Ein Corona-Gedicht von Franz Mayerhofer aus Babensham: “Es is so staad worn in unserm Land“

Franz Mayerhofer ist nicht nur Dichter, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf mit einem Blick für die Natur. Mayerhofer
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Er dichtet, er singt, er fotografiert und er schreibt: Franz Mayerhofer aus Babensham beschäftigt sich auch – und vielleicht gerade – in Corona-Zeiten mit den schönen Dingen des Lebens. Unsere Redaktion erfreute er mit einem Gedicht, das in diesen Tagen Mut machen kann.

Von Petra Maier

Babansham– Franz Mayerhofer ist keiner, der nur schwätzt. Er hat bereits viel erlebt in seinem Leben: Er war Landwirt, Entwicklungshelfer, zwölf Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister, hat viele Länder bereist, ein Buch geschrieben und betreibt eine Vielzahl an Hobbies. Mit 70 Jahren hat er den Ehrenbürgertitel der Gemeinde Babensham erhalten.

„Ich bin ein zufriedener Mensch“, sagt er von sich selbst. Die Worte für meine Texte kommen mir meist aus dem Stehgreif, – am Abend, wenn es ruhig ist – „und im Moment ist es ja sehr viel ruhig.“

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Das war nicht immer so: Es gab auch unruhige Zeiten in seinem Leben. Über seine Kindheit auf einem Bauernhof in Bärnham, wo er mit sechs Geschwistern aufwuchs, hat er ein Buch geschrieben: „Kindheitserinnerungen – Geschichten vom Bruckernhof und Bärnham“. Sein älterer Bruder bekam den Hof, Franz Mayerhofer arbeitete in der Landwirtschaft mit. Anschließend absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung mit Fremdlehre auf einem Betrieb bei Schwindegg. Trotzdem habe er schon länger den Wunsch gehegt wegen des Hungers in der Welt in die Entwicklungshilfe zu gehen, erinnert sich der vielseitig interessierte Mann. Das tat er dann auch.

Zwölf Jahre lang Bürgermeister

„Stürmische Zeiten“ erlebte er in den darauffolgenden Jahrzehnten in der Kommunalpolitik. Zwölf Jahre war er Bürgermeister von Babensham – ehrenamtlich und zeitgleich zu seiner Außendienst-Tätigkeit bei der Molkerei Bauer.

Heute hat er mit seiner Frau vier Kinder und ein Dutzend Enkelkinder. Da rührt sich immer was.

Trotzdem hat er sich den Blick für das Einzigartige und Schöne bewahrt. Das Foto vom stimmungsvollen Stelldichein zwischen Mondsichel und Venus beispielsweise hat er abends um 22 Uhr fotografiert.

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Einen Tag zuvor hatte Papst Franziskus vor dem Petersdom eine Andacht gehalten und von den Stufen der vatikanischen Basilika herab den Sondersegen „Urbi et orbi“ gespendet. Eine von Mayerhofers Enkelinnen hatte diese Szene im Fernseher miterlebt und „Papa, ich glaub, die Erde wackelt“ gerufen.“ Dieser Satz inspirierte den Opa zu einem Gedicht, das er zusammen mit den beiden Fotos vom Mond und den Vogeljungen an seine Freunde verschickte. Die wiederum waren so begeistert, dass sie ihm ordentlich zusetzten, sein neuestes Werk doch auch an die Zeitung zu schicken – für unsere Serie „Ich und Corona“.

Franz Mayerhofer.

„Meine Frau findet das jüngste Gedicht ein wenig holprig“, verrät Mayerhofer beim Telefoninterview mit unserer Redakteurin. Sie meint, er habe schon Bessere geschrieben. Nun gut, sie kann wählerisch sein, denn immerhin hat sie im Laufe ihrer Ehe schon sehr viele Gedichte von ihrem Mann bekommen – ein Umstand, der unsere Redakteurin fast ein wenig neidisch werden lässt. Aber vielleicht kommt ja jetzt der ein oder andere Leser auf die gute Idee, ein Gedicht zu verfassen?

Das Gedicht im Wortlaut

Es war amoi aa Abend spaat...

Es war amoi aa Abend spaat

aa wunderschöne Nacht,

der Mond nur halb zur Venus schaut

so hell und klar wie nia,

während die Erd sich weiter draaht.

Doch scheints ob die Erd jetzt wackeln daat,

wer hätt des vor kurzem no denkt,

letzts Jahr do is ja ois no so lustig gwen,

do hamma gfeiert ohne End.

I glaab mia hamm a bissl übertriem,

Es is so staad worn in unserm Land,

so manch verschobner Besuch einem jetzt reut.

Am Grab dort stehn nur wenig Leut

obwoi so vui mit Eahm verwandt.

Und Ostern vor der Tür,

koa Weihrauch und koa Osterlicht

koa Heiland, der erstanden ist,

die Kirch is laar, kein Orgelklang,

Ein Ostern ohne Chorgesang.

Jahrhunderte hods des no ned geb`m.

Doch die Natur duat so, wia waar nix gwen,

oiss is voller Aufbruch und voi Lebm,

die Vögl zwitschern und dean Nesterl baun,

wie immer und mit Gottvertraun.

Vor Jahren hob i amoi erlebt,

wia aa Sturm so aa Nesterl am morschen Ast

samt Eier vom Baum hod gfegt.

für die Vögel, glaubt ich, aus der Traum,

weit gefehlt, sie fingen gleich wieder an zu baun.

Ja uns Menschn werds ned anders gehn,

wir werden anfangen uns zu besinnen,

wie morsch unser Wohlstand war

und mit Gottvertraun wieder von vorn beginnen.

Franz Mayerhofer

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