Eröffnung in der Krise

Kreative Antwort auf Leerstand und Corona: In Wasserburger Postgasse „popt“ Kunsthandwerk auf

Die Goldschmiede Werner Altinger und Maria Watzke haben in der Postgasse einen „Pop-Up“-Laden für Kunsthandwerk eröffnet.
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Die Goldschmiede Werner Altinger und Maria Watzke haben in der Postgasse einen „Pop-Up“-Laden für Kunsthandwerk eröffnet.
  • vonKatharina Heinz
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Wenn Maria Watzke und Werner Altinger in ihrem neuen Laden in der Wasserburger Postgasse stehen, werfen die Passanten neugierige Blicke durch die Schaufenster. Kaum ein Wasserburger geht vorbei, ohne kurz anzuhalten.

Wasserburg – Denn es ist schon etwas Besonderes, wenn in Zeiten von Ladenleerstand und mitten in der Corona-Pandemie ein neues Geschäft in der Altstadt aufmacht. Dabei ist das „Lo Studio“ kein normales Geschäft. Altinger beschreibt es als einen „Pop-up-Laden“ für Kunsthandwerker. Für die Initiatoren, die beiden Goldschmiede Werner Altinger und Maria Watzke, ist es auch keine Existenzgründung, sondern eine Alternative zu ihrem bisherigen Geschäft.

Märkte und Messen waren ihr Revier

„Wir sind in normalen Jahren etwa einmal im Monat mit unserem Schmuck auf einem Kunsthandwerkermarkt“, erklärt Goldschmied Altinger, der 22 Jahre in Italien tätig war und 2019 in seine Heimat zurückgekehrt ist. Zusammen mit Lebensgefährtin Watzke hat er bei Schnaitsee seine Werkstatt eingerichtet. Dort entstehen die kleinen Kostbarkeiten aus Silber, Gold und Co. in Handarbeit. In Wasserburg waren und sind sie auch weiterhin beim Juwelier Ruepp zu haben. Das Hauptgeschäft erfolgt aber auf Kunsthandwerkermärkten.

Doch mit der Corona-Pandemie wurden fast alle Veranstaltungen abgesagt. „Letztlich waren wir nur im Sommer spontan auf zwei Märkten“, erzählt Watzke. Die fanden wegen der Corona-Auflagen draußen statt. Der Aufwand dafür war immens. Das Goldschmiede-Paar hat extra ein Zelt angeschafft. Schließlich regnete es tatsächlich und es kam kaum Kundschaft.

„Da kam uns die Idee, Kunsthandwerkern wie wir es sind, in der veranstaltungslosen Zeit eine andere Plattform zu geben“, berichtet Altinger. Wie passend, dass in der Wasserburger Postgasse gerade der Geschäftsraum des ehemaligen Maiers Flock vermietet wurde.

Ein temporärer Schauraum bis zum nächsten Sommer

„Es soll ein temporärer Schauraum bis etwa nächsten Sommer werden“, erklärt Altinger. Die beiden Goldschmiede werden Daueraussteller sein. Im Wechsel laden sie befreundete Kunsthandwerker zu sich ein. Aktuell ist Schreiner und Massivholzmöbel-Designer Axel Klesper aus Hohenpeißenberg mit seinen geradlinigen und filigranen Möbeln vertreten, außerdem stellt der sizilianische Maler und Digitalkünstler Lenny Samperi Bilder sowie kunstvolle Seidentücher aus.

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Solo-Unternehmer aller Handwerke können einsteigen

Für den solo-selbstständigen Schreiner Klesper ist die Situation aktuell ganz ähnlich. Pro Jahr sei er eigentlich auf rund sechs Kunsthandwerkermärkten, die heuer alle abgesagt wurden. Weil er aktuell noch viele Aufträge von den Märkten aus dem Vorjahr erledigt und zahlreiche Stammkunden hat, hat die Corona-Pandemie zwar noch kein Loch in seine Auftragslage gerissen. Doch das könne nächstes Jahr schon ganz anders aussehen.

Deswegen findet er den Künstlerladen eine super Idee. „Auch, weil ich alleine gar keinen Laden betreuen könnte“, sagt der Einzelunternehmer. Dass Arrangement mit Altinger und Watzke, die er von den Künstlermärkten kennt, sei daher ideal. Vorgesehen ist, dass die beiden Goldschmiede den Laden von Donnerstag bis Samstag öffnen. Einmal im Monat soll einer der anderen Künstler persönlich vor Ort sein.

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„In diesen Zeiten einen Laden zu eröffnen – klar hatten wir zunächst Bedenken“, berichtet Altinger. Da waren zum Beispiel die Corona-Auflagen, die sich aber letztlich leichter umsetzen ließen, als gedacht.

Kunden wollen Handwerk anfassen können

Wollen auch anderen Kunsthandwerkern eine Plattform geben: die Goldschmiede Werner Altinger und Maria Watzke.

Und die Gefahr, dass es sich betriebswirtschaftlich nicht rentiert? „Das werden wir einfach sehen“, sagt Altinger. Doch schon in den ersten Tagen sei die Resonanz riesig gewesen. „Man merkt einfach, wie sich die Leute freuen, bei all den schlechten Nachrichten auch mal etwas Positives zu hören und etwas Schönes zu sehen“, meint Watzke, als gerade wieder ein interessierter Passant seine Nase ans Schaufenster drückt.

Online-Shop als weitere Option?

Klar, auch ein Online-Shop wäre eine Option. „Doch unsere Kunden brauchen den persönlichen Kontakt“, betont Altinger. Handgemachter Schmuck kaufe sich nicht so leicht im Internet. Da gehörten das Anfassen und das Gespräch mit dem Künstler dazu.

Daher wollen die Goldschmiede ihre Online-Angebote zwar weiterhin auch ausbauen – aber das könne eben nur eine Alternative sein. Zu einem Künstlermarkt, der aktuell ein temporäres Zuhause in der Wasserburger Postgasse gefunden hat.

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