Friedliche Demo von Gegnern und Befürwortern

„Corona-Maßnahmen sind übertrieben“: Masken-Protest vor Wasserburger Rathaus

Masken-Protest auf dem Marienplatz vor dem Wasserburger Rathaus: An der Demonstration beteiligten sich laut Polizei rund 120 Personen. Rieger
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Masken-Protest auf dem Marienplatz vor dem Wasserburger Rathaus: An der Demonstration beteiligten sich laut Polizei rund 120 Personen. Rieger
  • vonKarheinz Rieger
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Meinungsfreiheit gefordert, aber Masken-Befürworterin ausgepfiffen: Proteste gegen Corona-Maßnahmen und Gegen-Demo in Wasserburg verliefen am Samstag aus Sicht der Polizei friedlich.

Wasserburg – Normalerweise sind ja der Marienplatz und die Altstadt bei strahlendem Sonnenschein eher Orte zum Verweilen und Entspannen. Am Samstag jedoch gehörte das Pflaster rund um das Rathaus ausschließlich den Teilnehmern dreier Kundgebungen, die am Freitag von der Stadt genehmigt worden waren. Nach einem kleineren Demonstrationszug unter dem Motto „Übertriebene Darstellung der Corona-Maßnahmen“ fanden sich, von der Polizei geschätzt, 120 Teilnehmer zu einer Demonstration vor dem Rathaus zusammen, um ihre „Kritik an der Verhältnismäßigkeit der derzeitigen Corona-Maßnahmen“ zum Ausdruck zu bringen.

Polizei mit rund 50 Einsatzkräften in der Stadt präsent

In unmittelbarer Nachbarschaft hatte „Wasserburg.bunt“ dagegen zu „Solidarität und Fakten statt rechtem Verschwörungswahn“ aufgerufen. Hier wollten die gut 60 Teilnehmer ein klares Zeichen gegen das Gedankengut von Anhängern von Verschwörungstheorien, Reichsbürgern und Rechtsextremen setzen, die sich solche Versammlungen gerne zur Verbreitung ihrer Theorien zunutzemachen.

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Der Masken-Protest verlief aber ebenso wie die Gegendemonstration unter weitgehender Einhaltung der Auflagen unter den Augen von etwa 50 Einsatzkräften der Polizei friedlich. Es sei lediglich zu drei Anzeigen gekommen, da zwei Atteste betreffs Maskenbefreiung ungültig waren und sich eine Person weigerte, ein solches Attest vorzuzeigen, so die Polizei.

Dreistündige Kundgebung auf dem Marienplatz

Für den Appell von Margit Benemann, Masken zu tragen, gab’s gellende Pfiffeals Antwort. Neben ihr Franz Stemmer.

Zum Selbstdenken anregen, gegebenenfalls zu hinterfragen, ob Maßnahmen in diesem Ausmaß, wie derzeit angeordnet, sinnvoll sind, dazu wollte Versammlungsleiter Franz Stemmer aus Haag in der dreistündigen Kundgebung anregen. Dabei sollte jeder, der einen Beitrag liefern wollte, diesen auch ungestört präsentieren dürfen. Motto: Meinungsfreiheit pur und „Wir stehen für Wahrheit, Freiheit und Liebe“.

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Dass es mit der angekündigten eigenen Toleranz und bezüglich der mehrfach geforderten echten freien Meinungsäußerung dann doch nicht soweit her war, zeigte gleich die erste kritische Stellungnahme von Margit Benemann, Leiterin einer Behinderteneinrichtung für Jugendliche. Ihr leidenschaftlicher Aufruf, zum Schutz anderer doch die Masken zu tragen und ihre Frage, worin denn die tatsächlichen Einschränkungen dabei bestünden, wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert beantwortet.

Ansonsten wurde der Wunsch nach echter Gemeinschaft sowie bekannte Thesen betreffs Meinungsdiktatur, Freiheitsbeschränkungen, Lobbyismus, Impfgefahren und Mainstreamkritik in zahlreichen Redebeiträgen mehrfach in unterschiedlicher Form wiederholt und oft mit viel Beifall bedacht.

Gegen-Demo in der Salzsenderzeile

Transparente der Gegen-Demo in der Salzsenderzeile vor Absperrgittern der Polizei.

Chris Peiker vom Bündnis „Wasserburg.bunt“ stellte in seinem Statement zeitgleich in der Salzsenderzeile heraus, dass eine Kundgebung während einer Pandemie abzuhalten, ihm sehr viel Bauchschmerzen bereite. Er meinte, noch nie habe er sich gewünscht, dass so wenig Menschen wie möglich zu einer Demo kommen. Es sei aber dennoch wichtig, Präsenz zu zeigen, sich der Verantwortungslosigkeit derer in den Weg zu stellen, „die willentlich und wissentlich aufgrund kruder Theorien das Leben anderer gefährden, nur weil sie keinen Bock darauf haben, eine Maske zu tragen“.

Eine ganze Reihe von Wasserburgern verkniff es sich aber auch, an der Gegendemonstration teilzunehmen, wie sie unserer Zeitung erklärten. Ihnen war unter anderem ihre Gesundheit und die ihrer Verwandten wichtiger. Deutlich formulierte das zum Beispiel Wolfgang Tschentscher: „Aufgrund meines Alters habe ich mich entschlossen daheim zu bleiben. Meine kleine Enkeltochter braucht jetzt einen gesunden Opa.“

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