„Das Denkmal ist kein Schlusspunkt“

Wasserburg – Bei einer Pressekonferenz haben gestern Vertreter der Jury zum Siegerentwurf Stellung genommen.

Michael Kölbl (Bürgermeister) freute sich darüber, dass es der Siegerarbeit gelungen ist, allen Opfergruppen des NS-Unrechtsregimes in einem zentralen Denkmal zu gedenken – ohne Bewertung. Denn, so Kölbl: „Todesopfer ist Todesopfer.“ Der Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Korintenberg-Kipper biete nicht nur die Chance zur Realisierung eines Denkmals, sondern werde auch ein Kunstwerk und einen Erinnerungsort schaffen. Die Brücke zur Jetzt-Zeit werde durch die verspiegelten Flächen geschlagen. Die auffällige Anordnung der Stelen solle dafür sorgen, dass das Areal im öffentlichen Raum auch wahrgenommen werde.

Matthias Haupt (Stadtarchivar) hat die Siegerarbeit besonders überzeugt, weil sie „eine gewisse Offenheit symbolisiere“. „Denn wir befinden uns noch mitten im Forschungsprozess“. Die Erinnerungsarbeit stelle ebenfalls einen Prozess dar, der niemals abgeschlossen gehöre. Haupt hofft, dass das Denkmal auch über die Grenzen der Stadt hinaus wirkt, denn die Opfer kämen nicht nur aus Wasserburg.

Peter Rink(Vorsitzender des Heimatvereins und Vertreter in Jury) ist es besonders wichtig, dass es gelingt, „den Opfern ihre Namen zurückzugeben“. Der Nationalsozialismus habe vielen Menschen ihre Identität geraubt. Durch die Integration mit Namen und Alter auf den Stelen würden die Opfer aus der Anonymität geholt. Rink, auch Schulleiter am Gymnasium, findet es auch gut, dass der Erinnerungsort begehbar ist und auf dem Schulweg vieler Kinder liegt.

Rainer Schneider (Stellvertretender Bezirkstagspräsident) sieht den besonderen Wert in der Doppelfunktion als Denk- und Mahnmal. Die verspiegelten Flächen würden die Gegenwart vor Augen führen – und jeden Einzelnen warnen: „Das darf sich nicht wiederholen.“

Professor Dr. Peter Zwanzger(ärztlicher Direktor des Inn-Salzach-Bezirksklinikums) freut sich, dass das Mahnmal auch zum Aufenthalt einlädt. An einer Gedenktafel gehe man oft nur vorbei, die Stelen und der Innenplatz würden auffordern zum Innenhalten und Reflektieren über das Thema Stigmatisierung von Menschen.

Marlene Hof-Hippke (SPD-Stadträtin) war es ein Anliegen, dass der größten Wasserburger Opfergruppe, der „Euthanasie“-Opfer aus Attl und Gabersee, öffentlich an zentraler Stelle gedacht wird. Die offen angeordneten Stelen würden einen Innenraum, schaffen, der einlade zum Lesen und zur Auseinandersetzung.

Steffi König (Vertreterin der antragstellenden Grünen) sieht den Wert des Siegerbeitrags in der Tatsache, dass er kein starres Monument schaffe, sondern zum Ziel habe, Vergangenheit und Gegenwart lebendig zu vereinen. „Wer den Platz besucht, entdeckt sicherlich immer wieder was Neues“, unterstrich sie die Nachhaltigkeit des Denkmals.

Lorenz Huber(Stadtrat des Bürgerforums) ist es wichtig, dass die Opfer mit Namen genannt werden. So bekommen sie für ihn fast ein Gesicht. Er freut sich darüber, dass die Stelen Platz für Ergänzungen bieten. „Das Denkmal ist kein Schlusspunkt.“

Wolfgang Schmid (Stadtrat der CSU) ist der Meinung, die Siegerarbeit werde die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema fördern. Die hohe Zahl der Stelen verdeutliche außerdem eindrucksvoll, wie viele Opfer es gegeben habe.

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