Contra Sportplatzverlegung nach Zellereit: „Der Standort ist nicht alternativlos“

Der Fußballplatz in Ramerberg: Nach Meinung der Gegner der Verlegung nach Zellereit bietet sich am Altstandort eine Erweiterungsmöglichkeit nach Westen.
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Der Fußballplatz in Ramerberg: Nach Meinung der Gegner der Verlegung nach Zellereit bietet sich am Altstandort eine Erweiterungsmöglichkeit nach Westen.

Eine Sondersitzung wird im Herbst zeigen, wie und ob es weitergeht mit der Bauleitplanung für die geplante Verlegung des Fußballplatzes Ramerberg nach Zellereit. Befürworter und Gegner kämpfen um ihre Sicht der Dinge. Das sagen die Anlieger in Zellereit, die sich gegen die Verlegung wehren.

Von Heike Duczek

Ramerberg – „Wir sind nicht Gegner des Fußballs in Ramerberg, sondern keine Befürworter des problembehafteten Standortes Zellereit“, sagen Johannes Urban, Tobias Czempinski, Ute Fischbach-Kirchgraber und Michael Reithmeier. Die in der Nähe der geplanten neuen Sportanlage wohnenden Anlieger erkennen an, dass der Sportverein eine Lösung für seine nicht mehr zeitgemäßen Plätze in Ramerberg benötigt. Doch der Wunschstandort des SVR an der Pfaffinger Straße in Zellereit sei aus mehreren Gründen nicht vertretbar.

Bodenbeschaffenheit nicht geeignet

Dies habe schon 2012 das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Ortsentwicklungskonzept erkannt. Das Gelände sei aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit ungeeignet, habe es geheißen. Das Areal sei ein Wasserpuffer, wichtig für den Hochwasserschutz – „ein Niedermoor, in dem unsere Vorfahren noch Torf gestochen haben“, erinnert sich Michael Reithmeier. Das Gelände grenze unmittelbar an ein Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet. Hier fänden sich viele geschützte Tierarten. Es sei bekannt, dass Flutlicht den Artenschutz im sensiblen Naturraum gefährde. Die Umweltverträglichkeit müsse auf den Prüfstand, eine vage Einschätzung, wie bisher erfolgt, reiche nicht aus, finden die Vertreter der Bürgerinitiative.

Bodenaustausch notwendig

Auch das neue, vorliegende Gutachten, auf das sich die Einwände der Bürger beziehen, lege nahe, dass ein großflächiger Bodenaustausch notwendig sei, um das Vorhaben zu realisieren. Drainagen müssten gelegt werden, durch die Entwässerung des Niedermoores komme es zu Bodensetzungen und zur Freisetzung klimaschädlicher Gase.

Urban, Czempinski,,Fischbach-Kirchgraber und Reithmeier sehen durch eine Verlegung des Sportplatzes auf die Fläche gegenüber dem Tennisplatz große Verkehrsgefahren. Die Zufahrt müsse durch eine Wohnsiedlung in einer Tempo 30-Zone erfolgen – entlang von über 20 Grundstückausfahrten, über eine enge und kurvige Straße mit etlichen rechts-vor-links-Situationen, die ohne Geh- sowie Radweg ausgestattet sei. An der Zufahrt durch die Siedlung Unterfeld seien 30 kleinere Kinder zuhause. Zudem verenge sich die Straße auf der Bergab-Strecke zum fraglichen Standort auf eine Spur. Für eine angedachte Straßenerweiterung müssten laut Gutachten geschützte 80- bis 100 Jahre alte Eichen gefällt werden. Großveranstaltungen wie der Waldlauf des WSV Zellerreit hätten bereits verdeutlicht, wie schwer es für Rettungsfahrzeuge sei, das Sportgelände zu erreichen. Die Zufahrt erfolge über eine Nebenstraße, so sei sie 2014 bei Abrechnungen der Gemeinde kategorisiert worden.

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Alternative Erschließungsmöglichkeiten für einen nach Unterfeld verlegten Fußballplatz gebe es nicht. Die Grundeigentümer würden die Flächen für eine neue oder breitere Straße nicht zur Verfügung stellen, wollen die Anlieger erfahren haben. Das Gutachten habe große Lärmbelästigungen ermittelt. So sollten in einer Privatvereinbarung die Tennisspieler zugunsten der Fußballer auf Spieltermine verzichten. Fischbach-Kirchgraber findet: Mit der Unterstützung des Anliegens der Fußballer werde einseitig nur eine Sportart gefördert. Der Platz würde zudem die Langlaufloipe des Wintersportvereins beeinträchtigen, warnt Urban.

Erweiterungschance nach Westen am alten Standort

Geplant sei ein neues zweistöckiges Gebäude, das offiziell Funktionsräume bieten solle, in Unterlagen jedoch mehrmals als Vereinsheim aufgetaucht sei. Die Bürger wehren sich dagegen, dass der SVR in ihren Augen den Eindruck erwecke, der Standort Zellereit sei alternativlos. So hätten sie selbst eine Möglichkeit ermittelt, am alten Standort zu erweitern – Richtung Westen. „Der Sportverein pokert gewagt, wenn er die Warnung ausspricht, er würde heimatlos, wenn es mit Zellereit nicht klappt“, findet Urban.

Tatsache ist, dass auch eine Westerweiterung in Ramerberg auf Anliegerproteste stoßen würde. Die Anwohner haben nach Meinung der BI in der Tat selbstverständlich auch in Ramerberg ein Anrecht auf einen Lärmschutz. Hier sei jedoch die Erschließung viel einfacher.

Über die 180 Einwände diskutieren

Das Argument, in Ramerberg gebe es nur eine Pachtmöglichkeit für zehn statt für 30 Jahre, wollen die Gegner des geplantes Standortes nicht gelten lassen. Der Sportverein übernehme sich mit dem Großprojekt in Zellereit, in Ramerberg seien die finanziellen Aufwendungen viel geringer. „Wir müssen auch die Kostenfrage stellen dürfen“, findet Czempinski. Die Gemeinde sei nicht Bauherrin, müsse aber vermutlich bürgen, wenn das Vorhaben baden gehe. Außerdem kämen hohe Kosten für die Verkehrserschließung auf die Kommune zu. Die Anlieger fordern, dass die 180 Einwände, die seit eineinhalb Jahren vorliegen, öffentlich bekannt gemacht und diskutiert werden. „Bisher haben wir nur Monologe erlebt, keine Dialoge.“ Der neue Gemeinderat habe nun die Chance, zu befrieden und zur Sachebene zurückzukehren.

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