Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Corona-Zeit für Fortbildung genutzt

Kaiserschmarrn via Bauch-Tankstelle: Yvonne Dinger aus Isen ist eine besondere Ernährungsberaterin

Katharina isst: Das Mädchen hat das Miller-Dieker-Syndrom und wird mittels PEG-Sonde am Bauch ernährt. Über die „Tankstelle“ läuft nur leckeres Selbstgekochtes ein. Mama Yvonne Dinger ist inzwischen Profi und das nicht nur am Thermomix. Die Corona-Zeit hat die Isenerin genutzt, eine Fortbildung zur Ernährungsberatung zu machen. Ihr Steckenpferd ist die Sondenkost.
+
Katharina isst: Das Mädchen hat das Miller-Dieker-Syndrom und wird mittels PEG-Sonde am Bauch ernährt. Über die „Tankstelle“ läuft nur leckeres Selbstgekochtes ein. Mama Yvonne Dinger ist inzwischen Profi und das nicht nur am Thermomix. Die Corona-Zeit hat die Isenerin genutzt, eine Fortbildung zur Ernährungsberatung zu machen. Ihr Steckenpferd ist die Sondenkost.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
    schließen

Kaiserschmarrn, Parmesangemüse oder Pasta mit Lachs – das schmeckt Katharina Dinger (10) aus Isen gut –auch über ihre Bauchsonde. Ihre Mama Yvonne ist sehr erfahren in der Zubereitung von Sondenkost und hat die Corona-Zeit genutzt, sich zur Ernährungsberaterin mit dem Schwerpunkt „Lebensmittelunverträglichkeit und Allergie“ weiterzubilden.

Isen – Yvonne Dinger ist Food-Bloggerin und jetzt auch ausgebildete Ernährungsberaterin mit dem Schwerpunkt „Lebensmittelunverträglichkeit und Allergie“. Sondenkost ist dabei ihr Steckenpferd. Die Corona Zeit hat sie für die Online-Fortbildung am Bildungszentrum Therapeutische Berufe genutzt. Hauptberuflich arbeitet sie in der Bayerischen Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung.

Die 48-jährige Isenerin bereitet täglich für ihr Töchterchen Katharina (10), die das Miller-Dieker-Syndrom hat und schwerstbehindert ist, Sondenkost zu – und teilt ihre Erfahrungen inzwischen in Online-Workshops mit anderen Eltern von „Sondenkindern“. Das Fertigzeug, das hauptsächlich aus Fett und Zucker besteht, gibt es schon lange nicht mehr im Hause Dinger. Katharina bekommt ihr geliebtes Parmesangemüse, Huhn mit Süßkartoffeln oder Lachsnudeln – püriert.

Weg von dem Fertigzeugs

Die „kleine Hummel“, wie sie liebevoll von ihren Eltern genannt wird, kämpft auch mit einer nicht therapierbaren Epilepsie-Form (West-Syndrom). Daher klappt das mit dem Essen und Schlucken nicht. Über die „Tankstelle“ (PEG-Sonde) am Bauch gibt es leckere Speisen von Mama Yvonne und ihrem Thermomix. Das Sondieren übernimmt mal sie, mal ihr Mann Henry.

Das Familienleben von Yvonne Dinger und ihrem Mann Henry ist anders. Ihr Töchterchen Katharina ist schwerstbehindert.

Keine Angst

Die Isenerin ermutigt andere Eltern, von klassischer Sondenkost auf Selbstgemachte umzusteigen und nimmt ihnen die Angst, das Kind könnte dann nicht mehr genügend Nährstoffe und Kalorien bekommen.

„Viele haben Sorge, die Sonde könnte verstopfen, oder das Material porös werden“, erklärt Yvonne Dinger, und ergänzt, „man darf sich da keine Angst machen lassen“. Das sei die größte Herausforderung.

Der Austausch der betroffenen Mütter untereinander sei wertvoll. Endlich merken sie: „Ich bin nicht allein.“

Gesunde selbst gemachte Sondenkost

Die Ernährungsberaterin weiß, dass Fertignahrung via Sonde häufig zu Erbrechen führt, die kleinen Patienten haben eine ungesunde Gesichtsfarbe, Augenringe. Bei der Umstellung auf Selbstgemachtes erlebe man, wie sich das Hautbild verschönert und die Kleinen nahezu aufblühen. Und für die Mütter kehrt beim Vorbereiten des Familienessens ein Stück Normalität ein.

