Dank liebevoller Hilfe durch die Anzinger Initiative gibt es Hoffnung für Marina aus Tschernobyl

Wird Werk- und Zeichenkunstlehrerin: Marina Polovzowa aus Wolynzy in der Region Tschernobyl.
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Wird Werk- und Zeichenkunstlehrerin: Marina Polovzowa aus Wolynzy in der Region Tschernobyl.

Marina aus der Gegend rund um Tschernobyl hat es geschafft: Sie wird Lehrerin – eine Chance, die ihr auch die liebevolle Unterstützung durch Gastfamilien aus der Region Maitenbeth/Rechtmehring/Anzing ermöglicht hat. Das ist die Geschichte der jungen Frau.

Von Lorenz Richterstetter

Maitenbeth/Rechtmehring/Anzing – Die Anzinger Initiative, in der sich auch viele Bürger aus der Region Maitenbeth/Rechtmehring engagieren, bietet seit 30 Jahren Kindern aus der Gegend von Tschernobyl die Möglichkeit, sich bei einem Aufenthalt in Bayern – weit weg von der immer noch vorhandenen hohen Strahlenbelastung in der Heimat – zu erholen und die Immunkräfte zu stärken. Außerdem geht es darum, die Basis für eine fundierte Ausbildung zu schaffen.

Zehn Jahre lang den Sommer bei einer Gastfamilie verbracht

Mit Erfolg, wie das Beispiel Marina Polovzowa zeigt. Zehn Jahre lang hat sie den Sommer bei der Gastfamilie Bonn-Wenzel verbracht, jetzt startet sie mit ihrer Ausbildung durch. Der Vater von Marina hat sich vor einiger Zeit das Leben genommen. Nach diesem traumatischen Ereignis hatte die Tochter nicht mehr an eine Ausbildung gedacht, sondern nur daran, „wie kann ich meiner Familie helfen“. Die Anzinger Initiative hat sie unterstützt, indem sie Marina verdeutlich hat, dass eine Aus- und Weiterbildung für sie und ihre Familie das Beste ist. Die Ausbildung in Minsk und ihre Arbeit in Sluzk liegen außerhalb der verstrahlten Zone von Tschernobyl – eine Vermittlung, die sich die Anzinger Initiative zum Ziel gesetzt hatte.

Marina absolviert in Minsk eine Ausbildung als Fachwerkunterricht- und Zeichenkunstlehrerin in einer Wirtschaftspädagogischen Fachschule. Danach wird sie als Lehrerin in Sluzk anfangen. „Nach einem Jahr habe ich vor, ein Fernstudium in einer Hochschule zu beginnen“, teilt sie mit.

Alle haben die Chance, einen Beruf zu erlernen

In einem Brief an die Initiative bedankt sie sich für die Barmherzigkeit der Mitglieder und ihre Bereitschaft, in schwierigen Situationen zu helfen. „Und besonders dafür, dass Sie nicht gleichgültig zu meinem Schicksal und dem Schicksal meiner Familie und aller Kinder der Schule in Wolynzy in Kormagebiet der Gomelregion sind.“ Dank Unterstützung aus Anzing haben alle Abiturienten die Möglichkeit, einen Beruf zu lernen.

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Jährlich verbringt die junge Frau vier Wochen bei Familie Bonn-Wenzel. Sie schätzt hier vor allem „die Lebensweisheit“, „die mir auf meinem Ausbildungsweg sehr geholfen hat, die richtigen Entscheidungen zu treffen, fleißig und zielstrebig zu sein, um etwas zu erreichen.“

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Das freut Gisela Bonn-Wenzel, die als Vertreterin der Gastgeberfamilie betont: „Die Situation der Kinder im radioaktiv verseuchten Gebiet hat mich damals sehr berührt, vor allem die Fotos der Kinder. Eine andere Welt, in denen die Menschen nicht alles haben und zum Teil in sehr schwierigen familiären Verhältnissen groß werden.“

Gekommen aus kleines Kind mit einem großen Koffer

Marina kam im Sommer 2008 als siebenjähriges kleines Mädchen mit einem großen und leeren Koffer zum ersten Mal in die Familie. „Es herrschte eine große Spannung unsererseits, was kommt da auf uns zu und sicher auch eine große Aufgeregtheit bei Marina. Würden wir ein kleines Kind einfach in eine fremde Familie schicken? Die Gedanken waren schnell verflogen, als ich Marina das erste Mal sah. Im Laufe dieser ersten vier Wochen entwickelte sich eine große Zuneigung auf beiden Seiten. Es war nicht immer einfach, sprachlich natürlich, und das Heimweh kam auch nach einer Weile.“

Zehn Jahre die Sommerferien in der Gastfamilie verbracht

Marina war in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig zu Gast bei den Wenzels. „In den vier Wochen, in denen sie jeweils im Sommer bei uns war, war sie Teil unserer Familie. Der Abschied fiel immer schwer. Ihr Deutsch wurde von Jahr zu Jahr besser, mittlerweile spricht sie fließend Deutsch“, freuen sich die Gastgeber. Ihre liebevolle Zuwendung hat bei Marina die Basis für die Zukunft geschaffen.

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