Christian Kerstens aus Amerang: Ein starker Typ auf starken Maschinen

Christian Kerstens liebt seine Enduro – und den Motocross-Sport.
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Christian Kerstens liebt seine Enduro – und den Motocross-Sport.
  • Winfried Weithofer
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Er ist ein Unternehmer mit großer Leidenschaft für einen lauten Sport: Christian Kerstens aus Amerang liebt das Motocrossfahren – und hasst es, wenn Rowdys sein Hobby in Verruf bringen, weil sie mit ihren Maschinen unkontrolliert durch die Landschaft brettern.

Amerang – „Motocrossfahrer fahren in Mittergars Wiese platt“: Unter dieser Überschrift berichtete die Heimatzeitung im Juli über Vandalismus durch Biker in dem Garser Ortsteil. Sie hatten laut Polizei bis zu 30 Zentimeter tiefe Furchen gefahren, die Wurzeln von Bäumen geschädigt und auch einen Waldameisenhaufen zerstört. Die Meldung rief Christian Kerstens auf den Plan: „Diese Aktion hat nichts mit dem Sportgeist der wahren Motocrossfahrer zu tun“, schreibt er an unsere Redaktion. „Leider gibt es immer wieder ein paar Deppen, die keinen Respekt vor privatem Eigentum und der Natur haben“, beklagt Kerstens, Vorsitzender des Vereins der Motocross- und Endurofreunde St. Leonhard. Schützend stellt er sich vor seine Mitglieder: Den Verdacht, sie würden sich wie Rowdys aufführen, weist er empört zurück.

Unternehmenssitz in Bilderbuchlandschaft

Die Verärgerung nimmt ihm jeder ab, der ihn kennt. Kerstens ist einer, der Naturverbundenheit überzeugend verkörpert. Dazu reicht ein Blick auf sein Firmengelände: Hopfgarten heißt sein 16 Hektar großes Anwesen gleich beim Bauernhausmuseum vor Amerang. Es mutet idyllisch an: Die Anfahrt führt über eine Lindenallee, Lamas traben über eine Wiese, an einer Futterstelle frisst ein Pferd, Hunde und Katzen durchstreifen die Gartenanlagen. Auf dem Weg zum Büro kommt der Gast an einem Parcours vorbei. Eine Bilderbuchlandschaft – und Sitz seines Tiefbauunternehmens. Kerstens will hier vormachen, wie sich Natur und Geschäft auf ideale Weise verbinden lassen. Seit 1983, nach dem frühen Tod seines Vaters, einem Biobauern und Inhaber eines kleinen Baggerbetriebs, führt er das Geschäft mit nun 27 Mitarbeitern. „Der Laden läuft wunderbar, er blüht“, erzählt er stolz.

Zwei seiner drei Söhne packen mit an, der eine als Betriebswirt, der andere als Straßenbaumeister und Techniker. „Wir machen das ganze Spektrum im Tiefbau, von ganz klein bis ganz groß, und wir haben supergute Mitarbeiter. Uns fehlt nichts zum Glück.“

Expansion lehnt der 61-Jährige, er will den Überblick behalten. Ein Mann mit positiver Ausstrahlung und Herzlichkeit, mit wachem Blick. Er wirkt gelassen und sein volles blondes Haar lässt ihn jünger erscheinen, als er tatsächlich ist. Motto: Das Leben muss Spaß machen.

1300 Meter lange Strecke

Zum Spaß gehört für ihn das Motocross-Fahren. „Das ist neben Familie und Firma mein zweites Leben.“ Eine Herzensangelegenheit, die seine Freizeit füllt. Ziel der Gründung des Motocrossvereins 1997 sei es gewesen, der Ausübung des Sports („eine faszinierende Sache“) eine langfristige Perspektive zu geben.

Schon als junger Mann nahm er selber an Straßenrennen teil, an Seitenwagen-Meisterschaften in ganz Europa, musste aber die Leidenschaft zügeln – das Geldverdienen ging vor. Viele Jahre später entdeckte er mit seinem Sohn Michael sein Hobby wieder neu.

Stolz ist Kerstens auf den Zulauf, den die Motocross-Freunde von St. Leonhard finden, spricht von „extrem steigenden“ Zahlen. Fast 300 Mitglieder zähle der Verein, darunter 80 Kinder und Jugendliche unter 18. Das zur Hälfte vereinseigene Trainingsgelände befindet sich an der Straße bei Stadlern in der Gemeinde Babensham zwischen Unterreit und Waldhausen.

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Die Mitglieder bringen ihre Maschinen und Ausrüstungen mit, der Verein stellt die Ausbilder. Offizielle Meisterschaften werden allerdings nicht veranstaltet, die 1300 Meter lange Strecke eignet sich laut Kerstens dazu nicht. Aber intern gebe es Wettkämpfe und Feste. „Heuer leider nicht, wegen Corona.“

Akrobatische Körperbeherrschung

Was entgegnet er denen, die Motocross nicht mögen, weil die Sportart mit Krach und Gestank verbunden ist? Bei dieser Frage zeigt sich Kerstens nachdenklich: „Das mit dem Lärm ist natürlich ein Problem, die Industrie ist leider noch nicht in der Lage, die Motoren leiser zu machen“, räumt er ein. Doch im selben Atemzug betont er die Spaßfaktoren, die mit dem Motocrossfahren verbunden sind: „Ein unwahrscheinlich faszinierender Sport, der mit Geschwindigkeit zu tun hat, mit Körperbeherrschung. Es ist echt akrobatisch, was die Fahrer mit ihren Maschinen leisten.“ Sie müssten topfit sein, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Der Zuschauer ist auf jeden Fall beeindruckt vom grell bemalten Gerät mit den grobstolligen Reifen.

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Samstags geht der Vereinschef regelmäßig selbst auf die Strecke – als Ausgleich zum Beruf. Und immer wieder reist er ins nahe und ferne Ausland, um Freunde aus der Szene zu treffen. „Das sind alles sehr ehrliche Verbindungen. Der Sport schweißt uns zusammen.“

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