Carsharing auf dem Land: Diese Ameranger sagen Nein zum eigenen Auto

Die Ameranger Autoteiler Gemeinschaft hat einen neuen Hochdachkombi angeschafft. Die Mitglieder wie Tilo Teply und Andrea Wallig (vor dem E-Mobil Twizzy 45) sind begeistert. Auer/RE
  • vonChrista Auer
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Ohne Auto geht es auf dem Land nicht“ – die Aussage kommt nicht von ungefähr. Zeitnahe Bus- und Bahnverbindungen sind häufig spärlich oder gar nicht vorhanden. Aber braucht man für die gewünschte Mobilität unbedingt einen eigenen Wagen? Eine Gruppe Ameranger findet: „Nein“.

Amerang – Vor 14 Jahren starteten die Ameranger den Versuch „Carsharing“ und machten daraus ein Erfolgsmodell. Dabei war die Idee, mit der gemeinschaftlichen Nutzung eines Autos mobil zu sein und Geld zu sparen, nicht neu. Allerdings hatte sich die berechtigte Frage gestellt, ob das bis dahin nur in Großstädten erprobte Modell auch auf dem Land funktioniert.

Viel Kopfschütteln bei der Gründung der Gemeinschaft

Dementsprechend habe es bei der Gründung der Gemeinschaft viel Kopfschütteln gegeben und auch Radio und Fernsehen hätten über den bundesweit kleinsten Ort mit Car-Sharing-Angebot berichtet, erzählt Tilo Teply von den Autoteilern. Und ja, klar habe es ein wenig Pioniergeist gebraucht, doch allen Skeptikern zum Trotz, habe sich das Gemeinschaftsmodell in der ländlichen Gemeinde etabliert. „Man sieht, es geht doch“ freut sich Teply.

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Seit dem Start der Autoteiler-Gemeinschaft hat ihre Fahrzeugflotte mehr als sechs Mal den Erdball umrundet; die Gesamtkilometerleistung liegt bei knapp 255 000 Kilometer.

Obwohl die derzeit 16 Mitglieder – darunter auch die Gemeinde Amerang – gerne noch mehr werden dürften. Schließlich braucht es zum Erfolg Mitglieder mit Transportbedarf, denn die Fixkosten müssen hereingefahren werden. Für einen Monatsbeitrag von fünf Euro und einer günstigen Kilometer- und Mietdauer-Pauschale kommen die Autoteiler dann äußerst wirtschaftlich zum Ziel. Dafür braucht es allerdings eine gewisse Planung der Fahrten, aber über das Online-Portal ist die Buchung unkompliziert, finden die Nutzer.

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„In all den Jahren ist es äußerst selten zu Terminüberschneidungen gekommen und wenn doch, dann ist immer eine gute Lösung gefunden worden“, sagt Walter Satzinger. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und sieht neben der Kostenersparnis auch die ökologischen Vorteile. Fakt sei, dass die Nutzer nicht wegen jeder Kleinigkeit ins Auto steigen würden und das komme der Umwelt zugute. Ebenso wie die Tatsache, dass durch Carsharing weniger Autos gekauft würden, die vorher mit erheblichen Energieaufwand produziert und später entsorgt werden müssten.

Um den Umweltgedanken noch zu verstärken, setzen die Autoteiler auf die Gewinnung von weiteren Mitgliedern und auch auf Elektromobilität. Mit einem Twizzy 45 wurden auch junge Fahrer mit ins Boot geholt. Das spacige Elektro-Ei ermöglicht Führerscheininhabern ab 17 selbstverantwortungsvolles Fahren ohne Begleitperson. Ein großes Fernziel ist ein Elektroauto, das in Evenhausen stationiert werden soll, um den Ort an die Autoteiler anzubinden.

Doch vorher musste ein in die Jahre gekommenes Fahrzeug durch eine Neuanschaffung ersetzt werden. Nach längerem Suchen fiel die Wahl auf einen Hochdachkombi, der durch seinen variablen Innenraum überzeugte. Gut ausgestattet mit Glasdach, Sitzheizung, Einparkhilfe und abnehmbarer Anhängerkupplung steht der Wagen ab sofort für vielfältige Transportaufgaben zur Verfügung.

Die Fahrzeuge sind neutral lackiert und unauffällig

Mit dem VW Up und dem Elektromobil Renault Twizzy können die Mitglieder der AmAG nun drei unterschiedliche Fahrzeuge nutzen. Die Fahrzeuge sind neutral lackiert und unauffällig. Reserviert werden sie über eine Buchungsplattform im Internet.

Die AmAG bietet Interessenten eine kostenfreie dreimonatige Schnuppermitgliedschaft. Statt regulär fünf Euro monatlich fallen nur die günstigen Nutzungstarife an.

Weitere Informationen gibt es unter www.amagonline.de, oder unter www.buergernetzwerk-amerang.de.

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