Oh Corona hilf! Einer Heiligen, die vor Seuchen schützen soll, ist bei Gars die Corona-Kirche Unterzarnham geweiht

Der Heilige Victor und die Heilige Corona am Hochalter der kleinen Kirchen in Unterzarnham.
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Der Heilige Victor und die Heilige Corona am Hochalter der kleinen Kirchen in Unterzarnham.

Corona ist nicht nur der Name der Pandemie, die die Welt in Atem hält. So heißt auch die Schutzheilige des Geldes, der man auch Kompetenzen in der Bekämpfung von Unwetter und Seuchen zuschreibt. Der Märtyrerin ist in Unterzarnham bei Unterreit seit dem 14. Jahrhundert die kleine Corona-Kirche gewidmet.

von Bruno Münch

Gars – Eine nie dagewesene weltweite Seuche, eine abgesagte Bittprozession, der 20. Februar als Gedenktag, ein Redemptoristenpater und eine Kirche in Unterzarnham bei Unterreit: Alle verbindet etwas miteinander, aber was?

Man ahnt es natürlich: Es ist der Name Corona, der derzeit allgegenwärtig ist: Dass er „in aller Munde“ ist oder „uns alle in Atem hält“, mag man schon deswegen nicht sagen, weil damit eine allzu pessimistische Sicht über die weitere Entwicklung der Seuche heraufbeschworen wäre.

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Die St. Corona-Kirche in Unterzarnham bei Unterreit ist eine der ältesten ihrer Art in Oberbayern. Schon um 1147 ist ein Zehentstreit, also ein Geld- und Abgabenstreit, zwischen dem Kloster Au am Inn und dem Pfarrer von Grünthal beurkundet, in dessen Zusammenhang auch der kleine Ort „Zaechhinheim“ mit seinen wenigen Höfen erwähnt wird.

Zahlreiche Reliquien

Im Jahre 1398 wurde dann die „Kirche in Zainhaimb“ eingeweiht. Im Hochaltar wurden zahlreiche Reliquien eingeschlossen, darunter – aus heutiger Warte schwer nachvollzieh- und verifizierbar – Reliquien der Dornenkrone Jesu, der Apostel Andreas und Jacobus, des Hl. Stephanus, eine Rippe des Hl. Mauritius und sogar Überreste der Unschuldigen Kinder, die bekanntlich nach biblischer Überlieferung von König Herodes in Bethlehem ermordet worden sein sollen.

Wallfahrt zur Heiligen Corona

Heute gehört Unterzarnham, das früher zusammen mit Mittergars vom Augustinerchorherrenstift Au am Inn seelsorglich betreut wurde, zweifelsohne zu den traditionsreichsten und ältesten Wallfahrtsorten zur heiligen Corona überhaupt: Ihre Verehrung ist dort seit dem 14. Jahrhundert lückenlos bezeugt. Auf dem Altarblatt der im Jahr 2017 gelungen renovierten Kirche sind heute St. Victor mit Fahne und Schwert und St. Corona mit Palmzweig dargestellt. Zwischen ihnen sind die beiden Palmen zu sehen, die auf die Überlieferung von Coronas Martyrium hindeuten. Ihre Peiniger sollen sie zwischen zwei herabgebogene Palmen gebunden haben, die sie dann beim Emporschnellen zerrissen.

„Corona-Bittgang“ in der Tradition der Pestprozessionen - nun abgesagt

Und die abgesagte Bittprozession und der Redemptoristenpater haben in diesem Zusammenhang folgenden Hintergrund: Pater Alois Stautner hatte zusammen mit dem Seelsorgsteam des Pfarrverbands Gars die Idee, einen Bittgang zur heiligen Corona in Unterzarnham zu organisieren. Dekan Pater Ulrich Bednara teilte dazu ergänzend mit, dass man diesen „Corona-Bittgang“ ganz in der Tradition der Pestprozessionen früherer Jahrhunderte sehen wollte. Man suchte damals von den Dörfern und Städten entfernte Kirchen und Kapellen auf, um Gott um Gnade und Verschonung vor der Pest zu bitten.

