50 % Umsatzeinbruch

Das Wasserburger Badria rutscht weiter in die Miesen – so reagieren die Stadtwerke

Die Stadtwerke bleiben vorerst bei den verkürzten Öffnungszeiten für das Schwimmbad. Denn es gehen 60 Prozent weniger Gäste zum Baden.
+
Die Stadtwerke bleiben vorerst bei den verkürzten Öffnungszeiten für das Schwimmbad. Denn es gehen 60 Prozent weniger Gäste zum Baden.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
    schließen

Das ohnehin stark defizitäre Badria rutscht durch die Corona-Krise noch weiter in die roten Zahlen: Die Stadtwerke als Betreiber rechnen heuer mit einem Umsatzeinbruch um mindestens 50 Prozent. Eine Million wird beim Kassensturz fehlen, prognostiziert Stadtwerkechef Marius Regler.

Und von Sophia Huber

Wasserburg –Der Umsatzrückgang liege nicht nur an den Folgen des Lockdown vom März bis Juni, eine Zeit, in der das Familienbad mit Saunalandschaft geschlossen bleiben musste, betonte der Stadtwerkechef im Werkausschuss. Regler nennt als weiteren Grund das Verhalten der Gäste: 60 Prozent weniger als sonst gehen als Folge der Pandemie zum Baden. Etwas anders die Situation in der Sauna: Hier beträgt der Rückgang der Besucherzahlen nur etwa 30 Prozent, berichtete Regler.

Öffnungszeiten gekappt

Für das Badria rechnet er mit einer Million Euro Umsatz weniger. Das Defizit von zwei Millionen Euro, das schon vor Corona für 2020 prognostiziert worden war, wird jedoch nur um 400 000 Euro höher werden. Denn die Stadtwerke haben erfolgreich den Rotstift angesetzt.

Beim Bad sind die Öffnungszeiten an den Rändern – also vormittags und abends – gekappt worden. Das bedeutet nach den Ausführungen des Stadtwerkechefs: weniger Personaleinsatz, weniger Energiebedarf, weniger Betriebskosten.

Keine Beschwerden

Regler empfiehlt deshalb dem Stadtrat, bei den reduzierten Sonderöffnungszeiten im Bad von täglich 11 bis 19 Uhr zu bleiben. Auch so stoße die Einrichtung derzeit selten an ihre Kapazitätsgrenzen. Zu den gekürzten Öffnungszeiten gebe es auch keine Beschwerden.

„Freizeit„ wird Vereinen und Schulen bereitgestellt

Ab Mitte Oktober wird die neue gewonnene „Freizeit“ im Bad nach Angaben von Regler den Schulen und Vereinen zur Verfügung gestellt. Morgens von 8 bis 11 Uhr dürfen Sportklassen kommen, abends ab 19 Uhr Wasserwacht und Co. trainieren. Diese Nutzung sei ohne Badeaufsicht möglich.

Da die Sauna besser läuft als das Bad, werden hier die Öffnungszeiten ab dem 1. November wieder ausgeweitet, teilte der Stadtwerkechef mit. Schwitzen können die Fans dann freitags und samstags bis 23 Uhr, an den übrigen Tagen bis 22 Uhr.

2020 geplante Investitionen gekürzt

Auch bei den Investitionen in das Badria wird heuer gespart: Eingeplant waren 800 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen und Kanalsanierungen. Ausgegeben werden nach Angaben von Regler nur 350 000 Euro.

„Wir haben ein ernsthaftes Liquiditätsproblem“

Ein weiterer Spareffekt: die erste Kurzarbeit in der Geschichte der Stadtwerke.

Das könnte Sie auch interessieren: Muss das Wasserburger Badria gesundschrumpfen?

Sie haben wegen des Familienbades bei ihrer Mutter, der Stadt, 4,3 Millionen Euro Schulden. 4,16 Millionen Euro davon sind Gelder aus für die Stadt abgerechneten Abwassergebühren, die nicht weitergeleitet wurden, so Regler. Sein Fazit: „Wir haben ein ernsthaftes Liquiditätsproblem. Die Lage spitzt sich zu.“

Interview: Das sagt der Vorsitzende der Wasserwacht Wasserburg, Alexander von Loewenfeld

In der Diskussion über das Badria kommt immer wieder die Frage auf, ob sich die Stadt eine solche Einrichtung auf Dauer leisten kann. Welchen Wert haben Schwimmbäder in den Augen der Wasserwacht?

Alexander von Loewenfeld: Einen großen. Ohne Schwimmbäder gibt es keine Schwimmkurse. Das ist klar. An Seen können wir das nicht stemmen, denn da können wir abends keine Kurse machen. Auch bei Regen geht das nicht. Meistens laufen die Schwimmkurse auch während des Schuljahrs, das heißt, wir könnten sie nur noch ein paar Wochen im Spätsommer und ein paar Wochen um Frühjahr anbieten, gäbe es keine Hallenbäder. Es würde keine Kurse im Herbst und Winter geben. Da viele Kinder heutzutage das Schwimmen nicht mehr von ihren Eltern lernen, ist die Schließung von Schwimmbädern tödlich. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Und warum lernen Kinder das Schwimmen nicht mehr von ihren Eltern?

Von Loewenfeld: Vieles hat mit den Spaßbädern zu tun. Die Eltern gehen mit ihren Kindern gerne dorthin. Um Personal und Kosten zu sparen, sind die Becken auf 1,30 Meter, manchmal sogar 1,10 Meter gesetzt. Dadurch braucht man weniger Aufsichtspersonal. Die Kinder müssen in diesen flachen Becken auch nicht mehr schwimmen und damit steigt die Anzahl der Nichtschwimmer.

Das heißt, wir brauchen das Badria?

Von Loewenfeld: Ja, definitiv. Das Badria ist kein Luxus. Es bietet uns mit seinem Sportschwimmbecken von zwei Metern Tiefe einen Riesenvorteil, denn die Kinder müssen hier schwimmen. Eine Schließung wäre deshalb fatal.

Kommentare