Chefin des Wasserburger Gymnasiums sagt: „Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen“

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Wasserburg –Ohne Präsenzunterricht geht es nicht. Das hat der Corona-Lockdown für viele Schüler, Lehrer und Eltern deutlich gemacht. Auch Verena Grillhösl, die Schulleiterin des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg, sagt, dass Videokonferenzen allein nicht reichen.

Von Winfried Weithofer

Das Schuljahr, das in den vergangenen Monaten von der Corona-Krise geprägt war, neigt sich dem Ende entgegen. Verena Grillhösl, die Schulleiterin des Luitpold-Gymnasiums, blickt zurück – und nach vorn.

Frau Grillhösl, haben Sie zu Beginn der Krise mit einer so langen Phase der Einschränkungen des Unterrichtsbetriebs gerechnet?

Verena Grillhösl: Für mich kam es darauf an, dieProbleme nacheinander zu lösen.Am Anfang habe ich gar nicht so sehr darüber nachgedacht, wie lange das geht. Für mich stand im Vordergrund, auf die Situation optimal zu reagieren. Ich habe versucht, die Lage optimistisch zu sehen.

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Hat das Kultusministerium so gehandelt, wie Sie sich das gewünscht haben?

Grillhösl: In einem Punkt bin ich enttäuscht worden, ich konnte den von der Politik vorgegebenen Weg der Öffnung nicht nachvollziehen. Es ging um die Festlegung, welche Klassen wann zurückkehren können. Dabei war immer klar, dass die Q12 zuerst dran ist. Diese Schüler sind ganz gut weggekommen, ihnen hat insgesamt nur eine Woche Unterricht gefehlt.

Woran machen Sie Ihre Enttäuschung fest?

Grillhösl: Wir haben alle gehofft und damit gerechnet, dass nach der Q12 und anschließend der Q11 die Klassen acht, neun und zehn an der Reihe sind. Das wäre für mich logisch gewesen, denn das sind G-8-Schüler, die ohnehin ein Jahr weniger Unterricht haben als die Unterstufe. Es war aber eine politische Entscheidung, die Klassen fünf und sechs vorzuziehen. Ich sehe darin eine Benachteiligung, ich hätte es mir anders gewünscht.

Welche Gründe haben zu dieser Entscheidung geführt?

Grillhösl: Ich verstehe, dass man die Schüler der Stufe fünf und sechs reinholt, weil die Eltern sie ja nicht gerne allein zu Hause lassen wollten. Aber deren Fehlzeiten sind leichter zu verschmerzen, weil sie ein Jahr länger in der Schule sind.

Hat Homeschooling etwas gebracht?

Grillhösl: Teilweise. Wir haben Schüler, die durchs Raster gefallen sind. Es gibt aber auch Kollegen, die sagen, sie hätten damit ein gutes Stück des Stoffes geschafft. Das hat mich erstaunt. Wir haben in unserer Schule darum gerungen, wie das Homeschooling vom Umfang her gestaltet werden soll. Die Rückmeldungen der Eltern haben gezeigt, dass es für die einen viel zu viel war, für die anderen viel zu wenig. Ich weiß von einer Schülerin, die gesagt hat, Unterricht in der Schule sei viel besser. Und noch etwas zu dem Thema: Eine Reihe von Kollegen hat mir berichtet, dass die Vorbereitungen für den virtuellen Unterricht viel Zeit in Anspruch genommen haben, jedenfalls mehr als für den Präsenzunterricht.

Sehr viel ist davon die Rede gewesen, dass es ohne Präsenzunterricht nicht geht. Ist das auch Ihr Eindruck?

Grillhösl: Die Erkenntnis ist in der Tat, dass Präsenzunterricht nicht einfach durch Videokonferenzen zu ersetzen ist. Vielleicht im Idealfall, wenn man sich nur um ein Kind kümmern muss und ein guter Internetanschluss sowie genug Laptops vorhanden sind. Nicht aber bei den Eltern, die drei Kinder zu Hause haben und im Homeoffice mit einer wackligen Internetverbindung gearbeitet wird.

Wie sieht der Unterricht im kommenden Herbst aus?

Grillhösl: Ich hoffe sehr, dass wir uns in der Gesellschaft alle weiter an die Abstands- und Hygieneregeln halten, so dass wir im September mit allen Schülern unter normalen Bedingungen weitermachen können. Bisher hatten wir weder bei den Schülern noch bei den Lehrern einen Krankheitsfall, das ist wirklich ein Geschenk.

Wird es eine Abiturfeier geben?

Grillhösl: Ja, am 17. Juli, in der Turnhalle. Der Stand jetzt ist aber, dass bei Schulabschlussfeiern im Innenraum 50 Teilnehmer zugelassen sind, außen 100. Ich wünsche mir dringend, dass diese Regelung noch im Juli geändert wird und auch Eltern eingeladen werden dürfen. Sonst müsste die Feier in zwei Gruppen stattfinden.

Homeschooling war nicht für alle Schüler gut, sagt Verena Grillhösl, Leiterin des Luitpoldgymnasiums.

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