Gottesdienst auf Youtube

Das Wort Gottes kommt in Rott am Inn per Livestream

  • vonRichard Helm
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Wer in Rott den Gottesdienst am Sonntag mitverfolgen möchte, muss dazu nicht in die Kirche gehen. Seit März 2020 werden alle Gottesdienste mit einer Verzögerung von drei Sekunden live auf YouTube übertragen. Das Internetkabel führt über die Empore bis in die Wohnung von Max Strauß.

Rott – Dafür verantwortlich ist das Team von Wolfgang Evers mit Sohn Maximilian und Daniel Unfried. Das notwendige Internetkabel verläuft über die Verbindungstür auf der Empore zu der Privatwohnung von Max Strauß. Der Sohn von Franz Josef Strauß hatte die Idee zu diesem Projekt während der Corona-Pandemie.

Kein Gläubiger wird während der Messe gefilmt

Wolfgang Evers dirigiert die drei Kameras. Daniel Unfried steuert Ton und Videos und Maximilian Evers sorgt für die Einblendungen und den reibungslosen Ablauf des Streams. Das Team betont, dass kein Gläubiger beim Besuch des Gottesdienstes gefilmt wird, es gehe allein um das Geschehen vor und hinter dem Altar.

Diese drei sorgen für die Videobotschaften aus dem Gotteshaus (von links): Daniel Unfried, Maximilian Evers und Wolfgang Evers.

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Eine Woche lang ist der gesamte Gottesdienst nachzuverfolgen, dann kürzt Daniel Unfried das Filmmaterial auf die Predigt zusammen und stellt sie wieder ein. So sind seit März 89 Videos entstanden. Für die Anfangseinblendung mit einem Blick von oben auf die Rotter Rokokokirche schickt das Team eine Drohne in den Himmel.

17 Mikrofone verteilt

Die Idee zur Videoübertragung hatte Max Strauß, direkter Nachbar der Kirche. Als im März die Kirchen schließen mussten, sprach er mit dem Pfarrer. Dekan Klaus Vogl hatte anfangs Bedenken. Schließlich ist ein Gottesdienst eine sakrale Handlung. Doch es gilt, das Wort Gottes zu verbreiten, auch in den Zeiten der Pandemie. So bat er den Pfarrgemeinderat Wolfgang Evers um Mithilfe. Der verpflichtete seinen Sohn und die Mitarbeit von Daniel Unfried war schnell gewonnen.

Dekan Klaus Vogl ist mit seiner Predigt bei Youtube zu finden.

Da für ein Internetkabel schlecht Löcher in die Wand eines Sakralbaus gebohrt werden konnten, wurde das Internetkabel über die Verbindungstür auf der Empore zu der Wohnung von Max Strauß verlegt. Der rüstete seine Internetverbindung auf eigene Kosten auf.

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Und wie er haben etliche Gemeindemitglieder für die Ausrüstung gespendet. So sind in der Kirche 17 Mikrofone verteilt, eins davon im Glockenturm, um den Klang der Glocken aufzunehmen. Über 250 Abonnenten hat das Team inzwischen gewonnen mit über 3 500 Klicks.

Wer glaubt, dass die älteren Pfarrgemeindemitglieder mit dem Internet nichts anfangen könnten, wird hier eines besseren belehrt: 32 Prozent der Abonnenten sind über 65 Jahre, weitere 32 Prozent entfallen auf die Altersgruppe 55 bis 64 Jahre. 40 Prozent verfolgen den Gottesdienst auf ihrem Handy. Wolfgang Evers, Maximilian Evers und Daniel Unfried hoffen, dass die Akzeptanz ihrer Arbeit weiter steigt und immer mehr die Videos abonnieren.

Rubriklistenbild: © Helm

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