Corona fordert zehn Todesopfer im Seniorenheim auf der Wasserburger Burg

Jona Baumgartner unterhielt die Bewohner des Betreuungszentrums Wasserburg mit einem Hofkonzert – eine kleine Abwechslung in einer bedrückenden Zeit.
  • Heike Duczek
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Corona hat die Burg weiter fest im Griff: 28 der 50 Bewohner des Seniorenheims wurden positiv getestet, zehn sind an der Viruserkrankung verstorben, teilt Herbert Leitmannstetter, Geschäftsführer des Betreuungszentrums Wasserburg, mit. Es hatte 2019 das Seniorenheim Maria Stern von der Stiftung Attl übernommen.

Wasserburg – Vier Bewohner auf der Burg sind nach Angaben von Leitmannstetter noch akut erkrankt, zwei werden in der Romed-Klinik Wasserburg betreut. Auch 14 der 45 Mitarbeiter seien positiv getestet worden, 13 davon wieder genesen.

Die schwierige Lage auf der Burg führte dazu, dass das Besuchsverbot für Angehörige hier noch nicht so wie in vielen bayerischen Pflegeeinrichtungen gelockert werden konnte. Das Seniorenheim befindet sich nach wie vor in Quarantäne. Zum Muttertag gab es hier noch immer keine Möglichkeit für Angehörige, persönlich vorbeizuschauen.

Noch immer unter Quarantäne

Das Betreuungszentrum organisierte ein Hofkonzert für die Bewohner – eine willkommene Ablenkung – und trotzdem „ein etwas hilfloser Versuch, etwas Normalität in den Alltag zu bringen“, so der Geschäftsführer. Denn die Atmosphäre in den beiden Wasserburger Häusern der Unternehmensgruppe Krohn-Leitmannstetter ist nach Angaben der Geschäftsführung von Angst und „einer gewissen Stille“ geprägt. Es herrsche eine „bedrückte Stimmung“. Auch die Mitarbeiter seien emotional sehr belastet. „Es für alle eine sehr, sehr schwierige Zeit.“

Versorgungsengpässe gebe es jedoch nicht, die Betreuung sei personell sichergestellt. Ein großes Lob gibt es für die Mitarbeiter: Diejenigen, die auf der Corona-Station arbeiten, befinden sich außerhalb ihres Dienstes grundsätzlich in Quarantäne. Dass viele diese Doppelbelastung auf sich nehme, um die Versorgung der Pflegebedürftigen sicherzustellen, zeigt nach Erfahrung von Leitmannstetter, „wie sehr bei uns alle zusammenhalten“.

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Keine Erklärung gibt es nach seinen Angaben nach wie vor für die Tatsache, dass sich die Situation in der zweiten Einrichtung seiner Unternehmensgruppe in Wasserburg, dem Betreuungszentrum, ganz anders darstellt als auf der Burg. Hier ist bisher noch niemand positiv getestet worden. Burg und Betreuungszentrum wurden jedoch zur selben Zeit heruntergefahren, unterlagen den selben Auflagen und Handlungsanweisungen.

Infektionskette nicht nachvollziehbar

Warum sich das Virus auf der Burg so fatal ausbreiten konnte, dass zehn hochbetagte Bewohner mit Vorerkrankungen verstarben, ist nach wie vor ein Rätsel. Die Infektionskette kann nach Informationen von Leitmannstetter nicht mehr nachvollzogen werden. Tatsache ist: Die Burg hat ihren Charme, die Bewohner lieben das alte Haus, doch die therapeutische Infrastruktur lässt sich hier in den verwinkelten Gängen und im alten Gemäuer nicht so optimal anbieten wie in einem modernen Pflegeheim, so ein Erklärungsansatz.

Dynamisches Infektionsgeschehen jetzt gestoppt – Lob für das Personal

Das Gesundheitsamt habe dem Personal von Maria Stern bescheinigt, eine vorbildliche Arbeit zu leisten, betont Leitmannstetter. Das dynamische Geschehen der Infektion sei mittlerweile rückläufig, das heißt: Es träten nicht mehr jeden Tag neue Verdachtsfälle auf. Die Ansteckungskette ist durchbrochen, so die Hoffnung.

Bewohner, die aus dem Krankenhaus zurückkehren, werden in einer Übergangsschutzstation im Betreuungszentrum für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, berichtet Leitmannstetter. Das gelte auch für neue Bewohner, die aufgenommen würden.

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Die alten Menschen verstehen die Gründe für ihre Isolation mittlerweile relativ gut, „bei den Gesunden hakt es eher mit dem Verständnis“, stellt Leitmannstetter angesichts der Tatsache fest, dass sich am Wochenende Tausende zu Demonstrationen getroffen hatten. Wer so wie er und sein Personal erlebt hat, dass Menschen an der Viruserkrankung sterben, ohne ihre Angehörigen wiedergesehen zu haben, kann dies nicht nachvollziehen.

Trotzdem ist Leitmannstetter überzeugt: Die bayerische Staatsregierung habe gute Arbeit in der Krise geleistet. „Jetzt hoffen wir, dass für die Zukunft daraus gelernt wird: unter anderem mehr Geld für die Pflege zur Verfügung gestellt wird.“

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