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Dokumentation, Forschung, Bildung und Unterhaltung

Das Gedächtnis der Stadt Wasserburg reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück

Matthias Haupt mit einem Band archivierter Ausgaben der Wasserburger Zeitung. Seit 1839 wird diese archiviert und ist ein gern genutztes Nachschlagewerk.
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Matthias Haupt mit einem Band archivierter Ausgaben der Wasserburger Zeitung. Seit 1839 wird diese archiviert und ist ein gern genutztes Nachschlagewerk.

Das Stadtarchiv Wasserburg gilt aufgrund seiner reichhaltigen Bestände als eines der bedeutenden Kommunalarchive in Altbayern. Diplomarchivar Matthias Haupt sorgt nicht nur für den Erhalt der zahlreichen Bücher, Fotografien, Urkunden und Akten, sondern weiß auch um ihren Bezug zur heutigen Zeit.

Wasserburg – Das Stadtarchiv befindet sich in einem modernen, im Jahr 2002 eröffneten Bau an der Kellerstraße, direkt am Inn und gegenüber der historischen Altstadt. Das Archiv feiert dieses Jahr sein 22-jähriges Bestehen und hat den Blick auf die Geschichte von Wasserburg quasi direkt vor der Haustüre.

Beim Brand von 1874 nahm das damalige Archiv im ersten Stock des Rathauses großen Schaden durch das Löschwasser. Erst 2018 war der Bestand gesichert und übergeht nun bis 2023 in eine Komplettdigitalisierung.

Familien- und Heimatforscher zeigen großes Interesse

Besucher melden sich am besten an. Die Archivbestände sind zwar öffentlich zugänglich und können auf Antrag eingesehen werden, aber die Benutzung von Archivgut erfolgt in den Räumen des Stadtarchivs. „Es ist ideal“, so Matthias Haupt, „wenn uns die Besucher bei Anmeldung verraten, wofür sie sich interessieren. Dann wissen wir, welche Quellen sie brauchen und können diese für den ersten Termin im Haus schon bereitlegen“.

Schäden am Archivgut – dokumentiert im Jahr 2011.

Die Fragen der Besucher sind vielfältig. „Allgemein geschichtlich sind sie eher nicht. Mehr sind es die Anliegen von Familien- und Heimatforschern mit einer ganz konkreten Frage, wie zum Beispiel: ‚Wann lebte mein Ur-Ur-Großvater?‘ Also eine Information, die man aus der Literatur oder dem Internet nicht so ohne Weiteres erfahren kann.“

In neuem Glanz: So sieht das alte Archiv aus dem Rathaus heute aus.

Die Information über den Ur-Ur-Großvater würde jetzt zum Beispiel in einem der Personenstandsbücher stehen, die bis ins Jahr 1876 zurückreichen. Jede Person, die in Wasserburg geboren, geheiratet oder verstorben ist, ist darin verzeichnet.

Das alte Archiv im Jahr 2004.

Auch heimatkundliche Fragen kommen häufig vor: „Von wann ist dieses Kunstwerk, wann hat der Künstler hier gearbeitet?“ Da Wasserburg viele Baudenkmäler hat, gibt es häufig Anfragen baugeschichtlicher Art, wenn beispielsweise eine Gebäudesanierung ansteht.

Im Jahr 2011: Sicherung des Archivguts im alten Archiv und Abholung zur Konservierung.

Zum Thema Denkmalschutz beteiligt sich das Stadtarchiv als Fachdienststelle mit Fotografien oder Grunddaten auch an der Erforschung selbst und war so auch am kommunalen Denkmalkonzept der Stadt Wasserburg beteiligt.

Gefüttert mit Archivalien wird das Stadtarchiv von Privatpersonen, Vereinen, Verbänden und sonstigen nichtstädtischen Organisationen. Aber natürlich liegen hier im Haus auch sämtliche Unterlagen der Stadt, aus der Verwaltung, vom Bürgermeister oder dem Rat der Stadt. Diese reichen zurück bis ins Jahr 1300.

„Diese Unterlagen sind anbietungspflichtig, das heißt, eine Verwaltung darf ihre Unterlagen nicht einfach entsorgen, sondern muss vorher bei uns anfragen und wir bewerten dann, ob archiviert wird oder nicht“, erklärt Haupt die Vorgehensweise.

Leitender Stadtarchivar Matthias Haupt.

Im Jahr 2000, also vor genau 22 Jahren begann Matthias Haupt seine Arbeit als leitender Stadtarchivar. Zuvor gab es keine hauptamtliche Betreuung des Archivs und so sah sich der Neue gleich einer Mammutaufgabe gegenüber: Unterlagen und Urkunden von 1300 bis 1808 lagerten im Rathaus in einem Archivraum aus dem 17. Jahrhundert und hatten massive Schäden. Dieser Bestand wurde komplett restauratorisch und konservatorisch gesichert und erfasst. 2018 war man mit dieser Erschließung fertig.

Seit 2020 erfolgt zusammen mit dem Kulturportal „bavarikon“, dem Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern, auch eine Komplettdigitalisierung der 9000 Archivalien, die aus insgesamt 800 000 Seiten bestehen. 2023 soll die Digitalisierung des alten Archivs abgeschlossen sein. Dann ist es möglich, mit der in das Portal eingegebenen Nummer des archivierten Materials, alles digital einsehen zu können.

15 000 Fotografien spiegeln Zeitgeist bis ins Jahr 1870 zurück

Andere Papiere, die häufig angefragt werden, wie Hausunterlagen wurden relativ schnell nach deren Eingang in das Stadtarchiv im Jahre 2012 digitalisiert. „Planzeichnungen können sie nicht unbegrenzt auseinanderfalten und wieder einheften, ohne dass daran Schäden entstehen, hier war eine schnelle Digitalisierung dringend notwendig.“

15.000 Fotografien

Im Bereich Fotografien sind zwei ehrenamtliche Helferinnen damit beschäftigt Fotografien, digitaler und analoger Art, zu sichten und zu ordnen. Die Sammelgebiete Stadt Wasserburg und Umgebung reichen bis etwa in das Jahr 1870 zurück. Der Archivbestand besteht aus rund 15 000 Fotografien.

Das Stadtarchiv ist auch ein Lernort für Schulklassen, es unterstützt Nachwuchswissenschaftler und bietet Kurse zur Heimat- und Archivforschung an. Im Jubiläumsjahr 2022 veranstaltet das Stadtarchiv ein vielseitiges Programm. Mehr dazu unter www.stadtarchiv.wasserburg.de

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