Bücherei, Saal und Co.

Das Ringen im Haager Gemeinderat findet ein Ende: Der Zehentstadel und die Klo-Frage

Ein Blick ins Innere der alten Turnhalle im Zehentstadel.
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Ein Blick ins Innere der alten Turnhalle im Zehentstadel.
  • vonLudwig Meindl
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Der Zehentstadel ist und bleibt ein harter Brocken für die Kommunalpolitik. Ein jahrzehntelanges Ringen und Abstimmen soll nun endlich zu einem Ergebnis führen. Mit einem Kompromiss schickt der Haager Gemeinderat den Vorentwurf zum Ausbau des Zehentstadels auf den Weg.

Haag – Änderungsanregungen wurden aufgenommen. Wie zum Beispiel der Vorschlag von Klaus Breitreiner, die Toilettenanlagen zu vergrößern.

Das Hin und Her hört einfach nicht auf

Ein langes Hin und Her zur Sitzung im Bürgersaal ging der Entscheidung voraus. Herbert Zeilinger (WfH) monierte an seinen Ratskollegen bereits „Lamentieren und ewige Diskussionen, die zu nichts führen“. Hans Urban (CSU) verkürzte das Debattieren mit dem Antrag, endlich zur Abstimmung zu kommen. Vorausgegangen war ein Antrag der CSU: Gewisse Bauteile sollten auf Einsparungsmöglichkeiten hin überprüft werden, darunter die Wendeltreppe zur Bibliothek. Weiter sollte der Umsetzung des Westteils mit Einbeziehen des Pfarrheims Priorität eingeräumt werden. Schließlich sei ein Mehrzweckraum für die alte Turnhalle im Ostteil günstiger als das vorgesehene Kino mit Café.

Die Verwaltung hatte daraufhin mit Architekt Udo Rieger vor allem die Wendeltreppe als „prägnantesten Entwurfsgedanken“ verteidigt. Ein gewisser Stil solle unbedingt erhalten bleiben. Das Kino werde als „Mehrzweckkino“ mit großer Bühne gestaltet, biete also auch Raum für Feiern. Im Gegensatz zu einer Mehrzweckhalle versprächen Kino und Café auch Einnahmen.

Doch lieber Toilettencontainer

Trotzdem folgerte Hans Urban: „Wir haben alle damit Bauchweh.“ Sein Anliegen war der Anschluss des Zehentstadels an eine zentrale Heizversorgung. Sofort müsse sich die Gemeinde für die Verwirklichung für den Grunderwerb einsetzen. Das sei eine Aufgabe für den Fachplaner, betonte Bürgermeisterin Sissi Schätz. Der Ausbau dürfe jetzt nicht vom Heizungsmodus abhängig gemacht werden.

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Klaus Breitreiner (CSU) begründete die beantragte Verdoppelung der Toiletten damit, dass damit auch Großveranstaltungen auf dem Marktplatz bedient werden könnten. Wenn statt Kino mit Café für 300 Gäste ein Multifunktionsraum in die „Turnhalle“ komme, brauche man dafür auch mehr Sanitärkapazitäten. Dagegen hielt Herbert Zeilinger, dass größere Aktionen auch mit Toilettencontainern abgedeckt werden könnten: „Die sind anpassbar und verlangen ein Minimum der Ausgaben.“

Mehr Sanitärkapazitäten

„Gut angelegtes Geld“ nannte Egon Barlag (Freie Wähler) die WC-Vergrößerung. Bürgermeisterin Sissi Schätz lenkte zum Kompromiss ein. Sie werde die Planer noch einmal fragen, und wenn gewiss sei, „was endgültig hineinkommt“, solle entschieden werden: „Wir können die Planung doch nicht vom Klo her aufziehen!“ Breitreiner gab sich mit einem kurzen „Zurückstellen ist okay!“ zufrieden.

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In letzter Minute wollte daraufhin Andreas Sax (CSU) das Gesamtkonzept umschmeißen: Statt Bibliothek im Westteil oben, solle hier der Saal einziehen und die Bücherei ins Erdgeschoss verlegt werden. „Das hält uns drei Jahre auf! Da müssen wir mit allen Nutzern reden“, empörte sich Schätz.

So wie jetzt im Vorentwurf aufgenommen habe schließlich auch die Vorgabe der Gemeinde an die Planer gelautet. Dieser Schritt bedinge eine Änderung des Planungsauftrags und Vertagung. Warum habe er, so die Frage der Bürgermeisterin an Sax, diesen Vorschlag nicht vorher gebracht, eventuell zur gemeinsamen Ortsbesichtigung? Er wolle nicht aufhalten, beschwichtigte Andreas Sax, aber eine Alternative wirke sich für Planungen immer günstig aus. In diesem Fall bringe sie mehr Luft.

„Das Optimum erreichen wir nie“

„Nicht wieder ganz von vorne anfangen!“, protestierte Eva Rehbein (SPD). Jahrzehnte der Planungen hätten eine ideale Größenabstimmung gebracht, stellte Hermann Jäger (PWG) fest. „Das Optimum erreichen wir nie“, unterstrich Siegfried Maier (SPD) kategorisch.

Der Tauschvorschlag wurde mit 18 gegen drei Stimmen abgelehnt, das zeitgleiche Vorgehen für den Ausbau des Nahwärmekonzepts mit 15 gegen sechs angenommen. Die Befürwortung zum Gesamtbeschluss des Vorentwurfs fiel deutlich mit 19 Stimmen gegen zwei aus. Dabei hielt man sich „beziehungsoffen“ für die Alternative „Kino mit Café oder Mehrzweckraum“.

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