Der Coronaman von Wasserburg ist der etwas andere Superheld

„Der Coronaman“ wurde von Nina Scherer in der Stiftung Attl entwickelt, um den Menschen mit Behinderung das Virus und die Verhaltensregeln zu erklären.

Abstand halten, Mundschutz tragen – und immer wieder neue Nachrichten über Infektionszahlen und Ansteckungsgefahren: Wir alle sind stark gefordert, wenn es darum geht, die Corona-Krise zu verstehen. Menschen mit Behinderung tun sich besonders schwer. In der Stiftung Attl hilft ein Superheld bei der Orientierung.

Wasserburg-Attel – Corona, Covid-19, SARS-CoV-2 – für Menschen mit Behinderung stellen die neuen Begriffe und die ungewohnte Situation im Krisenmodus eine besondere Herausforderung dar. Nina Scherer, beim Fachdienst der Stiftung Attl verantwortlich für Unterstützte Kommunikation, entwickelte aus einer spontanen Idee heraus den „Coronaman“ – eine Superhelden-Comicfigur, die spielerisch die Verhaltensregeln erklärt.

„Ursprünglich habe ich mir den ,Coronaman’ für die Kinder und Jugendlichen in der Stiftung Attl ausgedacht“, erzählt sie. Die Gruppen hätten bei ihr angefragt, wie sie das Virus, die Krankheit Covid-19 und die Verhaltensregeln am besten erklären sollen.

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„Die Herausforderung war die abstrakte Gefahr von Corona. Wie erkläre ich jemanden die Situation, dem vielleicht nicht bewusst ist, was ein Virus überhaupt ist; dass etwas eine Gefahr für manche Menschen sein kann, das niemand sieht - ohne Panik zu schüren, sondern nur, um darauf aufmerksam zu machen.“

Außerdem wollte Nina Scherer klarstellen: Die Beschränkungen sind nicht der böse Wille des Vorstands. „Corona ist ein wichtiges Thema, das alle Menschen betrifft – auch diejenigen außerhalb Attels.“ Da helfe nur Superheldenkraft.

„Ich habe lange überlegt, welche Figur ich für die Geschichte nehmen soll. Zur Auswahl standen noch ein Detektiv und ein Zauberer, aber schließlich bin ich beim Superhelden gelandet. Er hat einfach mehr Power und kann besser dazu anspornen, das ,blöde‘ Corona zu bekämpfen.“

Mit Superpower gegen das Virus

Geschrieben ist das ,Coronaman‘-Booklet in Metacom-Symbolen. Das sind intuitiv verstehbare Piktogramme, die Grafikerin Annette Kitzinger eigens für den deutschen Sprachraum entwickelt hat.

Nina Scherer nutzt diese bereits erfolgreich in ihrer Arbeit mit Bewohnern, die keine geschriebene Sprache verstehen oder eine Unterstützung mit Bildern brauchen. Als eigene App können Nichtsprecher sie auch dazu verwenden, um sich über ein Tablet verständlich zu machen.

„Die Geschichte kann man selbst lesen, sich vorlesen lassen oder einfach nur die Bilder anschauen“, sagt sie. Am Ende ist das Corona-Poster abgebildet. „Es hängt außerdem in den Wohngruppen und soll alle daran erinnern, was wichtig beim Kampf gegen Corona ist.“

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Die bedeutendste Motivationshilfe für die Bewohner sei allerdings ein Ansteckbutton, das Heftchen und Poster ergänzt. „Jeder, der bei unserem Kampf gegen Corona mithilft, kann das auch zeigen, indem er den Corona-Button trägt. Alle, die mitmachen, sind Corona-Helden.“

„Wie lange dauert dieses blöde Corona noch?“

Eine weitere Geschichte ist bereits fertig und heißt: „Wie lange dauert dieses blöde Corona noch?“ Denn auch in der Stiftung Attl werden die Bewohner langsam ungeduldig.

„Wir wollen ja alle Corona gerne loswerden, aber leider dauern die Beschränkungen wohl länger, als wir es alle gerne hätten“, meint Nina Scherer.

Ihr Angebot richtet sich nicht nur an Bewohner der Stiftung. Beide Heftchen sowie das Poster und die Button-Vorlage stehen zum kostenlosen Download auf der Metacom-Homepage bereit.

Die Stiftung Attl ist aufgrund ihrer strengen Maßnahmen auf einem guten Weg. Schon seit dem 22. April verzeichnet die Einrichtung keine neuinfizierten Bewohner mehr – nicht zuletzt der Ansporn durch den Coronaman habe dabei geholfen, das Virus in den Wohngruppen einzudämmen, wie die Sprecherin Birgit Schlinger der Zeitung berichtet.

Die kommende Herausforderung bilde, so Schlinger, nun die stufenweise Wiederöffnung der Einrichtung für Externe wie Inntal-Werkstätten, Förderstätte, Schulzentrum und natürlich die Öffnung für Besucher und Fahrten nach Hause. „Eventuell gibt es noch eine dritte Geschichte, wie wir wieder zur Normalität zurückkehren“, sagt Nina Scherer mit Blick auf ein Ende der Pandemie. Doch es könne nicht alles auf einmal passieren. „Corona wird uns noch länger begleiten. Es ist ganz wichtig für die Stiftung, dass die ersten Lockerungen dann nicht als Freifahrtschein für eine Rückkehr zu alten Gewohnheiten genommen werden, sondern dass der ,Coronaman‘ alle auch während dieser Zeit mit seiner Superkraft begleitet.“

Sogar ein Corona-Lied gibt es in Attel

Sogar ein Lied zum Virus gibt es bereits: Martin Bentenrieder, der stellvertretende Schulleiter der Makarius-Wiedemann-Schule innerhalb der Stiftung Attl, hat den ,Coronaman’-Song geschrieben und zusammen mit seinen Schulkindern eingespielt.

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