Corona-Krise: Wasserburg macht sich „fit for opening“

Leben in der Stadt: Wann ist ein Bild wie dieses, das einen musikalischen Einkaufssamstag in der Hofstatt zeigt, wieder selbstverständlich? Die Wasserburger Geschäftsleute sind vorbereitet auf die Wiedereröffnung unter neuen Hygieneregeln. Rieger(1), re

Ein zentrales Schutzmittellager in einem Bettengeschäft, eine neue Internetseite mit allen Infos rund um eine langsame Wiedereröffnung: Wasserburgs Wirtschaftsförderungsverband (WFV) bereitet sich auf mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Einzelhandel vor. Das ist geplant.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Am Mittwoch beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten darüber, ob die bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen weitergehen sollen oder eine langsame, schrittweise Rückkehr zur Normalität möglich ist. Das hoffen vor allem viele Geschäftsleute, die geschlossene Ladentüren in Existenznot bringen. „Wasserburg ist vorbereitet für eine Wiedereröffnung“, teilte der Vorsitzende des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV), Moritz Hasselt, bei einer Video-Pressekonferenz mit der Wasserburger Zeitung mit.

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„Fit for opening“ hat der WFV eine Kampagne betitelt, die morgen auf der Internetseite der Interessenvereinigung der Wasserburger Kaufleute, Freiberufler, Gewerbetreibenden und Selbstständigen online geht. Die Rubrik informiert über alle Vorbereitungen, die der WFV getroffen hat – für den Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung und die Bundesländer Lockerungen beschließen, die die Öffnung von Läden unter bestimmten Bedingungen wieder ermöglichen. Auf der Internetseite findet der Verbraucher nicht nur die Information, welche Regeln er in Zukunft zu beachten hat, sondern der Ladenbesitzer auch eine Möglichkeit, Schutzausrüstungen zu bestellen.

Idee von CSU und Wasserblock aufgegriffen

Initiatoren der Informationsplattform mit zentraler Bestellmöglichkeit sind die designierten CSU-Stadträte Christoph Klobeck und Heike Maas. Hinter ihrem Vorschlag steht die gemeinsamen Fraktion von CSU und Wasserburger Block.

„Wir haben die Idee gerne aufgegriffen“, sagt Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes Wasserburg. Er sieht in der Internetplattform nicht nur einen Service für die Kunden der Geschäfte, die sich hier über Wiederöffnungen informieren können, sondern auch für die Mitglieder. Denn wenn der Einzelhandel wieder seinen Verkauf an der Ladentheke aufnehmen darf, müssen neue Hygieneregeln beachtet werden. Der Markt für Schutzausrüstungen ist jedoch leer. Vor allem Inhaber oder Pächter kleiner Läden tun sich schwer, an Desinfektionsmittel oder Schutzmasken heranzukommen. Sie werden oft nur in großen Mengen angeboten, die ein kleines Geschäft gar nicht benötigt.

Schutzmittellager im Bettengeschäft

Der WFV will helfen und bei der Recherche und Bestellung unterstützen. Das eigene Büro kann als Lager jedoch aufgrund fehlenden Platzes nicht dienen. Christoph Klobeck hat sich deshalb bereit erklärt, in seinem zentral gelegenen Bettenfachgeschäft in der Herrengasse Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Klobeck hat über ein Netzwerk umfangreich einkaufen können – Mund-Nasen-Masken, Handschuhe, Kittel und Desinfektionsmittel. Zum Einkaufspreis gibt er die Schutzmaterialien an Ladenbesitzer und Geschäftsleute oder Freiberufler, die wieder in Kundenkontakt treten können, weiter. Die bestellte Ware wird individuell zusammengepackt und vor die Ladentür gestellt – bereit zum Abholen.

Klobeck legt Wert auf die Feststellung, „dass wir den Kliniken das Equipment nicht weggekauft haben“. Vielmehr habe der WFV Kontakte zum Großhandel genutzt, gebe auch einfache Masken, die nicht zertifiziert seien, weiter. Über die Homepage „fit for opening“ gibt es auch Informationen, wer in der Stadt Mund-Nasen-Masken näht, welcher Glaser Plexiglasscheiben herstellt, wo es sonst noch Desinfektionsmittel zu kaufen gibt.

