Corona-Training für die Lunge – Tiefe Bauchatmung stärkt die Abwehr

Die richtige Atmung geht tief in den Bauch, wie Hans Friedl (links) und Peter Breitfeld (rechts) bei dieser Übung einem Patienten demonstrieren. re
  • Heike Duczek
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Daheim bleiben, Abstand halten, Hände waschen: Das sind derzeit die wichtigsten und bekanntesten Schutzmaßnahmen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus. Doch auch Lunge und Atemwege können mit sportlichen Übungen fit gemacht werden. Wie, das zeigen uns Experten im Video! 

Edling – Die Wasserburger Zeitung hat nachgefragt im Therapie- und Trainingszentrum in Edling. Physiotherapeut Hans Friedl und Trainer Peter Breitfeld gaben nicht nur Antworten, sondern auch Tipps.

Fitnessstudios haben geschlossen, Sportvereine ihre Angebote vorübergehend eingestellt: Wie können wir uns daheim fit halten? Was tun gegen den inneren Schweinehund?

Hans Friedl: Wir müssen uns darauf einstellen, das eine zweite Corona-Welle kommt und die Folgen so gering wie möglich halten. Daher ist meine dringende Empfehlung: Die von uns ausgearbeiteten Atemübungen (Siehe unten) konsequent und diszipliniert in den Alltag einzubauen und sich damit die Sauerstoffsättigung für Körper und Gehirn zu erarbeiten. Dies ist für unsere Lebensqualität essenziell.

Peter Breitfeld: Bewegung ist Leben, das heißt, banale Dinge wie Spazierengehen, Fahrradfahren und joggen helfen sehr. Zum fit bleiben braucht es nicht viel mehr als ein Training auf der Matte. Ob Yoga, Pilates oder funktionelles Training obliegt der persönlichen Vorliebe. Eine tolle Möglichkeit ist es, die über unseren Podcast angeleiteten Trainingseinheiten zu absolvieren.

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Über die verbale Anleitung kann man sich sehr gut auf sich selbst fokussieren und ist nicht von Bildern abgelenkt. Wichtig bei jedem Training: Auf sein Leistungslevel eingehen. Für die Psyche und das Immunsystem ist es enorm wichtig, sich in Bewegung zu halten. Der fehlende soziale Kontakt ist ein Hammer für das Immunsystem, den man durch Sport kompensieren kann. Hier bieten sich natürlich Online-Kurse an, bei denen wir uns gegenseitig sehen und miteinander kommunizieren können. Das macht Spaß und liefert eine hohe Qualität ab, da es uns als Trainer die Möglichkeit gibt, den Patienten zu korrigieren und wir auf eine exakte Ausführung der (Atem-)Übungen achten können.

Welche Atemübungen empfehlen Sie allen, die ihre Widerstandskräfte stärken und präventiv etwas Gutes für ihre Atemwege tun wollen?

Hans Friedl: Die Qualität der Atmung ist entscheidend. Für eine tiefe Bauchatmung ist es enorm wichtig, sich Zeit zu nehmen und wirklich bewusst zu atmen – am besten in freier Natur oder bei geöffnetem Fenster. Es ist wichtig, Achtsamkeit und Atmosphäre schaffen.

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Peter Breitfeld: Auf unserem verlinkten Video sind besonders effektive Atemübungen zu sehen. Aber auch das Mobilisieren der Wirbelsäule sowie das Dehnen und Aktiveren des Zwerchfells gehören zwingend zu einer ganzheitlichen Trainingseinheit. Wichtig ist es auch, die Nasenatmung zu üben.

Übungen für die Lunge: Die Empfehlungen der Experten

1.Palming

Für was die Übung gut ist: Beruhigen des Nervensystems.

Grundposition: Sitz auf einem Hocker oder Stuhl.

Handflächen auf die Augen, vorne über beugen und Ellebogen auf Oberschenkel abstützen, über die Nase ein über die Nase aus, bis 1 Minute halten.

2. Long spine

Für was die Übung gut ist: Dehnen des Karpaltunnels.

Grundposition: Sitz auf einem Hocker oder Stuhl.

Verschränkte Finger, Arme nach oben strecken und Handinnenflächen zur Decke ausrichten, langziehen der Wirbelsäule, tiefe Atmung über die Nase ein und aus etwa 30 Sekunden halten.

3. BWS Glides

Für was die Übung gut ist: Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.

Grundposition: Sitz auf dem Hocker oder Stuhl.

Arme hängen neben dem Körper nach unten und Daumen zeigen zum Körper

Einatmen über Nase, Arme drehen, sodass die Daumen nach außen schauen und sich gleichzeitig die Brustwirbelsäule nach vorne strecken und die Schulterblätter hinten zusammen ziehen, ausatmen über den Mund und über die Lippenbremse zurück zur Grundposition, langsam.

4. Diaphragma Strech

Für was die Übung gut ist: Dehnung für das seitliche Zwerchfell.

Grundposition: Halbkniestand

Linker Arm oben, Oberkörper neigt sich nach rechts, rechter Arm wird an der Innenseite des Oberschenkel platziert und hält gegen, ein- und ausatmen über Nase, beide Seiten je 4 Mal dehnen.

5. Zombie-Atmung

Für was die Übung gut ist: Kräftigung für das Zwerchfells.

Grundposition: Rückenlage

Arme über den Kopf, Becken nach oben heben, dann oben über die Nase einatmen, die Schulterbrücke halten und den Mund aufreißen, das Zwerchfell maximal anspannen, dann den Atem komplett aushauchen wie ein Zombie, danach abrollen Wirbel für Wirbel zurück auf die Unterlage, unbedingt ein paar Atemzüge ohne Bewegung, zwischenatmen, sechs bis acht Wiederholungen.

6. Schlussentspannung

Grundposition: Rückenlage, nahe an einer Wand, sodass die Beine an der Wand hochgelagert werden können.

Arme über den Kopf, tiefe, flüssige Bauchatmung über die Nase ein und tief bis in den Bauch nach unten über den Mund wieder ausatmen.

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