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Auswirkungen der neuen Corona-Maßnahmen

Wirte im Wasserburger Land sind sauer wegen Lockdown: „Wir bekommen eine richtige Watschn“

Ein vorerst letztes Bier zapfen an der Bar des Queens Brigitte Pfohl (links) und Jakob Hastreiter.
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Ein vorerst letztes Bier zapfen an der Bar des Queens Brigitte Pfohl (links) und Jakob Hastreiter.
  • VonLudwig Meindl
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Und wieder bleibt der Zapfhahn zu: Lockdown. Besonders hart trifft es erneut die Gastronomie. Die Wirte im Wasserburger Land haben das vorerst letzte Bier ausgeschenkt. Die Stimmung: zwischen Wut und Enttäuschung.

Wasserburg/Eiselfing/Haag – Und wieder bleibt der Zapfhahn zu: Lockdown. Besonders hart trifft es die Gastronomie. In dieser Woche haben die Wirte im Wasserburger Land das vorerst letzte Bier ausgeschenkt. Die Stimmung: zwischen Wut und Enttäuschung.

Bei einer Inzidenz über 1.000 wird das öffentliche Leben weitestgehend runtergefahren. Keine Weihnachtsmärkte, kein Restaurantbesuch, kein Treffen im Café – wie vor einem Jahr. Damit haben wohl die wenigsten gerechnet.

Gastro fühlt sich abgewatscht

Auch nicht Peter Fichter, Wirt des Stechlkellers in Wasserburg. „Wir bekommen eine richtige Watschn!“, schimpft er, „wir bemühen uns, halten uns an alle Regeln, kontrollieren die Gäste – und trotzdem müssen wir für Restaurantbesucher schließen.“ Darüber ärgert sich der Wirt besonders: „Wir wurden von der Polizei und vom Gesundheitsamt überprüft, es war alles in Ordnung. Und die Quittung dafür bekommen wir nun. Wir müssen wieder zumachen.“

Frustriert: Stechl-Keller-Wirt Peter Fichter.

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Zwar gibt es abends weiterhin „to go“, also Gerichte zum Abholen, trotzdem muss der Wirt mit finanziellen Einbußen rechnen. Noch dazu kam der Lockdown sehr kurzfristig. „Am Dienstag um 10 Uhr wussten wir nicht, ob wir Mittwoch aufmachen. Mittags haben wir dann erfahren, dass der Stechlkeller zubleiben muss“, erzählt Fichter. „Wenn die Inzidenz fünf Tage unter 1.000 ist, dann dürfen wir wieder öffnen. Steigen die Zahlen, ist wieder zu. Unvorstellbar für uns. Ich muss Waren einkaufen, Personal einteilen. Es ist ein Unding, zu erwarten, dass das alles so schnell klappt“, ärgert sich der 59-Jährige.

Hoffen auf einen kürzeren Lockdown

Seit Corona sei es außerdem ein großes Problem, Personal zu finden, stellt der Wirt fest. Jeder suche einen krisensicheren Job. „Bedienung gehört leider nicht mehr dazu“, bedauert Fichter. Der Lockdown ist für drei Wochen angesetzt, aber daran glaubt Fichter nicht. „Ich denke, heuer machen wir nicht mehr auf“, vermutet er.

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Man habe mit einer solchen Maßnahme gerechnet, sagt Jakob Hastreiter, Chef vom Queens Café und Pub. Weihnachtsfeiern oder die üblichen Live-Musik-Auftritte seien schon komplett abgesagt worden. Hoffentlich dauere es nicht mehr so lange wie beim vergangenen Lockdown, denn die Existenz sei schon bedroht, fürchtet Hastreiter. Verdienstausfall und mögliche Personalabwanderung müssten verkraftet werden, staatliche Hilfen seien noch nicht im Gespräch. Eine klare politische Entscheidung sei ihm aber aufgrund der besseren Planbarkeit lieber als das Hin und Her mit allen Ungewissheiten in den vergangenen Wochen.

Die Küche vorsichtshalber nur knapp mit Waren bestückt

Zumindest auf einen Kuchenverkauf „to go“ am Sonntag will Hastreiter jedoch nicht verzichten. Und das Queens habe für die Zeit von Januar bis April schon Live-Auftritte mit Musikern und Künstlern vereinbart. Die Wirtsleute vertrauen auf den Rückhalt der treuen Kundschaft – über den erneuten Lockdown hinaus.

Am Mittwochabend gingen die Lichter aus beim Wirt von Perfall.

Erwartet hat der Wirt von Perfall, Wolfgang Thüring, bereits, was auf ihn zukommt. Sein Notfallplan für die kommende Zeit steht. Seine Küche in Eiselfing hat er vorsichtshalber bereits im Vorfeld des Beschlusses zur Schließung der Gastronomie nur vorsichtig mit Waren gefüllt, sodass das Montagsgeschäft gerade noch mit dem üblichen Angebot laufen konnte. Dass bis zum 13. Dezember die Inzidenzahlen wieder soweit runtergehen, dass Normalbetrieb möglich ist, glaubt Thüring nicht und rechnet mit einem Ausfall bis Weihnachten. Allerdings plant er ab Dienstag ein eingeschränktes Angebot seiner Speisekarte als abendliches Angebot „to go“. „Ein Versuch ist‘s wert“, sagt der Wirt.

Kunden fast am Weinen

„Wir haben das Programm rund um den Lockdown ja schon einmal gefahren und das machen wir jetzt wieder. Im Verkaufsbereich gibt es Personenbeschränkung, Abstandsregeln und nur noch to go. Service ist nicht“, bedauert Christine Deliano, Geschäftsführerin der Wasserburger Backstube mit Café. Müssen wieder Mitarbeiter in Kurzarbeit? „Jetzt schauen wir mal, ob wir das genehmigt bekommen.“

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„Die Gastronomie ist wichtig“, sagt Deliano. „Wir haben Leute da, die sind fast am Weinen.“ Es gebe ja einige, die beispielsweise vom Arzt kämen, Kreislaufprobleme hätten und etwas frühstücken wollten. Das sei jetzt stationär nicht mehr erlaubt „Wir haben unser Hygienekonzept, eigentlich wäre das gar kein Stress.“

Richtig sauer ist der Haager Wirt Giuseppe Costanzo, Pizzeria „Il Caminetto“: „Das Personal und wir alle sind stinksauer!“, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Ihn ärgert vor allem, dass es wieder einseitig die Gastronomie treffe. Auch die Kundschaft äußere sich sehr empört über den erneuten Lockdown.

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