Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Verschiebung ist geplant

Corona bricht Jahrhunderttradition: Haager Pfingstmarkt 2021 muss abgesagt werden

Den Schlosshof zu besichtigen – im Hintergrund ist der Schlossturm zu sehen – ist heuer an Pfingsten in Haag die einzige Attraktion. Der traditionelle Pfingstmarkt musste abgesagt werden. Unser Foto stammt aus dem Jahr 2019.
+
Den Schlosshof zu besichtigen – im Hintergrund ist der Schlossturm zu sehen – ist heuer an Pfingsten in Haag die einzige Attraktion. Der traditionelle Pfingstmarkt musste abgesagt werden. Unser Foto stammt aus dem Jahr 2019.
  • vonLudwig Meindl
    schließen

In der Neuzeit war der Pfingstmarkt das bedeutendste Marktgeschehen für Haag mit großem Besucherzuspruch aus der weiten Umgebung. Vergangenes Jahr trauten sich Gewerbeverband und Gemeinde und veranstalteten den Markt mit Abstands- und Hygieneregeln. Heuer muss er ausfallen.

Haag – Heuer musste er aufgrund der Corona-Lage – und wegen der hohen Inzidenzwerte – abgesagt werden. Auch wenn jetzt gerade die Zahlen sinken – so ein Markt braucht viel Planung und Vorlauf.

Märkte derzeit generell untersagt

Bürgermeisterin Sissi Schätz erläuterte die Absage im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Die Geschäfte hätten zu Pfingsten öffnen dürfen, aber nur in Verbindung mit einem Markt. Märkte seien jedoch nach wie vor generell verboten. Thomas Sax vom Werbering „Haag aktiv“ musste in den sauren Apfel beißen. Er bemüht sich nun, einen späteren Ersatztermin zu bekommen.

Letztes Jahrbelegte die ausgebuchte Marktfläche um Löwenbrunnen und Maibaum am Marktberg eine ungewohnt hohe Resonanz. „Haag aktiv“ zündete eine Aktionswoche mit Gutscheinen und eröffnete die „Haager Eiszeit“ mit Schaufensterrätseln.

Der Schlosshof war für Spaziergänger frei, im Turm gab es Führungen. Mit den Organisatoren atmete die Bevölkerung auf: „Mit dem Pfingstmarkt kehrte wieder etwas mehr Normalität nach Haag zurück“, so das Fazit der Bürgermeisterin Sissi Schätz damals.

Die einzige Attraktion heuer lautet: Der Schlosshof rund um den historischen Haager Schlossturm öffnet am Samstag, 22. Mai, endlich wieder seine Pforten für Besucher. Er ist dann wie gewohnt täglich von zehn bis 17 Uhr geöffnet und über beide Tore für die Bevölkerung zugänglich.

Marktrecht seit 1324

Der Pfingstmarkt hat für die Haager eine lange Tradition. Er tauchte unter diesem Namen allerdings erst im 19. Jahrhundert zusammen mit dem Weihnachtsmarkt auf. Vorher dürfte es ihn aber schon als Quatembermarkt gegeben haben. Diese Vierteljahresmärkte reichen auf die Verleihung des Marktrechtes 1324 durch Kaiser Ludwig zurück. Sie galten als „gefreit“, da in freiem Handel alles, auch in die Grafschaft importierte Waren, gekauft werden durften.

Schon vorher hatte Haag die „nicht gefreiten Märkte“ mit Warenverkauf aus der Grafschaft, also Getreide, Vieh- und Handwerkerprodukte. Heute kommen die Händler wieder von auswärts. Insgesamt kam man mit den wöchentlichen Viktualienmärkten auf 64 Märkte im Jahr.

Auch interessant: Haag traut sich ein zweites Mal und lädt trotz Corona-Pandemie zum Herbstmarkt ein (Plus-Artikel ovb-online.de)

Dabei galten die Haager als eigen, allein schon wegen ihrer eigenen Maße. Das Haager Schäffel wog 266 Liter, ein bayerisches dagegen 216.

Das Zentrum des Marktes war bis in die Neuzeit am „Berg bei den Fleischbänken“, der heute Marktberg heißt. Mitten am Marktplatz stand im Gegensatz zu heute, wo an dieser Stelle nur der Maibaum zu bewundern ist, bis 1815 das Gerichtsgebäude und davor die Schranne. Dann kamen Marktverwaltung und Amtsgericht. Schon früh mussten die Schweine weichen, weil sie den Boden aufwühlten und den Herren Richtern unangenehm in der Nase lagen. Also wurden sie auf den Bräuhausplatz verbannt, wo man noch bis in die 60er Jahre den Viehmarkt abhielt.

Dort befand sich auch das Waaghäuschen, für das der Haager Schrannenmeister zuständig war. Eine Ausdehnung erfuhren die Märkte gerade in den vergangenen Jahren, wo nicht nur der Marktberg, sondern auch die Flächen um Löwenbrunnen und Friedenseiche von den Fieranten belegt sind.

Bis 1849, als die Kirche im „großen Haager Brand“ in Flammen aufging, wurde in Haag zu Pfingsten auch das Kirchenpatrozinium gefeiert. An eine alte Tradition erinnert auf Höhe der einstigen Chorschranken im Gewölbe das sogenannte Heilig-Geist-Loch. Das ganze Jahr über blieb es geschlossen, aber zu Pfingsten wurde es geöffnet. Der Deckel ließe sich auch heute noch leicht entfernen.

Pfingsttauben flatterten empor

Früher schwebten aus den Löchern zum Pfingstsonntag die Pfingsttauben heraus. In einigen Pfarreien flatterten echte, in anderen wurden sie durch Blätter von Pfingstrosen als Symbol der Feuerzungen ersetzt.

Konkrete Notizen über die Nutzung des Lochs gibt es für die Haager Kirche nur zum Karsamstag, wo es an vielen Orten üblich war, „mit Pauken und Trompeten“ eine Jesusfigur mechanisch zur Auferstehung hochzukurbeln.

Mehr zum Thema

Kommentare