Aus dem Kirchenalltag

Wasserburgs Pfarrerin Cordula Zellfelder: „Das Gemeindeleben ist durch Corona digitaler geworden“

Wasserburgs Pfarrerin Cordula Zellfelder ist seit zehn Jahren im Amt: Die evangelische Kirchengemeinde erlebte in diesen Jahren, verstärkt aktuell durch die Corona-Pandemie, einen Digitalisierungsschub.
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Wasserburgs Pfarrerin Cordula Zellfelder ist seit zehn Jahren im Amt: Die evangelische Kirchengemeinde erlebte in diesen Jahren, verstärkt aktuell durch die Corona-Pandemie, einen Digitalisierungsschub.
  • vonKarheinz Rieger
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Sie gilt als Power-Frau: Pfarrerin Cordula Zellfelder aus Wasserburg ist jetzt zehn Jahre im Amt. In dieser Zeit ist das Kirchenleben viel bunter geworden, sagt sie. Und digitaler – das wiederum ist eine Folge der Pandemie. Ein Interview über Kirchenleben in Corona-Zeiten.

Wasserburg– Normalerweise warten die Christen im Advent auf das Fest, an dem der ersten Ankunft Christi gedacht wird. Genau vor zehn Jahren kam im Dezember in der evangelischen Kirchengemeinde nach dem Wegzug von Pfarrer Andreas Reisberg noch das Warten auf die offizielle Besetzung der ersten Pfarrstelle hinzu. Am 12. Dezember 2010 war es soweit. Pfarrerin Cordula Zellfelder (54) wurde offiziell in ihr Amt eingeführt. Seither ist sie für knapp 4000 Gemeindemitglieder aus dem Bereich Wasserburger Land und Schnaitsee sowie für den evangelischen Kinderarten in Pfaffing zuständig. Zusätzlich unterrichtet sie Religion an der Grundschule in Pfaffing. Und sie hat immer noch neue Ideen – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für die Kirche in Corona-Zeiten.

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Als erste weibliche Leiterin des Pfarramtes in Wasserburg eingeführt zu werden, ist nichts Alltägliches. Was ist übrig geblieben an Erinnerungen an diesen Tag vor zehn Jahren?

Cordula Zellfelder: Das war für mich ehrlich gesagt kein so einschneidendes Ereignis. Ich war ja schon zwei Jahre in der Gemeinde für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig und hatte dann bis zur offiziellen Verleihung der Stelle die Vertretung schon inne. Aber sehr eindrücklich war die Freude der Gemeinde an diesem Tag.

Der Bau des neuen Pfarrhauses parallel zu den neuen Amtsaufgaben, es möglichst allen recht zu machen. Wo lagen damals die Prioritäten?

Zellfelder: Mit dem Bau hatte ich zum Glück nur am Rande zu tun, das Allermeiste hat da unser Kirchenpfleger Markus Pöhmerer gemacht. Für mich lag der Schwerpunkt in dieser ersten Zeit eindeutig darauf, das Gemeindeleben zu gestalten – und das ist bis heute so geblieben.

In den zehn Jahren hat sich viel geändert im Gemeindeleben. Was sind oder waren die wichtigsten und nachhaltigsten Weichenstellungen?

Zellfelder: Ich denke, das Gemeindeleben ist bunter und vielfältiger geworden. Jung und Alt verstehen sich als eine Gemeinde. Wir haben einen ziemlich jungen, sehr engagierten Kirchenvorstand, viele weitere Mitarbeiter und MitarbeiterInnen und ich habe zwei Kollegen an der Seite. Wir haben „Den Siebten um Sieben“ (Veranstaltungen am 7. des Montags um 19 Uhr) ins Leben gerufen und „Den letzten in der Kneipe“ (Stammtisch am letzten Tag des Monats). Die Konfirmandenarbeit hat sich vom klassischen Unterricht weg entwickelt und wir haben eine sehr lebendige Arbeit mit Kindern. Wir legen großen Wert darauf, unseren Gemeindebrief ansprechend und interessant zu gestalten. Schließlich kommt er wirklich in jeden Haushalt, in dem ein Evangelischer lebt.

All die unterschiedlichen Wünsche in der Gemeinde unter einen Hut zu bringen, ist eine Mammutaufgabe. Wie schaffen Sie das?

Zellfelder: Gar nicht. Alle Wünsche erfüllen geht nicht. Das sehe ich aber auch nicht als meine Aufgabe als Pfarrerin. Es geht in einer Kirchengemeinde nicht um eine ‚One Woman Show‘, sondern es geht darum, dass möglichst viele Menschen Lust haben, ihre Gaben und Fähigkeiten einzubringen. Eine Atmosphäre zu schaffen, wo das passiert, das ist für mich ganz wichtig. Und es ist wunderbar, wenn immer wieder jemand mit einer Idee kommt und die dann engagiert umsetzt.

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Wird die Bezeichnung „Powerfrau“ der Pfarrerin Cordula Zellfelder gerecht?

Zellfelder: Ich selbst würde mich nicht so bezeichnen. Ich finde, ich habe einen der schönsten und vielseitigsten Berufe, die es gibt, und übe ihn auch nach 25 Jahren immer noch mit großer Freude aus.

Corona prägt derzeit den gesellschaftlichen Alltag. Wie wirken sich die Einschränkungen auf das Gemeindeleben aus?

Zellfelder: Ganz erheblich. Gemeinde lebt von Gemeinschaft, von Begegnung und da sind die Möglichkeiten zurzeit ja doch sehr eingeschränkt. Ich bin sehr froh, dass wir in diesem Lock-down (bis jetzt) wenigstens Gottesdienste feiern dürfen. Wir gehen dabei sehr sorgsam mit den nötigen Hygienevorschriften um, um dieses – ich sag mal Privileg – nicht zu gefährden.

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Sich auf Erreichtem auszuruhen bedeutet Stillstand. Welche Ziele, Ideen oder Visionen bestimmen die Zukunft?

Zellfelder: Im Moment ist natürlich alles von Corona bestimmt. Was ist möglich, was kann wie gefahrlos gemacht werden. Auch in unserer Gemeinde erleben wir gerade einen Digitalisierungsschub. Die Kindergruppenstunde findet über YouTube statt, auf unserer Homepage haben wir einen Adventskalender für Kinder und Erwachsene und wir investieren gerade in die nötige Technik, um unsere Gottesdienste auch zu streamen. Wie es nach Corona sein wird? Wer weiß das schon. Aber sicher werden wir auch dann versuchen, ein Ort zu sein, wo Menschen etwas hören und erleben, was ihnen guttut.

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