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Von Seiten des Pfarrverbands musste man allerdings dieses Vorhaben aufgrund der aktuellen Schutzmaßnahmen gegen das Coronaviruas dann doch fallen lassen. Das hinderte Pater Alois Stautner und Pater Josef Steinle, der in einer Zeitschrift des Klosters Gars darüber berichten wird, nicht, vor Ort Nachforschungen in der St. Corona-Kirche Unterzarnham anzustellen und sich mit Johann Hauner, dessen Hof sich neben der Kirche befindet, über die Geschichte der Kirche und die Verehrung der heiligen Corona auszutauschen.

DIE HEILIGE CORONA UND DAS UNHEILIGE VIRUS

Corona ist das lateinische Wort für Kranz, Krone, auch Diadem und meint eine „Bekränzung“ im weitesten Sinne. In der Astronomie spricht man von einer „Sonnenkorona“ und reimt sich dann schon zusammen, wie das Virus wegen seinem in diesen Tagen oft abgebildeten Äußeren zu seinem Namen gekommen ist.

Als heute selten gewordener weiblicher Vorname ist Corona die „Gekrönte, Bekränzte“, was nichts anderes als auch der aus dem Griechischen analog gebildete Name „Stephana“ bedeutet, denn griechisch „stephanos“ ist die Umkränzung, der Kranz als Ehrenkranz, der Kranz beim Opfer für die Götter und auch der Kranz, der im Kampf getragen wurde. Später wurde auch die Kopfbedeckung der Bischöfe der Ostkirche als Stephanos bzw. Mitra bezeichnet.

Wenn man im katholischen Kontext von Namen spricht, hat man natürlich auch gleich den Namenspatron oder die Namenspatronin im Blick, in unserem Fall die Heilige Corona. Ein Standardwerk, der Namenstagskalender von Jakob Torsy, kennt sie als christliche Märtyrerin, die in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts in der „Thebais“ in Ägypten gelebt habe und deren Martyrium „romanhaft“ grausig ausgestaltet worden sei: An den heruntergezogenen Spitzen zweier Palmen sei sie festgebunden und bei deren Emporschnellen in Stücke gerissen worden.

Einige ihrer „angeblichen Reliquien“ seien von Kaiser Otto III. im zehnten Jahrhundert in das Münster von Aachen, andere im 14. Jahrhundert von Karl IV. nach Prag gebracht worden. St. Corona werde, so ist bei Torsy nachzulesen, in antiker Gewandung, mit Palmen, Geldstück und Krone dargestellt, sie sei Patronin in Geldangelegenheiten und werde bei „abergläubischen Handlungen wie Schatzgraben und Glücksspielen“ angerufen.

Da es offenbar ein ganzes Bündel von Überlieferungen und Legenden um Corona gibt, wird sie im „Ökumenischen Heiligenlexikon“ darüber hinaus noch als Patronin der Metzger geführt und man schreibt ihr Kompetenz in der Bekämpfung von Unwetter und – man wird hellhörig – Seuchen zu!

Da kommt der 20. Februar ins Spiel: Das ist nach Torsy der Gedenktag dieser Heiligen. Im Februar 2020 konnte man in den Zeitungen dieses Tages den Namen Corona sehr häufig finden, allerdings natürlich nicht wegen der Heiligen: Gemeint war immer das Coronavirus, zu dem Zeitpunkt noch meist im Zusammenhang mit „China“ und „Reise“ genannt. Erst nach diesem Datum nahm die Seuche weltweit an Fahrt auf und wurde aufgrund ihrer globalen Verbreitung (am 11. März) zur Pandemie erklärt. Zurück zur Heiligen: Nach Anfängen in Italien, in Aachen und Prag wurde Corona seit dem 14. Jahrhundert auch in Altbayern, Böhmen und Niederösterreich verehrt, oft zusammen mit ihrem Ehemann und Märtyrer Victor. Heute kennen in Deutschland acht, in Österreich drei Orte eine Heilige-Corona-Verehrung, oft verbunden mit traditionsreichen Wallfahrten. Überall dort gibt es Corona-Kirchen und sogar die frühere österreichische Münzeinheit „Krone“ soll nach der heiligen Patronin in Geldangelegenheiten benannt worden sein.

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