„Corona-Entrümpelung“ lässt nach: Wertstoffhöfe im Altlandkreis Wasserburg melden Entspannung

Helmuth Maier präsentiert hier zwei Zinnteller, die neben vielen anderen Artikeln bei der Tauschbörse Albaching auf neue Besitzer warten.
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Helmuth Maier präsentiert hier zwei Zinnteller, die neben vielen anderen Artikeln bei der Tauschbörse Albaching auf neue Besitzer warten.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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  • Petra Maier
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  • Karlheinz Günster
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Die große ‚Corona-Entrümpelung‘“, so Eiselfings Bürgermeister Georg, scheint langsam nachzulassen. Am Wertstoffhof der Gemeinde sei es wieder ruhiger geworden, die angekündigte Schließung zum 1. Juli wegen „inakzeptabler Zustände“ ist vom Tisch. Auch andere Gemeinden im Altlandkreis melden Entspannung.

Eiselfing/Wasserburg/Pfaffing/Albaching/Soyen/Reichertsheim/Maitenbeth – Die Redaktion fragte im Altlandkreis Wasserburg bei einigen Gemeinden nach, wie bei ihnen die Situation ist.

In Eiselfing hielten sich zu Hochzeiten der allgemeinen Entrümpelung viele Anlieferer nicht an die Regeln – und schon gar nicht an Anstandsregeln. Es kam zu Beschimpfungen der Mitarbeiter, Müll flog über den Zaun.

„Rund um Pfingsten war hier viel los“, beschreibt Reinthaler noch einmal. Aktuell sei die Lage aber deutlich entspannter. Nur hin und wieder käme es zu Beschwerden einzelner Anlieferer, weil sie die Maskenpflicht nicht einsehen wollen oder ungehalten über volle Container sind. Masken seien aber nun mal vorgeschrieben und die Container würden einfach schneller voll, wenn mehr Leute ihren Müll entsorgen, erklärt Reinthaler. Da komme der Landkreis manchmal einfach nicht nach mit dem Abtransport.

In den kommenden Tagen, so kündigte das Gemeindeoberhaupt an, werde am Wertstoffhof eine Videokamera installiert, die das Betriebsgelände überwacht, wenn geschlossen ist. Es gebe nämlich, so Reinthaler, nach wie vor eifrige Müllablader, die nach Schließung der Tore über den Zaun das Gelände betreten und ihren Schrott abladen. „Es kam schon vor, dass Mitarbeiter bei Arbeitsbeginn abgestellte Kanister, gefüllt mit unbekannten Flüssigkeiten auf dem Gelände fanden“, ärgert sich Reinthaler. Das müsse doch wirklich nicht sein. Schließlich käme doch zweimal im Jahr das Umweltmobil des Landkreises, bei dem Problemabfall fachgerecht entsorgt werden kann.

Nichts Auffälliges in Wasserburg

Im Wasserburger Wertstoffhof kam während der Coronakrise zwar mehr Abfall als früher zusammen, doch insgesamt hielt sich das Aufkommen im Rahmen. „Nichts Auffälliges“, sagte der Chef des Amtes für Abfallwirtschaft, Bernhard Schachner.

Auch seine Mitarbeiter vor Ort konnten in den vergangenen Wochen keine übertriebene Entsorgung feststellen. Grund zur Klage hatten sie aber trotzdem: So manche Unverschämtheiten hätten sie sich anhören müssen. Geklagt wurde von den Anlieferen vor allem darüber, dass nur maximal fünf Personen in den Hof gelassen wurden, die auch noch Masken tragen mussten. In der Tat herrscht eine strenge Regulierung am Wertstoffhof: Die Entsorgung soll grundsätzlich auf das Notwendigste beschränkt sein und nicht länger als fünf Minuten in Anspruch nehmen. Und einfahren darf der Besucher jeweils nur nach Aufforderung durch das Wertstoffhofpersonal.

Große Tauschbörse in Albaching

Besonderes ist bisher beim Albachinger Wertstoffhof laut Bürgermeister Rudolf Schreyer nicht abgegeben worden. Lediglich einmal schadstoffbelastete Holzarten, die extra entsorgt werden mussten.

In Albaching gibt es eine besondere Lösung für Dinge, die zu schade zum Wegwerfen sind. Vor drei Jahren hat sich die Nachbarschaftshilfe um eine Tauschbörse gekümmert. In einer Garage oberhalb des Wertstoffhofs an der Wasserburger Straße sind die Regale voll mit Dingen wie Bücher, Spielsachen, Kleidung, Fahrradhelme, Rollerskater, Gläser, Tassen, kleine Geschenkartikel und anderes, was man auf einem Flohmarkt zu finden ist.

