Corona: Betreuungshof Rottmoos  trauert um zwei Bewohner – Lage stabilisiert sich aber

Wahrzeichen des Betreuungshofes Rottmoos: die Ohrenkapelle. Besuche sind für die trauernden Bewohner und Mitarbeiter derzeit jedoch nicht möglich. re
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Wahrzeichen des Betreuungshofes Rottmoos: die Ohrenkapelle. Besuche sind für die trauernden Bewohner und Mitarbeiter derzeit jedoch nicht möglich.
  • Heike Duczek
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Der Betreuungshof Rottmoos, in dem 52 Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung sowie zusätzlichen Erkrankungen leben, ist schwer betroffen von Coronavirus-Infektionen. Die ganze Einrichtung steht unter Quarantäne. Die Leitung bitte die Bürger um Hilfe: Das Haus benötigt dringend Schutzmaterialien.

Update 16. April

Keine neuen Coronavirus-Fälle am Betreuungshof

Die Lage in Rottmoos hat sich stabilisiert. Seit über zwei Wochen gibt es keine neuen Infektionen im Betreuungshof mehr, teilt Einrichtungsleiterin Monika Senega auf Anfrage der Wasserburger Zeitung mit. „Das heißt, unsere Anstrengungen zeigen deutliche Wirkung. Nach wie vor steht jedoch das ganze Haus unter Quarantäne und das wird auch die nächste Zeit noch so bleiben. Der sichere Rahmen, der dadurch geschaffen wird, erleichtert die Arbeit“, berichtet sie.

Im Betreuungshof, in dem 52 Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung leben, finden derzeit viele Einzelaktionen, Gespräche, Spiele und das Kontakt Halten mit Angehörigen statt. „Wir dürfen trotz Quarantäne einzeln in den Garten oder kleine Spaziergänge machen.“

Wie berichtet, sind zwei Bewohner verstorben. Zwei weitere, die im Krankenhaus behandelt wurden, sind mittlerweile wieder daheim. „Es geht ihnen gut“, freut sich Senega. Eine Bewohnerin stehe kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus. Bei zwei weiteren Bewohnern sei die Lage noch sehr kritisch. „Das beunruhigt uns natürlich sehr, wir geben die Hoffnung jedoch nicht auf.“

Der Betreuungshof Rottmoos bedankt sich außerdem für die Hilfsbereitschaft der Menschen. Ohne die vielen Spenden wäre die Einrichtung schnell mit der zur Verfügung stehenden Schutzausrüstung an die Grenze gekommen. „So waren wir in der Lage, uns alle zu schützen und professionelle Arbeit zu leisten. Was derzeit von Bewohnern und Mitarbeitern geleistet wird, ist einfach großartig“, sagt Senega abschließend.

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Die Erstmeldung vom 2. April

Wasserburg – Der Betreuungshof Rottmoos, in dem 52 Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung sowie zusätzlichen Erkrankungen leben, ist schwer betroffen von Coronavirus-Infektionen. Mittlerweile sind nach Angaben der Einrichtungsleiterin Monika Senega zwei Bewohner verstorben, beide in höherem Alter und mit massiven Vorerkrankungen. Es werden noch drei Bewohner in Kliniken behandelt, denen es nicht gut geht, bedauert Senega. Im Haus werden noch mehrere Bewohner mit einem leichten Krankheitsverlauf versorgt.

Vorwiegend ältere und für Corona anfällige Bewohner

Auch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden nach Angaben der Leiterin positiv getestet und fallen somit aus. „Momentan können wir aber noch eine adäquate Betreuung und Pflege aufrechterhalten“, so Senega.

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Die im Betreuungshof lebenden Menschen haben unter anderem geistige Behinderungen, psychische Erkrankungen, aber auch physische Einschränkungen. Es sind vorwiegend ältere Personen, viele haben auch Vorerkrankungen – etwa des Herz-Kreislauf-Systems – also gesundheitliche Problematiken, die bei einer Coronainfektion einen schweren Verlauf verursachen können.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Bereich Hygiene sehr gut geschult, betont Senega. Hierfür gebe es eine extra ausgebildete Hygienefachkraft. Den guten Stand der Hygienemaßnahmen habe die Heimaufsicht regelmäßig bestätigt.

Fleißige Helfer nähen Mund-Nasen-Schutz

Notwendige Schutzausrüstung erhält der Betreuungshof über das Landratsamt Rosenheim, allerdings immer nur in kleinen Mengen. „Unsere üblichen Lieferanten tun alles, was möglich ist, können aber den großen Bedarf nicht abdecken. Mittlerweile haben wir ein paar fleißige Helfer, die für uns Mund- Nasen-Schutz nähen“, berichtet Senega.

Alle Maßnahmen würden engmaschig mit dem Gesundheitsamt in Rosenheim abgesprochen und durch einen Arzt begleitet. Die ganze Einrichtung stehe mittlerweile unter Quarantäne. Das heiße, alle Bewohner müssten in ihren Zimmern bleiben. Sie dürfen nur einzeln ohne Kontakt zu anderen Bewohnern ins Freie gehen, um mal Luft zu schnappen oder sich zu bewegen, erklärt die Leiterin.

Soziales Leben zum Erliegen gekommen

Es gebe keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr, keine gemütlichen Kaffeerunden oder Spiele. „Unser familiäres und soziales Leben, das uns immer sehr wichtig war, ist vollkommen zum Erliegen gekommen. Da die kognitive Einschränkung der Bewohner teilweise gravierend ist, fehlt hierfür oft das Verständnis. Auch Informationsschriften in einfacher Sprache und mit Bildern helfen hier nur unzureichend. Viren kann man nicht sehen und riechen, das macht das Verstehen schwer bis unmöglich“, berichtet Senega.

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Die Isolation verursache zunehmend psychische Probleme. Der in der Einrichtung lebende Personenkreis leidet immens an den gebotenen Maßnahmen. „Die Mitarbeiter versuchen, dies in Einzelgesprächen aufzufangen. Unser erfahrenes Team ist bis an seine Grenzen gefordert und leistet dennoch hervorragende und professionelle Arbeit. Nachdem nun zwei geliebte Bewohner von uns gegangen sind, kommt auch noch die Trauerbegleitung auf Distanz hinzu. Wir dürfen niemanden in den Arm nehmen und trösten, das verstehen die wenigsten.“

Die Heimleitung sendet einen Hilferuf an die Bürgerinnen und Bürger von Wasserburg. „Am dringendsten benötigen wir zurzeit zusätzliche Schutzkleidung. Nicht anrufen, sondern einfach vor die Tür stellen!“

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