Aus dem Corona-Tagebuch einer Wasserburger „Familienmanagerin“: Mit Pumuckl und Mebis cool bleiben

Steine anmalen im Home Schooling– das entspannt auch unsere Mitarbeiterin, die jede Woche aus den „Corona-Ferien“ ihrer Kinder, die für sie selbst einfach nur Stress bedeuten, launig berichtet.

„Corona-Ferien“, Homeschooling und die Welt steht still. Über die Herausforderungen, die sich gerade in den Familien abspielen, die wegen der Ausgangsbeschränkungen und der Corona-Lage ganz allgemein gerade dicht auf dicht daheim sitzen, darüber berichtet unsere frei Autorin humorvoll in ihrem Tagebuch.

Aus Rücksicht auf ihre Kinder schreibt unsere Mitarbeiterin anonym

Wasserburg – Der Stillstand setzt erst am Mittwoch ein, Tag drei der „Corona-Ferien“. Nachrichtenticker, private Meldungen, Emails mit Absagen kommen nicht mehr im Minutentakt. Irgendwie ist jetzt klar, dass das Leben langsamer läuft – das aber nur „draußen“. Während also das öffentliche Leben auf Eis gelegt wird, Läden schließen und Klopapier gehortet wird, steppt bei mir zu Hause der Bär und das seit Montag, 16. März 2020. Also seit einer Woche.

Tag eins

Punkt sieben Uhr stehen wir zusammen auf, die Tochter (7 Jahre), und ich. Der Papa ist da schon aus dem Haus, als Selbstständiger Aufträge abarbeiten. Ich selbst kann diese Woche Gleitzeit nehmen, und das ist ein Glück, wie sich später herausstellen wird. Aber zunächst gibt es Frühstück, doch der große Bruder (13 Jahre) bleibt lieber im Bett, morgens kann er nichts essen. Bei uns Damen gibt es Vollkornbrot und Reiswaffeln. Danach, es ist 8.30 Uhr, taucht der Sohn doch auf, denn jetzt beginnt die gemeinsame Haushalts-Zeit: 30 Minuten. So ist es besprochen. Die Kinder fetzen los, wer ist am schnellsten mit dem Betten raushängen? Wir verteilen Aufgaben: Staubsaugen, Wäsche zusammenlegen (das machen die Kinder gemeinsam), dreckige Wäsche in die Maschine (das muss ich erklären), Toilette putzen (das muss ich auch erklären), Abspülen. Es gibt eine Liste zum Abhaken, das finden alle toll.

Schule in der Küche

Um 9 Uhr sitzen wir, hurra, in der Küche, es ist „Schule“: Auf der Homepage der Grundschule finde ich die Aufgaben für die Tochter. Leider hat sie das meiste schon am Wochenende in Fleißarbeit erledigt. Bleibt nur noch Mathe, aber auch das geht fix.

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Ich sitze daneben an meinem Laptop und versuche zu begreifen, was gerade geschieht und was gerade wichtig ist. Neben mir: To-do-Listen, Pläne und Terminkalender. Parallel höre ich Radiomeldungen um „Corona“. Wir machen das Radio aus. Um 9.45 ist Pause, alle haben Hunger, auch der Große. Er freut sich, die Lernplattform „Mebis“ ist zusammengebrochen. Also doch keine Schule für ihn.

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Dann meldet sich die Musiklehrerin per Email bei mir mit einem Arbeitsauftrag. Weitere folgen – Geographie, Geschichte. Ich speichere und leite Emails weiter, sortiere mein Email-Postfach, mache mit der Tochter Bewegungsübungen und telefoniere mit der Autowerkstatt – gibt es noch Sommerreifen? Die Tochter ist begeistert, dass ihre Mama jetzt auch Lehrerin ist. Sie darf mir noch zwei Seiten vorlesen, dann gibt es „Bildungsfernsehen“, ein Film über Recycling in der BR-Mediathek. Was ich eben auf die Schnelle gefunden habe. Danach unterhalten wir uns über das Gelernte, das macht Spaß. Um 11 Uhr ist wieder Pause für die Kinder, Malen, Geschichten anhören, Trampolin hüpfen. Der Große liegt mit Buch im Bett. Ich trage den eben gelieferte Tiefkühlschrank in den Keller. Um 12.30 Uhr gibt es Mittagessen. Wir räumen den Tisch ab und die Küche auf – wie besprochen. Danach Pause für mich, ich tanke Sonne. Auch das ist Teil der Vereinbarung. Dennoch gelingt es mir schlecht, abzuschalten.

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Nachmittags ein dringender Augenarzttermin mit der Kleinen, wir kombinieren quasi Heimat- und Sachkunde mit Sport und laufen vom Burgerfeld in die Innenstadt. Leider müssen wir noch zum Optiker und glücklicherweise hat die Tochter ein gutes Händchen bei der Brillenauswahl, denn ich will nur noch nach Hause. Dorthin, wo ich die letzten Tage mit viel Essigreiniger zugange war.

