Das nächste Gastro-Corona-Opfer: Betreiber des „Graf Ladislaus“in Haag gibt auf

Ein Bild aus besseren Tagen: Das „Graf Ladislaus“  in Haag war eine musikerfreundliche Kneipe. Corona lässt dem Wirt Fred Schweiger jedoch keinen Spielraum. Er sperrt sein Lokal zu.
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Ein Bild aus besseren Tagen: Das „Graf Ladislaus“ in Haag war eine musikerfreundliche Kneipe. Corona lässt dem Wirt Fred Schweiger jedoch keinen Spielraum. Er sperrt sein Lokal zu.
  • vonLudwig Meindl
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„Die Corona-Hysterie hat dazu geführt, dass die Leute heute so scheu gemacht wurden, dass sie nicht mehr ausgehen wollen“, sagt Fred Schweiger, Wirt des „Graf Ladislaus“ in Haag. Er wirft hin. Corona lässt dem musikantenfreundlichen Gastronomen keine Chance, zu überleben.

Haag – Das nächste Corona-Opfer in der Gastronomie: „Graf Ladislaus“ in Haag schließt seine Tore. Pächter Fred Schweiger beklagte im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung auch die mangelnde Akzeptanz durch die Haager Bevölkerung. Schließlich aber zwang die Corona-Krise das Traditionslokal des einstigen „Café Keller“ zum Aus.

Kleinkunst und Musik waren beliebt

Eineinhalb Jahre lang hatte sich „Graf Ladislaus“ einen besonderen Namen gemacht, vor allem in der Musikszene.

Seine Kleinkunstbühne bereicherten Musikkapellen aus dem Bereich Country, Oldies über Irish Folk bis zu Blues und Bayerischem Genre mit Gruppen wie den „Stone Age“, „Green Hornies“, Ronny Nash, „Rubber Soul“, „Mercy Beats“, Christoph Weyerer und anderen. Panagiota Hoffmann, Sängerin und Gitarristin, fühlte sich hier wohl, wie auch Manuel Fleig von der Münchener Band „Rice today“, Monika Resech von „Rockabilly“ mit Kontrabass aus St. Wolfgang sowie viele andere.

„Musikantenfreundliches Wirtshaus“

Dafür hatte das Lokal als besondere Note die Auszeichnung zu einem „musikantenfreundlichen Wirtshaus“ erhalten. Die Gäste freuten sich über die Abwechslung. Einzigartig weit und breit nannten die Bands die neue Musikszene-Kneipe.

Abseits der Musikereignisse fiel die Frequenz an normalen Wochentagen aber oft bescheiden aus. „Die war nur gut, wenn die Gäste im Biergaten sitzen konnten. Und das war zu wenig“, so Fred Schweiger. Gerade nach der ersten Phase von „Corona“ habe er noch gute Hoffnung gehabt, da ihm der Pächter während der Krise entgegengekommen sei. Er plante schon ein „kleines Haager Herbstfest“ mit Bierzelt. Musikveranstaltungen waren bis zum Jahresende gebucht. Inzwischen hatten Bands aus München und Österreich um Auftritte nachgefragt.

Doch der Neustart zündete nicht wie gewünscht: „Viele Gäste sind von der Corona-Hysterie derart scheu gemacht worden, dass sie nicht mehr ausgingen“, so Fred Schweiger. Das habe natürlich nicht nur ihn getroffen, sondern auch andere Gastronomen. Er vermute auch, dass der Gastronomie noch Schlimmeres bevorstehe.

Stammgäste und Kartenspieler traurig

So habe er auch nicht reagiert auf Angebote, die bei ihm eingegangen waren, als sich die geplante Schließung herumsprach. Eine andere Wirtschaft zu übernehmen erscheine ihm auf grund der Gesamtlage noch zu riskant. Jetzt sei zunächst einmal Urlaub angesagt.

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Sein Rückblick bleibe mit viel Freude verbunden, resümierte Fred Schweiger abschließend. Er stelle fest, dass viele Stammgäste, die sein gastronomisches Angebot gerne genutzt hatten, über den unvermeidlichen Torschluss traurig seien. Bei ihm hatten sich auch wieder Kartenspieler eingefunden: „Es gibt nur noch wenige Lokale, in denen das erlaubt ist.“

Haag war mal „Hochburg der Zecher“

Zum letzten Wochenende lief an der Rückwand über Laser der Streifen „Aus is‘ und gar is‘ und schod is‘, dass wahr is‘!“ So verabschiedete sich der „Graf“ auf Bayerisch, auch mit den Klängen der „Green Hornies“, die am letzten privaten Abend Fred Schweiger als Förderer der regionalen Musik im kleinen Kreis den „Grafen-Blues“ widmeten. Darin hieß es unter anderem, Graf Ladislaus würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was aus dem nach ihm benannten Lokal geworden ist.

So steuert Haag als einstige „Hochburg der Wirte und Zecher“ nach dem Torschluss von „Hofgarten“ und „Graf Ladislaus“ wohl auf eine schwierige gastronomische Zukunft zu.

Wirt Fred Schweiger gibt auf. Die Corona-Hysterie habe dafür gesorgt, dass die Leute nicht mehr ausgehen.

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