Damit heimisches Obst nicht an Bäumen verfault, beteiligt sich Wasserburg an einem Ernteprojekt

Fallobst aufklauben: Das ist überall erlaubt, wo das gelbe Band flattert. Hier dürfen Bürger – unter Beachtung einiger Regeln – auch direkt vom Baum ernten.
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Fallobst aufklauben: Das ist überall erlaubt, wo das gelbe Band flattert. Hier dürfen Bürger – unter Beachtung einiger Regeln – auch direkt vom Baum ernten.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Im Supermarkt eine Tüte Neuseeland-Äpfel kaufen – und auf den heimischen Bäumen verfault das Obst: Diese paradoxe Situation will die Stadt Wasserburg nicht hinnehmen. Sie beteiligt sich auf Wunsch der Grünen an der Aktion „Gelbes Band“: Wenn es flattert, ist Pflücken in Nachbars Garten erlaubt.

Wasserburg – Die Idee geht auf eine Initiative der Stadtratsfraktion der Grünen zurück. Sie hat den Antrag gestellt, dass sich die Stadt an der bundesweiten Aktion beteiligen möge. Unter anderem läuft sie bereits in Bad Feilnbach. Bäume werden mit einem gelben Band versehen, das signalisiert: „Hier darf kostenlos geerntet werden.“

Ein solches Signal wird unter anderem die evangelische Kirchengemeinde Wasserburg aussenden: Sie wird ein gelbes Band an ihrem Haselnussbaum anbringen. Hier dürfen sich die Bürger einfach bedienen.

Bänder gibt es im Rathaus

Die Umsetzung der Aktion ist einfach: Wer selbst eine Streuobstwiese bewirtschaftet, aber während der Obstsaison nicht mit der Ernte der vielen Früchte hinterherkommt, markiert den Ertrag seiner Bäume mit dem „Gelben Band“ als Allgemeingut. So wissen Bürgerinnen und Bürger jederzeit, wo sie ohne Rücksprache ernten dürfen.

Umweltreferent: Mehr Bewusstsein für den Genuss, der vor der Haustür wächst

Der Umweltreferent des Stadtrates, Lorenz Huber, begrüßt die Aktion: Denn auch ihm tut es nach eigenen Angaben in der Seele weh, wenn Obst auf dem Baum verfault oder auf dem Boden achtlos zertreten wird. Früher sei es auf dem Land üblich gewesen, Fallobst aufzuklauben und daheim zu verwerten. „Da hat man beim Nachbarn gefragt, ob es erlaubt ist. Das ging ganz unkompliziert.“

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Heuer fehle vielen Menschen jedoch der Bezug zum heimischen Obst. Die Initiative „Gelbes Band“ könne dafür sorgen, dass das Bewusstsein für „den Genuss, der vor der Haustür wächst“, wieder steige, hofft Huber.

Ernte fällt heuer gemischt aus

Die Ernte fällt heuer nach seiner Erfahrung eher gemischt aus. Es gebe Bäume, die fast unter der Last der Äpfel und Birnen zusammenbrechen und welche, die kaum Obst tragen würden. Das liegt nach Meinung des Experten, der selber einen Naturlandhof in Wasserburg betreibt, am sehr trockenen Frühjahr, nach dem viele Bäume zum Eigenschutz ihr Obst abgeworfen hatten, und daran, dass viele einen Spätfrost erwischten. Unterschiedlich falle deshalb die Apfelernte aus – von hervorragend bis mies. Sehr schlecht sind die Erwartungen dagegen für den Nussertrag, bedauert Huber.

Auch in Griesstätt grüner Appell zur Teilnahme

Auch in Griesstätt haben die Grünen zur Teilnahme an der Aktion „Gelbes Band“ aufgerufen. Sie appellieren an die Obstbaum- und Strauchbesitzer, sich zu beteiligen. Denn bei der Ernte entstehe häufig ein Überschuss, weshalb das Obst irgendwann verfaule und ungenutzt bleibe – eine Verschwendung, der entgegengewirkt werden müsse. „Es ist schade, wenn diese ganzen Äpfel, Birnen, Nüsse, etc. in der Tonne landen und so mancher Nachbar würde sich freuen“, so die Grünen in Griesstätt. Wer andere ernten lassen wollte, hänge einfach in ein bis 1,5 Metern Höhe ein gelbes Band oder Tuch an seinen Obstbaum. Wer nicht möchte, dass Fremde den privaten Grund betreten, könne entweder anbieten, dass geklingelt werde, oder einen Korb mit den Früchten in greifbarer Nähe deponieren, so die Grünen in Griesstätt.

Das sind die Regeln der Aktion

Im Rathaus im Vorzimmer des Bürgermeisters (Zimmernummer 12) liegen gelbe Bänder aus, die sich Baumbesitzer abholen können. Selbstverständlich können auch eigene Bänder verwendet werden, teilt die Stadt mit. Das sind die Regeln für das Ernten:

• Es dürfen keine Äste abgebrochen oder Bäume beschädigt werden.

• Die Grundstücke dürfen nicht verschmutzt und müssen so wieder verlassen werden, wie sie angetroffen wurden.

• Das Abernten auf den fremden Grundstücken geschieht auf eigene Gefahr und sollte vorher mit den Besitzern abgesprochen werden.

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