Eine „Extrawurst“ braucht es nicht

Die Sondenkost muss keine „Extrawurst“ sein. „Am besten schaut man, was die Familie normal isst und überlegt, was eignet sich hiervon für den Pürierstab. Das geht sogar mit Kaiserschmarrn“, lacht die 48-Jährige.

Auch interessant: FPIES: Was Sie über die seltene Nahrungsmittelallergie wissen müssen

Sondennahrung muss sehr flüssig sein. Um Klümpchen zu vermeiden, hilft auch passieren. Häufig ist die Zugabe von Enzymen und bestimmter Öle nötig. Theoretisch kann man alle normalen Speisen pürieren – auch mal Schweinsbraten mit Knödel und Blaukraut. Dazu brauche es Übung. Ebenso bei Quinoa, der verlange nach sehr viel Flüssigkeit, wenn er für die Sonde verarbeitet wird. „Das ist für Fortgeschrittene“, ergänzt sie augenzwinkernd. Dinger berät derzeit hauptsächlich Mütter mit „Sondenkindern“. Aber auch Erwachsene, die zum Beispiel nach einer Krebs-Erkrankung sich selbst sondieren müssen, suchen Rat bei ihr oder tauschen sich aus.

Pizza mit Rotwein über die Sonde

„Von erwachsenen Patienten weiß ich, dass die Geschmacksrezeptoren auch reagieren, wenn das Essen direkt über den Bauch kommt und nicht über den Gaumen“, so Dinger. Pizza mit Rotwein oder Kaffee mit Kuchen – schmeckt also auch flüssig über die Bauchsonde.

Das könnte Sie auch interessieren: Zu viele Infos über Babyernährung können Eltern verwirren

Der menschliche Körper sei darauf ausgelegt, komplexe Nahrungsmittel zu verarbeiten, etwa Müsli und Brot – statt einfach nur eine Zucker-Stärke-Masse ausm Packerl angerührt.

Strenge Rezepte gibt Yvonne Dinger in ihren Kursen nicht vor, vielmehr ermutigt sie die Eltern, wieder ein Gespür für ihr Kind zu entwickeln, was es verträgt und was ihm schmeckt. Ihre Kleine sei eher der herzhafte Typ. In ihrem Foodblog beSONDErs-gesund erfährt man, wie beispielsweise Katharinas Frühstück aussieht.

Hilfe von der Schwerkraft

Oder welche Vorteile „Schwerkraftsondierung“ hat. Dabei hängt das „Essen“ an einem Ständer – wie bei einer Infusion – und läuft ein. „Und zwar nur das, was der Körper verträgt. Und Mama oder Papa haben die Hände frei“, so Dinger, die stets Lebensmut und Pragmatismus ausstrahlt. Als „Stehaufmännchen“ beschreibt sie sich selbst.

Lesen Sie auch: Wenn Lebensmittel Schmerzen verursachen: Waldkraiburgerin lebt mit Zölliakie

Auf ihrem Blog liest man auch, wenn es mal nicht so gut läuft, wenn das Töchterchen aufgrund ihrer schweren Krankheitsbilder massive Krampfanfälle in Serie hat, ununterbrochen brüllt und sie selbst hilflos und panisch ist. Und sie andere um Hilfe bittet.

Ehrliche Worte auf ihrem Blog

Sie erzählt, wie sie als Mama eines behinderten Kindes an der Bürokratie verzweifelt, wenn ihre Anträge, zum Beispiel für eine Augensteuerung oder Sitzschale abgelehnt werden. Einspruch einlegen, nachhaken dranbleiben – das zehrt aus. Gefühle, die die meisten Eltern von Kindern mit Behinderungen kennen. Manchmal kann man einfach nicht mehr. Und dann, so Yvonnes Erfahrung auf ihrem Blog, „werden wir Mütter als Ursache der Schwierigkeiten abgestempelt“, weil man nicht so funktioniert, wie man soll.

Stichwort: „Die Hummel“:

Katharina ist ein kleines Wunder, denn sie ist schon zehneinhalb. Dabei gaben ihr die Ärzte nach der Geburt nur zwei bis drei Jahre, denn sie hat das Miller-Dieker-Syndrom. Die Kleine ist schwerstbehindert, hat keine Gehirnwindungen. Daheim wird sie „die Hummel genannt“. „Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann eine Hummel nicht fliegen. Sie weiß das aber nicht und fliegt trotzdem“, so erklärt ihr Papa Henry, wie der Spitzname zustande kam.

Mehr zum Thema

Kommentare