Überleben in der Corona-Krise

Weihnachtsdeko statt Cappuccino: Zweiter Lockdown zwingt Czap in Haag zum Handeln

Lässt sich ihre Weihnachtsvorfreude vom Lockdown nicht vermiesen: Angelika Müller-Czap aus Haag funktioniert ihr Café zu einem Weihnachtsladen um.
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Lässt sich ihre Weihnachtsvorfreude vom Lockdown nicht vermiesen: Angelika Müller-Czap aus Haag funktioniert ihr Café zu einem Weihnachtsladen um.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Statt Cappuccino im „Czappuccino“ in Haag gibt es jetzt Weihnachtsdeko und Geschenkartikel. Das Lokal wurde kurzerhand zu einem Weihnachtsladen umgebaut. Einzelhandels-Unternehmerin Angelika Müller-Czap reagiert damit auf den zweiten Lockdown.

Haag – Ihre Gastronomie-Angestellten musste die Haager Kauffrau erneut in Kurzarbeit schicken. Dabei wollte ihre alteingesessene Kaufmannsfamilie ursprünglich mit einem neuen Ladenkonzept Haags Ortskern stärken.

Frau Müller-Czap Was passiert, wenn es weitere Lockdowns geben wird? Kann Ihr Unternehmen das überleben?

Angelika Müller-Czap: Weitere, gar strengere Lockdowns möchte ich mir gar nicht vorstellen. Eine Schließung im Handel wäre für uns ein Horror-Szenario. Ob wir das überleben könnten, hängt von der Dauer, dem Zeitpunkt und der Staatsunterstützung ab – die wir letztendlich alle selbst tragen werden müssen in Zukunft.

Corona zwingt Sie, als Unternehmerin erfinderisch zu sein.

Müller-Czap: Corona hält uns, wie alle, auf Trab. Um überhaupt existieren zu können, muss man sich als Unternehmer einiges einfallen lassen: Flexibilität, Ausdauer und Einfallsreichtum sind neben Hygienekonzept die Schlagworte. Für die Vorweihnachtszeit haben wir, sobald der Lockdown beschlossen wurde, in der selben Stunde noch geplant, unser Café „Czappuccino“ in einen Weihnachtsladen umzufunktionieren. Statt Barista-Kaffee, Kuchen und Imbiss gibt es hier jetzt Geschenkideen und Weihnachtszubehör. Mit diesem Konzept wünsche ich mir, das sehr schwierige Geschäftsjahr positiver abschließen zu können.

Das ist natürlich bitter, nachdem das Café für viel Geld umgebaut wurde. Können Sie beziffern, wie hoch die Umsatzeinbußen sind?

Müller-Czap: Das Café „Czappuccino“ entstand im Rahmen sehr aufwendiger und kostspieliger Sanierungsmaßnahmen im Zeitraum von drei Jahren. Wir konnten im Juli 2019 eröffnen. Es war ja ein Novum, ein Handelsgastrokonzept im bestehenden Einzelhandel. Routine war allmählich spürbar – bis schließlich bereits im März der erste Lockdown kam. Nach der Wiedereröffnung im Mai lief alles sehr langsam an. Kaum hatte man sich geschäftlich erholt, kommt nun der zweite Lockdown. Umsatzeinbußen in fünfstelliger Höhe sind zu erwarten.

Wie viel Personal haben Sie im Café eingesetzt? Mussten Sie die Bedienungen/Küchenkräfte ausstellen oder auf Kurzarbeit schicken oder werden sie anderswo eingesetzt, etwa an der Kasse?

Müller-Czap:Wir haben sechs Mitarbeiterinnen im „Czappuccino“, fünf davon sind derzeit in Kurzarbeit; sie konnten nicht in anderen Bereichen eingesetzt werden. Ohne Kurzarbeit hätte man das Ganze nicht stemmen können. Bereits im April konnte eine Mitarbeiterin, die sich in der Probezeit befand, nicht übernommen werden.

Spüren Sie auch im restlichen Geschäft, das eine Druckerei, Schreibwaren, Spielwaren, Geschenke und Buchhandel umfasst, die Corona-Krise?

Müller-Czap:Am ersten Tag des zweiten Lockdowns war das Unternehmen erschreckend leer. Momentan normalisiert sich die Kundenfrequenz allmählich, wenngleich wir das geschäftige Treiben und das redselige Miteinander im Café „Czappuccino“ vermissen. In unserem „Druckzentrum Haag“ liegt der Schwerpunkt eher im Gewerbebereich, Aufträge, welche Events betrafen, sind ausgefallen, dafür Pandemie-Trennwände oder Druckerzeugnisse im Hygienebereich dazugekommen.

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Im „Czappuccino“ gibt es wegen Corona derzeit keine Gastronomie. Das Café wurde kurzerhand zum Weihnachtsmarkt umgebaut.

Welche Artikel laufen trotz Corona immer gut?

Müller-Czap: Es ist in der Tat so, dass Spielwaren und Bücher sich sehr hoher Beliebtheit erfreuen. Gerade Brettspiele und Puzzles sind vermehrt in den Familien auf dem Vormarsch. Dies sehe ich als einen der wenigen positiven Nebenaspekte der Krise.

Vergeht Ihnen die vorweihnachtliche Stimmung?

Müller-Czap: Die vorweihnachtliche Stimmung habe ich mir mit dem entsprechenden Ambiente im umfunktionierten Café geschaffen. Es macht mir Freude, mit immer noch motivierten und engagierten Mitarbeitern arbeiten zu dürfen. Schöne Dinge fürs Herz zu verkaufen, tut auch uns gut. Das größte Kompliment ist, wenn die Kunden unsere Geschäftsidee annehmen und glücklich den Laden verlassen. Und das in einer Zeit, in der nichts mehr normal zu sein scheint.

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