine Einrichtung auf Zeit, kein Dauerangebot in der Stadt. Das Grundstück mit seinen 4000 Quadratmetern ist für den Neubau des Feuerwehrhauses gedacht.

Der Wirtschaftsförderungsverband als Ideengeber hatte sich für die Errichtung eingesetzt – und es nach Angaben des Vorsitzenden Moritz Hasselt nicht bereut, trotz Bedenken, es entstehe in schwierigen Zeiten eine Konkurrenz für die Gastronomie in der Stadt. Der Pop-up-Biergarten macht vorsorglich nur ein begrenztes kulinarisches Angebot im Brotzeitbereich. In der Werbung für den „Sommer in der Stadt“ wird auf die vielen Restaurants, Speiselokale und Imbisse in Wasserburg aufmerksam gemacht. Das Essen darf in den Biergarten mitgenommen werden. Die Getränke liefern die Brauereien Unertl und Gut Forsting.

Hasselt: „Anker, der Menschen in die Stadt geholt hat“

„Der Altstadtbiergarten hat uns allen in der Einkaufs- und Kulturstadt Wasserburg in dieser schweren Zeit gut getan“, findet WFV-Vorsitzender Hasselt, „er war eine Bereicherung, ein Anker, der Menschen in die Stadt geholt hat“. In der Tat stellt auch Scheyerl fest, dass viele Auswärtige zu Gast waren. Sie kommen wieder, ist Hasselt überzeugt. „Auch die Terrassen unserer Wirte waren im Sommer gut gefüllt“, sagt er. „Der Altstadtbiergarten hat uns nicht wehgetan – im Gegenteil“.

Bürgermeister Michael Kölbl ist außerdem überzeugt, dass der Biergarten die Besucherströme gut kanalisiert – und mit ein Grund sei, warum die Wasserburg auch beim Ausgehen so diszipliniert bei der Einhaltung der Corona_Regeln seien.

Die Kommune hatte nach einem einstimmigen Beschluss des Stadtrates 15.000 Euro für die Herstellung des Platzes und die Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Diese Summe entspricht in etwa dem Gegenwert der Bauhofleistungen für die im Jahr 2020 ausgefallenen Veranstaltungen.

Kulturprogramm als kleiner Fest-Ersatz

Eintritt müssen die Besucher nicht zahlen, die Bands und Musikgruppen lassen nach ihrem Auftritt den Hut durchgehen. Keiner habe sich nach einem Gastspiel beschwert, dass zu wenig gegeben worden sei, berichtet Scheyerl. „Viele waren einfach froh, endlich wieder auf der Bühne stehen zu können“.

Auch darum ging es dem WFV als Initiator des Biergartens: Er sollte das ausgefallene Sommerprogramm in der Stadt mit Festen und Kultur wenigstens teilweise ersetzen. Fest steht nach Erfahrung von Scheyerl (33), der die Eventagentur SAS aus Albaching 2002 im Alter von 15 Jahren mit Stefan Staudinger gegründet hat: „Es war und ist kein normales Jahr. Doch der Altstadtbiergarten hat ein kleines Stück Normalität vermittelt.“

Öffnungszeiten des Altstadtbiergartens Wasserburg

Der Altstadtbiergarten an der Rampe ist – je nach Wetterlage – noch bis Anfang Oktober geöffnet – donnerstags von 17 bis 23 Uhr, freitags von 15 bis 23 Uhr, samstags von 11 bis 23 Uhr und sonntags von 11 bis 21 Uhr. bis sonntags. Der Eintritt ist kostenlos. Informationen zum Kulturprogramm gibt es auf www.wasserburg.de.

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