Corona trifft Transportunternehmer in Wasserburg hart – „Kaum jemand braucht ein Taxi“

Taxiunternehmer Andreas Haindl mit Mitarbeiter Florin Götzinger wartet auf Kunden.

Die Gastwirtschaften haben geschlossen, Vereinsfeste wurden abgeblasen: Das stürzt nicht nur Gastronomen, Bedienungspersonal und Veranstalter in finanzielle Nöte, auch die Taxifahrer leiden. Ihnen bricht ein wesentlicher Teil ihres Kundenstamms weg.

Wasserburg – Wer zu Hause bleibt oder die eigene Wohnung nur noch zum Einkaufen verlässt, der braucht in der Regel auch kein Taxi.

Sadik Torun, der in Wasserburg mit zwei Kleinbussen ein Transportunternehmen betreibt, kommt in diesen Tagen nur „ganz schlecht“ an Aufträge. „Alles wird storniert, keine Disco ist geöffnet, keine Bar, kein Restaurant“, klagt er.

Kostenloses Angebot nur zögerlich genutzt

Auch die Transfers zum Flughafen, ein wesentlicher Pfeiler seines Geschäfts, finden nicht mehr statt. Allenfalls diejenigen, die einen Termin beim Arzt haben oder ins Krankenhaus müssen, würden noch anrufen. „Mehr ist zurzeit nicht drin.“

Torun weiß um das Corona-Risiko in seinem Beruf, doch davon lässt er sich nicht irritieren. „Ich muss arbeiten, die Autos müssen bezahlt werden, ich habe laufende Kosten.“ Er setzt auf sicherheitsbewusste Kunden.

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Der ADAC hat erst in der vergangenen Woche Empfehlungen herausgegeben, die die Fahrgäste in der Corona-Krise beherzigen sollten.Dazu gehört, schon bei der Taxibestellung das Anliegen kundzutun: „Erläutern Sie, dass Sie ausschließlich etwa wegen hohen Blutdrucks zum Arzt müssen, aber kein Fieber haben.“ Der Kunde sollte zudem darauf achten, hinten rechts ins Taxi einzusteigen, um möglichst weit vom Fahrer entfernt zu sitzen. Ratsam sei auch, mit EC- oder Kreditkarte zu bezahlen. „Sollte dies nicht möglich sein, geben Sie eher ein etwas höheres Trinkgeld, als dass Sie Münzen annehmen“, so der ADAC.

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Toruns Angebot, behinderte oder alte Personen in einem Zehn-Kilometer-Radius gratis zu fahren, ist bisher kaum angenommen worden, gerade eine Frau habe sich gemeldet. Doch der Taxler resigniert nicht: „Ich kann doch nicht wegen ein paar Wochen zumachen. Es gibt immer Leute, die uns brauchen.“ Zwei, drei Monate halte er auf jeden Fall durch.

Das Wasserburger Taxiunternehmen Haindl hatte vor der Krise neun Autos im Einsatz, doch jetzt wird die Flotte reduziert: Inhaber Andreas Haindl verzeichnet seit Beginn der Corona-Krise einen Umsatzrückgang um 80 Prozent.

Für die Vollzeit- und Teilzeit-Beschäftigten – insgesamt sind bei dem Betrieb 13 Fahrer angestellt – wurde bereits Kurzarbeit angemeldet. Für die anderen, also die geringfügig Beschäftigten auf 450-Euro-Basis und die Renten-Aufstocker, entfalle diese Möglichkeit.

Keine Nachtfahrten mehr möglich

Auch die üblichen Nachtfahrten finden laut Haindl wegen der Ausgangsbeschränkung nicht mehr statt. „Geöffnet haben wird jetzt von Montag bis Freitag von 5.30 bis 20 Uhr und am Wochenende von 7 bis 19 Uhr.“ Termine außerhalb dieser Zeiten seien aber auf Vorbestellung möglich.

Über Wasser hält Haindl sein Unternehmen gegenwärtig vor allem durch Fahrten für Dialyse- und Strahlentherapie-Patienten nach Ebersberg und Rosenheim. Er befürchtet, dass die vom Staat zugesagte Soforthilfe schnell aufgebraucht sein wird. „Bis Mai halten wir durch. Wenn’s länger dauert, sieht es übel aus“, betont er.

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