Corona bringt VHS Wasserburg in akute Not

Markantes Gebäude, offene Zukunft: Die Zukunft der VHS Wasserburg sei noch nicht gesichert, sagen Geschäftsführerin Agnes Matrai udn VHS-Vorsitzende Jürgen Schulan. Weithofer
+
Markantes Gebäude, offene Zukunft: Die Zukunft der VHS Wasserburg sei noch nicht gesichert, sagen Geschäftsführerin Agnes Matrai udn VHS-Vorsitzende Jürgen Schulan. Weithofer

In dieser Woche durfte die VHS Wasserburg endlich wieder ihre Pforten öffnen, nachdem sie seit Mitte März wegen der Corona-Krise geschlossen war. Und doch plagen Geschäftsführerin Agnes Matrai und den VHS-Vorsitzenden Jürgen Schulan große Sorgen um die Zukunft der Einrichtung zur Erwachsenebildung.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – „Die VHS ist nachhaltig beeinträchtigt“,klagte Geschäftsführerin Agnes Matrai Anfang April. Auch nach der aktuellen Öffnung ist die Zukunft der Volkshochschule noch nicht wieder gesichert, wie Matrai und der VHS-Vorsitzende Jürgen Schulan in einem neuen Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklären. Der Volkshochschule Wasserburg bricht die Finanzierung weg, und sie hat Schwierigkeiten, genug Räume zu finden.

Drei Monatekeine Einnahmen

„Wir hatten drei Monate lang keine Einnahmen“, sagt Schulan. „Nur aufgrund unserer stabilen finanziellen Verhältnisse konnten wir diese Zeit überbrücken.“ Auch in den kommenden Wochen wird das Geld nur spärlich fließen, da nach den Osterferien beschlossen wurde, das Sommersemester abzubrechen. Den Teilnehmern sei die anteilige Gebühr erstattet worden – rund 30 000 Euro wurden zurücküberwiesen – viele allerdings hätten das Geld gespendet. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so Matrai. Auf diese Weise sei für die VHS 6500 Euro zusammengekommen. „Das ist viel mehr, als wir gedacht haben.“

Einzelne Kurse im Juni und Juli

Einzelne Kurse sollen im Juni und Juli noch stattfinden, zum Beispiel in Deutsch und Englisch, der Wetterkunde-Unterricht ist bereits angelaufen. Im Bewegungsbereich, etwa Yoga, gibt es ebenfalls Angebote, „natürlich etwas weniger, aber da sind wir dran“, sagt Matrai. Der Betrieb wird also weiterlaufen, aber eingeschränkt und unter strikter Beachtung der Hygieneauflagen. Die Zahl der Teilnehmer schmilzt gleichwohl auf einen Bruchteil.

Mehr zum Thema:

Bildungswerke starten vorsichtig - In den Volkshochschulen gibt es die ersten Nach-Corona-Kurse

Wenn das Telefon still steht: VHS-Kurse werden abgebrochen, doch Vieles bleibt unklar

Die aktuell größte Herausforderung für die VHS ist der Mangel an Unterrichtsräumen, weil durch die Abstandsregeln das Gebäude an der Salzburger Straße nicht mehr wie früher genutzt werden kann. Auch in den VHS-Standorten in den Gemeinden rundum herrscht große Raumnot. Klassenzimmer in der Wasserburger Mittel- und Grundschule – beide in kommunaler Hand – können die Not kaum lindern. Deshalb werden Gespräche mit dem Landkreis geführt mit dem Ziel, dass er die Schulen, für die er die Zuständigkeit hat, für VHS-Zwecke öffnet. Bisher ziert sich aber aus Wasserburger Sicht die Behörde in Rosenheim, hier einzulenken und etwa die Berufsschule, das Gymnasium und die Förderschule freizugeben, um Stunden abzuhalten.

Wie geht es im Herbst weiter?

In der VHS schrillen daher die Alarmglocken. „Es ist unsere große Sorge, wie es im Herbst weitergeht“, so Matrai. Schulan setzt seine ganze Hoffnung darauf, dass das Landratsamt der VHS in der Raumfrage entgegenkommt, und er warnt mit Nachdruck vor einer existenziellen Not: „Das geht bei uns an die Substanz. Ohne zusätzliche Räume haben wir echte Schwierigkeiten, unser Programm abzuwickeln.“

Hoffen auf das Landratsamt

Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Verfassung: „Wir erfüllen eine Aufgabe, die den Kommunen obliegt, nämlich die Bevölkerung mit einem Bildungsangebot zu versorgen.“ Worauf die Blockadehaltung des Landkreises zurückzuführen ist? Auf diese Frage antwortet Schulan, dass zum einen der hohe Aufwand der Schulen, etwa die Umsetzung der Hygienekonzepte, ins Feld geführt werde, zum anderen werde generell die Verantwortlichkeit an die Kommunen abgeschoben. „Das ärgert mich wirklich“, sagt der ehemalige Ministerialbeamte.

Planung mit derHälfte der Teilnehmer

Die VHS steht vor schwierigen Zeiten: Im neuen Semester plant sie mit nur noch etwa der Hälfte der Kursteilnehmer, die Abstandsregeln zwingen dazu. Die bisherige Zahl liegt bei etwa 500 bis 600. Freilich will sie nicht wie andernorts die Preise erhöhen, es sollen auch keine Abstriche beim Angebot gemacht werden. Veröffentlicht werden soll das Programm Anfang September. „Es steht aber unter Vorbehalt“, betont Schulan. „Wir haben so geplant, als wenn nichts wäre. Sollte es aber zu einer zweiten Corona-Welle kommen, müssten wir zu den alten Beschränkungen zurückkehren.“ Dann drohen auch Preiserhöhungen – und vielleicht noch Schlimmeres.

Kommentare