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Die Homepage mit ihren Serviceangeboten zeigt nach Meinung von Heike Maas: „Die Wasserburger Geschäftswelt weiß, wie es weitergehen kann und bereitet sich vor. Denn diese Krise verlangt jetzt nach Antworten auf Fragen und nach Lösungen.“

So sieht es auch der WFV, der schnell reagiert hat mit der ersten Antwort auf die Kontaktsperren und Ladenschließungen: „Wasserburg liefert“ informiert über die vielfältigen Bestellmöglichkeiten und Hol- und Bringdienste der Geschäfte. Jetzt präsentieren diese sich auch vorbereitet für den nächsten möglichen Schritt: eine Lockerung der Corona-Maßnahmen, auch wenn gestern noch nicht feststand, ob und wenn ja wann und wie.

Warnung: Nicht zu früh öffnen

Klobeck hält generell nichts davon, zu früh wieder zu öffnen. Denn ein Fall dürfe nicht eintreten: dass aufgrund einer zweiten Erkrankungswelle wenige Wochen später erneut die Schließung komme. „Das wäre fatal“, sagt er. Auch Hasselt, Inhaber eines Uhren- und Schmuckgeschäfts, appelliert angesichts der Tatsache, dass es um Menschenleben geht, dafür, die Rückkehr zum normalen Leben nicht zu überstürzen – obwohl vor allem viele kleine Läden aus dem Non-Food-Bereich um ihr Überleben kämpfen. Hasselt erinnert jedoch auch daran, dass es Branchen gibt, die es noch schwerer haben, weil sie mit Lockerungen so schnell gar nicht rechnen können: etwa die Schausteller, die von Großveranstaltungen wie dem Wasserburger Frühlingsfest oder dem Rosenheimer Herbstfest leben.

Geschäftsleute reagieren besonnen, Stimmung ist gedrückt

Die Wasserburger Geschäftsleute reagieren noch sehr besonnen auf die großen Umsatzeinbußen, berichten Hasselt und Klobeck einhellig. Dass das Jahr 2020 mit einem Umsatzminus abschließen werde, sei jedoch allen klar. Von heute auf morgen werde auch bei einer Lockerung der Ausgangsbeschränkungen das Konsumverhalten nicht wieder so ausfallen wie vor der Corona-Krise. „Wir müssen uns auch daran gewöhnen, dass Einkaufen in der nächsten Zeit anders ablaufen wird als früher“, sagt Maas. Sie könnte sich Lockerungen nach dem österreichischen Modell vorstellen: mit klaren Regeln zum Abstand halten im Geschäft, zur Anzahl der Personen, die es betreten dürfen, zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz und zum Händewaschen und Desinfizieren. All diese Maßnahmen werden, davon ist Hasselt überzeugt, erst vom Tisch sein, wenn Medikamente und Impfstoffe bereit stehen.

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Maas gibt offen zu, dass sie als Kundin auch auf die Wiedereröffnung ihrer Lieblingsgeschäfte wartet. Und auf eine Rückkehr des Lebens in der Stadt. Die Stimmung sei derzeit gedrückt. Die Tatsache, dass der WFV vorbereitet sei für die Zeit der Lockerungen sei auch ein Mutmacher, findet sie.

Klobeck stellt fest, dass nach der ersten Schockstarre viele Kollegen kreativ auf die besondere Situation reagiert haben – mit Online-Shops und Lieferdiensten sowie viel Telefonberatung. „Ich spüre auch eine tiefe Verbundenheit der Kunden mit dem lokalen und regionalen Einzelhandel. Wir hoffen, dass dieses Bewusstsein auch nach der Krise anhält.“

Hier gibt es Infos

Wasserburg fit for opening“ wird auf der Internetseite des Wirtschaftsförderungsverbandes Wasserburg (WFV) eingestellt. Geschäftsleute, die den Bestellservice für Schutzausrüstungen nutzen möchten, schreiben ein Mail an

info@wfv-wasserburg.de.

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