Der Große hat bereits die Wäsche aufgehängt, viele Vokabeln gelernt und mit den Freunden gechattet. Nun ist doch keine Zeit mehr für Yoga, denn das Abendessen muss auf den Tisch. Bis dahin (18.30 Uhr und damit eine halbe Stunde später, als geplant) ist wieder Freizeit für die Kinder: Pumuckl-Geschichten aus der ARD-Audiothek für die Tochter, Zock-Zeit für den Sohn, endlich Freunde treffen, wenn auch nur virtuell.

Tag zwei

Der Vormittag verläuft wie der Tag zuvor, die Kinder sind putzmunter und motiviert. Ich staune. Leider ist die Tochter wieder viel zu schnell mit ihren Aufgaben fertig. Wir brauchen einen Korrekturstift wie die Lehrerin. Den bekomme ich vom Großen, in Rosa. Braucht er sowieso nicht.

Dafür ächzt er über die Aufgabenflut. Ich verspreche, sie mir anzusehen, beim Strukturieren zu helfen. Um 11 Uhr dann Telefontermin mit der Arbeit. Wir haben zwischenzeitlich Primeln im Vorgarten eingesetzt und zu Töchterchens Entzücken einen beeindruckend dicken Regenwurm gefunden.

Wir laufen zum Bäcker und Metzger, Brezn und Wiener kaufen und die Zeitung. Mehr als ein Blick in die Zeitung bleibt mir nicht, denn am Nachmittag steht „Kunst“ auf dem Lehrplan. Wir holen Steine aus dem Garten und bemalen sie. Das entspannt auch mich.

Danach Essen kochen, denn auch die Schlafenszeiten (20 Uhr für die Jüngere) wollen wir einhalten.

Tag drei

Die Tochter und ich sind um 6.15 Uhr wach. Kaffee geholt und zurück ins Bett, es bleibt ja Zeit zum Vorlesen. Um 7.45 Uhr bringe ich das Auto zum Reifenwechseln und fahre mit dem Radl zurück. Hole Brezn vom Bäcker.

Daheim, pünktlich um 8.30 Uhr: Der Tisch ist gedeckt, sogar mit Kerzen, wie Geburtstag. Und ein zweiter Kaffee für mich. Das war wohl viel Arbeit, denn jetzt sind alle müde. Da hilft Musik, die Tochter und ich tanzen dazu. Der Sohn macht sich ans Staubsaugen. Auf meinem Tagesplan steht „Leseludi“ (online-Lernaufgaben) für die Tochter, aber das klappt leider nicht, weil ich selbst das Laptop brauche. Also ein paar Aufgaben vom Lernplan und dann wieder Geschichten anhören, das liebt die Tochter. Am Nachmittag überlasse ich den Großen weiterhin seiner Kompetenz im selbständigen Arbeiten und radle mit der Kleinen zur Autowerkstatt.

Danach Einkäufe, auch in der Gärtnerei Attl. Wir nehmen Saatgut mit, schließlich wollen wir die Beete bestellen.

Tag vier

Die Tochter mag nicht. Sie will den ganzen Tag im Schlafanzug bleiben.

Auch gut. Sie macht ihre Mathe-Aufgaben, ich versuche, den Drucker zu reparieren. Der Große braucht ihn, er möchte die Materialien der Lehrer ausdrucken. Auch die Tochter hat Arbeitsblätter bekommen. Nach über einer Stunde entschließe ich mich, einen Nachbarn zu fragen. Er hilft und legt die Blätter vor seine Haustüre zum Abholen. Ich versuche mich weiter am Drucker. Die Tochter mault, die Aufgaben mag sie gar nicht.

Das Handy meldet, dass 80 Prozent meines Datenvolumens verbraucht sei.

Immerhin kann ich wieder Online-Überweisungen machen, denn ich habe Knopfzellenbatterien gekauft (diesmal die richtigen!) und im Tan-Generator ausgetauscht. Der Sohn will zocken, die Tochter bedient sich an den Bananen. Hey, wir wollen doch Mittagessen – heute etwas später. Meine Laune sinkt, es läuft nicht ganz nach Plan, ich bin gereizt. Am Nachmittag ein langer Spaziergang an den Inn, kurze Gespräche am Gartenzaun mit viel Abstand. Wir laufen am leeren Spielplatz vorbei. Die Tochter liest das Verbotsschild und ist empört.

Tag fünf

Als ich um 7.05 Uhr aufstehe, sitzt der Große schon am Schreibtisch. Er würde jetzt Deutsch abschließen, heute kann er noch Geographie erledigen. Kein Frühstück, danke, aber Tee, den nimmt er. Der Papa ist heute da, er fährt gleich zum Holz kaufen, er will die Hochbeete bauen. Die Tochter hat schlechte Laune. Sie will Film gucken. Oder Spiele am Handy machen (gab es noch nie). Oder Geschichten anhören und malen und im Bett liegen, Comics anschauen. Ich erlaube, im Bett zu bleiben mit Malsachen– am Nachmittag ist auch noch Zeit – und setze mich an den PC, die Wasserburger Zeitung hat nach einem Bericht gefragt. Diese Woche war ich Familienmanagerin, Hausmeisterin, Lehrerin, Krankenschwester, Arbeitnehmerin (weniger, als sonst) und Mutter in einem. Eigentlich nichts Neues. Nur enger getaktet. Und sind gespannt, was kommt.

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