Corona-Krise: Filmpremiere des Soyener Kultregisseurs Schindler verschoben

Regisseur Sebastian Schindler (links) beim Dreh in Soyen: Hier war sogar eine „Berliner Mauer“ aufgebaut worden. Cater

Am 31. März hätte er seine Weltpremiere gefeiert: der erste Langspielfilm von Regietalent Sebastian Schindler aus Soyen. Doch die Feier in Marias Kino in Bad Endorf ist – vorerst – abgesagt, die Tour ebenfalls. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Schindler, „die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Wir holen die Tour nach.“

Rosenheim/Soyen/Bad Endorf – Er wirkt gefasst, obwohl ihn die Verschiebung der Erstausstrahlung seines dritten Films, der erste über 90 Minuten, natürlich schmerzt. Doch Schindler findet: „In diesen schwierigen Zeiten steht die Gesundheit über allem. Uns geht es wie allen Kulturschaffenden, die aufgrund der Veranstaltungsverbote Absagen verkraften müssen. Wir holen alles nach, wenn die Krise vorbei ist.“

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„Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“, heißt Schindlers Film, der am 31. März Premiere gefeiert hätte. Ein Film, der sogar in die Zeit passt: Denn derzeit fühlen sich viele Bürger aufgrund des brachliegenden gesellschaftlichen Lebens und der vielen Einschränkungen zurückversetzt in die Anfangsjahre der Bundesrepublik, als es nicht selbstverständlich war, in der Welt herumzureisen und das Gemüse noch beim Bauern nebenan gekauft wurde. Schindlers Film spielt zwar in der Neuzeit – im imaginären Dorf Oberstraßkirchen. Doch inhaltlich geht es auch um das Zurückschalten: Der Bürgermeister und seine Spezl beschließen angesichts der Tatsache, dass auch in der Kirche die Kollekte nur noch per Karte und App bezahlt werden soll, den Ausstieg aus der modernen Welt. Oberstraßkirchen soll zurück in die 80er Jahre. Die Dorfjugend findet diese Idee gar nicht gut – ein großes Schlamassel und ein Generationenkonflikt sind die Folge.

Bekannte Schauspieler sind dabei

Der Film wurde in der Region Rosenheim gedreht – unter anderem in Soyen und Ramerberg. Schindler ist es gelungen, bekannte bayerische Schauspieler für seine Low-Budget-Produktion zu gewinnen: Unter anderem spielen die Kabarettisten Wolfgang Krebs (er mimt Ministerpräsident Markus Söder) und Michael Altinger sowie Uli Bauer (unter anderem bekannt als Ude-Darsteller am Nockherberg) mit. Die OVB-Heimatzeitungen wurden ebenfalls engagiert – für die Rolle einer Redakteurin, die den „Ministerpräsidenten“ interviewt, als er Oberstraßkirchen einen Besuch abstattet.

Alle Tickets behalten ihre Gültigkeit

Die Trailer des Films laufen bereits seit Wochen in den sozialen Netzwerken – mit großem Erfolg. Über 1000 Tickets sind für die Filmtour, die in Kinos der Region, aber auch in Wirtshäuser führen sollte, bereits verkauft worden. Zwei Vorstellungen waren bereits ausverkauft. „Die erworbenen Tickets behalten ihre Gültigkeit“, erläutert Schindler, der nicht nur Regisseur, sondern auch Produzent des Films ist – und sogar mitspielt. „Wir holen die komplette Tour mit jedem Termin nach. Jeder bekommt den Film zu sehen, auch mit dem geplanten Umfang sprich Schauspieler- und Teambesuchen“, verspricht er. Wenn bereits Tickets für Kinos erworben wurden, bittet er die Käufer, auf der Website des jeweiligen Kinos nachzulesen, wie diese mit der Situation umgehen.

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Und wie wird Schindler die ungewöhnliche Zwangspause nutzen? Zum Schreiben eines neuen Drehbuchs? „Mal sehen, noch fehlt mir etwas die kreative Ader“, sagt der 22-Jährige. Die Idee für „Mit dem Rückwärtsgang nach vorn“ entstand schließlich beim Thailand-Urlaub. „Meer und Wellenklang: Das erlebe ich nicht daheim in Soyen“, sagt Schindler schmunzelnd. Und doch: „Die eine oder andere Inspiration gibt es schon. Vielleicht klappt es ja doch mit dem Drehbuch schreiben dahoam.“

In den vergangenen Tagen, in denen sich herauskristallisierte, dass es vorerst nichts wird mit Filmpremiere und Tour, haben er und sein Produktionsteam noch am letzten Schliff des Films gearbeitet – „diesmal ganz ohne Zeitdruck. Das ist ein komisches Gefühl“, sagt der Regisseur. Außerdem ist es ihm gelungen, trotz Verschiebung weitere Kinos für die Tour zu gewinnen. Es gibt also – auch für ihn und sein Team – eine vielversprechende „Nach-Corona-Zeit“.

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Trotzdem: „Uns fällt es sehr schwer, die Tour zu verschieben. Wir haben monatelange Planung in das Projekt gesteckt, aber auch wir müssen die Lage so akzeptieren, wie sie ist. Die Gesundheit jedes Einzelnen steht an oberster Priorität“, sagt Schindler.

Informationen darüber, wie es weitergeht, findet der Kinofan demnächst in den OVB-Heimatzeitungen, auf https://www.ovb-online.de/ und auf der Internetseite des Films.https://www.mitdemrueckwaertsgangnachvorn.de/

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