Leere Bühnen und Zelte sorgen für Misstöne bei Stadtkapelle Wasserburg 

Blick in den Probenraum: Hier herrscht gähnende Leere. Burlefinger

Abgesagt: Das heißt es derzeit auch für alle Kulturveranstaltungen. Keine Ausstellungen, keine Konzerte. Das trifft auch die Stadtkapelle Wasserburg hart. Das Vereinsleben ist komplett lahmgelegt – die Stadtkapelle finanziell sogar gefährdet.

Von Andreas Burlefinger

Wasserburg – Schnell war mit dem Blick in den Terminkalender klar: Das wird eng mit der Durchführung des Frühlings-Konzertes. Seit Anfang des Jahres hatten die Musiker gemeinsam mit Stadtkapellmeister Michael Kummer an einem interessanten Programm gearbeitet.

Konzertausfälle sind eine „finanzielle Katastrophe“

In einer nächtlichen Videokonferenz unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Georg Machl wurde schließlich die Absage des Konzerts entschieden. Damit wurde auch ein großer und wichtiger Einnahmeverlust akzeptiert. „Doch der Respekt vor der Gesundheit des Lebens hat Vorrang“, betont der Vorstand.

Durch die Absage aller Großveranstaltungen bis vorerst Ende August fallen auch so gut wie alle Auftritte für die Stadtkapelle aus und somit auch alle Einnahmen weg. Neben dem Frühlings-Konzert trifft das auch auf das Wasserburger Frühlingsfest, Weinfest, Inndammfest, Jubiläumsfest der Wasserburger Fußballer und das Jubiläumsfest des TSV Soyen zu. „Eine schwierige Zeit, insbesondere da wir aufgrund des Erweiterungsbaus finanziell noch nicht gefestigt sind. Die fehlenden Einnahmen stellen eine riesengroße Herausforderung und auch existenzielle Gefährdung für unseren Verein dar“, erläutert Vorsitzender Machl. Finanziell sind die Ausfälle für die Stadtkapelle nach seinen Angaben „eine Katastrophe“, denn der Erlös aus den Auftritten stellt neben den Sponsorengeldern den wesentlichen Teil der Einnahmenbeschaffung dar.

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Stadtkapelle Wasserburg bangt um Sponsorengelder

„Ein großes Fragezeichen steht noch hinter den Sponsorengeldern. Bei der wirtschaftlichen Lage werden Sponsoren abspringen. Hier hoffen wir jedoch, dass unsere Sponsoren und Gönner den Ernst der Lage erkennen und uns weiterhin trotz der für alle schwierigen Situation unterstützen“, so Harald Däullary, Sponsorenbeauftragter der Stadtkapelle.

Für Stadtkapellmeister Michael Kummer stellt die Zahlung aus Wasserburg eine seiner Existenzgrundlagen dar. Der Rettungsschirm für Industrie, Gewerbe und Handwerk wirkt sich hier nicht aus, bedauert die Stadtkapelle.

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Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie wirken und das Vereinsleben ab September wieder starten kann. Nicht nur um wieder Einnahmen für den Erhalt des Musikvereins zu erwirtschaften, sondern auch, um wieder gemeinsam zu musizieren. „Natürlich kann jeder per Radio oder übers Internet, mit mp3-Titeln, CDs, Kassetten oder auch Schallplatten seine Lieblingsinterpreten anhören“, ist sich Machl bewusst. Das könne jedoch das gemeinsame Musizieren, die Freude an der Musik und den gesellschaftlichen Treffen bei Proben und Konzerten nicht ersetzen.

Verein will Fortbestand der Bläserklassen sichern

Sie fand jedoch eine schnelle Lösung für die vereinseigene Musikschule. Der angebotene digitale Unterricht über diverse Online-Plattformen wird von den Schülern und auch deren Eltern gut angenommen. Schwieriger wird es bei den Bläserklassen in der Grundschule. Ohne Entscheidung der Regierung, wann und in welcher Form der Unterricht wieder stattfinden wird, ist eine konkrete Planung nicht möglich. „Auch hier arbeiten wir an einer Lösung, um den Fortbestand der Bläserklassen zu sichern“, sagt der Vorsitzende Machl.

Vereinsleben existiert derzeit nur über Telefon und Handy

Momentan existiert das Vereinsleben nur über das Telefon und die digitale Medienwelt. Der persönliche Kontakt fehlt, er ist jedoch wichtig für das Zusammenspiel, wissen die Musiker. Denn das Leben eines Musikvereins unterscheide sich in einigen Abläufen grundsätzlich von manch anderen Vereinen, in denen Einzelpersonen als Individuum mehr Platz fänden. Musikorchester und auch Chöre müssten im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander hören, rücksichtsvoll mit der Lautstärke umgehen und den Anweisungen der musikalischen Leitung folgen, da sonst das musikalische Gesamtergebnis nicht gelinget, berichtet der Vorstand. Die Voraussetzung dafür, Respekt und Akzeptanz, entständen im persönlichen Umgang miteinander. Das entstehe in den Proben und der vielen Zeit, die man dabei gemeinsam gestalte. „Das fehlt nun. Wie lange noch? Geht da was verloren, das nicht wieder herstellbar ist?“, fragen sich viele.

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