Für größere Dinge ist kein Platz, aber es gibt eine Pinnwand, auf der die abzugebenden „Schätze“ publik gemacht werden können.

Der frühere Gemeinderat Helmut Maier hat sich dafür stark eingesetzt. Und er freut sich über jeden, der et-was davon verwenden kann, „die Leute brauchen kein schlechtes Gewissen haben, auch nichts spenden, einfach mitnehmen“, ermuntert er auch Besucher aus den Nachbargemeinden.

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Samstags ist von 10 bis 13 Uhr geöffnet, im Schnitt kommen 15 bis 20 Interessierte vorbei. Wer etwas hat, stellt es am Eingang ab, „das wird von uns eingeräumt“, so Maier. Alle paar Monate schaue man alles durch und entsorge, was gar nicht „weitergeht“, in den Sperrmüll. Neun Freiwillige teilen sich die Betreuung.

Der Leiter des Wertstoffhofs Georg Heinz steht dem etwas skeptisch gegenüber, denn zuvor war genau das beim Wertstoffhof angesiedelt. „Manche haben sich einfach den Sperrmüll sparen wollen“, vermutet er. „Alte Skier nimmt doch kein Mensch mehr mit“. Sicher, schade sei es um Elektrogeräte, findet auch er, denn liegen die einmal im Container, seien die weg, egal ob funktionstüchtig oder nicht, doch alte Computer hätten nun mal keinen Wert mehr.

Das Doppelte in Pfaffing

Elisabeth Gralka leitet seit rund 20 Jahren den Pfaffinger Werstoffhof und hat schon einiges erlebt und auch gesehen. Das so ziemlich verrückteste was einmal den Weg in den Hof fand, war vor fünf Jahren einmal ein hochwertiges Kochgeschirr der Firma AMC im Wert von 3000 Euro. „Warum wirft jemand so etwas in den Container, wo es noch gut zu verkaufen wäre“, fragt sie sich. Es musste wohl schnell gehen, vermutet die Wertstoffhofleiterin. Was geschah damit? Das sollte nicht in die Schrottpresse, das war zu schade, deshalb bekam es ein Verein. Beobachtet hat Elisabeth Gralka, dass jetzt in der Corona-Zeit viel mehr angeliefert wird. „Die Leute haben wohl mehr Zeit, es kommt etwa das Doppelte“

Manches zu schade zum Wegwerfen in Reichertsheim

Seit neun Jahren betreut Gerdi Bockmaier den Wertstoffhof in Ramsau, Gemeinde Reichertsheim. Viele Sachen seien in Ordnung und es sei oft schade darum, aber es heiße oft von den Leuten, „das brauchen wir nicht mehr“. Darunter seien etwa Radios mit CD-Spieler, weil die Jugend eben anders höre. Oder Kochtöpfe, weil auf Induktionsherd umgestellt wird, dann sind die alten eben übrig. Dafür sei doch der Verschenkemarkt vom Landratsamt eine gute Idee, aber da müsse man das Objekt eben einstellen und sei nicht sofort weg. Jetzt in der Corona-Zeit wird erheblich mehr abgegeben, Holz, Schrott und kleine Elektrogeräte.

Weg damit in Maitenbeth

Nein, keine besonderen Vorkommnisse, erklärt Josef Grandl, zuständig für den Wertstoffhof in Maitenbeth. Seit drei Jahren kennt er die Gewohnheiten der Maitenbether. Da sei sicher das eine oder andere funktionierende Stück dabei, doch gebe es die Vorgabe, alles in den Container zu werfen, „dann ist es weg!“ Allmählich pendelt sich der Normalbetrieb wieder ein, denn erst war Corona-bedingt geschlossen, dann stieg die angelieferte Menge in den ersten zwei Wochen stark an.

Keinerlei Probleme in Soyen

Keinerlei Probleme bei der Entsorgung meldet der Wertstoffhof in Soyen: „Die Bürger verhalten sich vorbildlich“, sagte ein Mitarbeiter unserer Zeitung. Hin und wieder müsse auf die Maskenpflicht hingewiesen werden, aber das sei schon alles. Das Abfallaufkommen habe sich wieder normalisiert. Der Wertstoffhof befindet sich für die Dauer der Baumaßnahmen rund um die neue Brücke in Mühltal zurzeit auf dem Gelände am Bahndamm.

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