Der Bürgermeistermacher tritt ab – Rupert Rußwurm zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück

Arbeitstier: Rupert Rußwurm kann jetzt ein wenig kürzer treten, er hat seine Gemeinderatskarriere beendet. Auer
  • vonChrista Auer
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Impulsgeber, kritischer Weggefährte und leidenschaftlicher Ameranger: Nach 36 Jahren als Gemeinderat zieht sich Rupert Rußwurm aus der Kommunalpolitik zurück. Zum Abschied gibt es viel Lob für den 70-Jährigen und dessen politisches Engagement.

Amerang– „Du warst ein Bürgermeistermacher, du hast mich damals motiviert, die Herausforderung anzunehmen“, sagte Bürgermeister Gust Voit vor einigen Wochen bei der Verleihung der Bürgermedaille an Rupert Rußwurm. Der sei ihm ein loyaler aber auch kritischer Weggefährte und Ratgeber gewesen. In seiner 36-jährigen Gemeinderatszugehörigkeit habe Rußwurm immer meinungsstark entscheidende Impulse in der Gemeindeentwicklung und der Ortsgestaltung gesetzt. Er habe aktiv in der Ausweisung und Entwicklung von Wohnbauland und Gewerbegebieten mitgewirkt. Rußwurm habe einen maßgeblichen Anteil an der Entschuldung und Konsolidierung des Gemeindehaushalts. Mit dem Mut zu antizyklischen Entscheidungen habe man so der maroden Finanzlage entgegengewirkt und den Schuldenberg abgebaut. Darüber hinaus habe Rupert Rußwurm großen Anteil am Bau der Grund- und Teilhauptschule und der neuen Gemeindehalle. Als gefürchteter Revisor habe er dabei stets die Finanzlage der Gemeinde im Blick gehabt, so Voit.

Einstieg über die Bücher von Franz Josef Strauß

Viel Lob also für den 70-jährigen, der sein politisches Engagement selbst unter der Rubrik: „Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich“ einordnet und damit das Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zu seinem Lebensmotto gemacht hat.

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„Politik und Gesellschaftsthemen interessierten mich schon immer. Besonders fesselten mich Bücher von oder über Franz Josef Strauß, später die von Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf. Aber besonders stark berührt hat mich das berühmte Buch „Archipel Gulag“ des Stalinismus-Kritikers und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn. Und so fasste ich den Entschluss, in meinem Leben einen – wenn auch kleinen Beitrag – zu leisten, um weiter in einem sozialen und demokratischen Rechtsstaat leben zu können“, betont Rußwurm.

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1970 wurde Rußwurm Mitglied der Jungen Union. Einige Jahre später übernahm er den Vorsitz im Ortsverband Amerang. „Eine Aktion war eine große Unterschriftensammlung mit der Aufforderung an Bürgermeister und Gemeinderat, für Schule, Sport und Freizeit eine Sporthalle zu bauen“, erinnert sich Rußwurm. Dies sei nicht ungehört geblieben. Im Jahr 1977 wurde die Mehrzweckhalle eingeweiht. Ein Jahr später wurde der gebürtige Ameranger das erste Mal in den Gemeinderat gewählt. Die Wiederwahl 1984 scheiterte dann, dafür wurde der CSU-Politiker dann aber ab 1990 fünfmal wiedergewählt.

Erste Wiederwahl gescheitert

„Die Arbeit im Gemeinderat hat mich von Anfang an sehr motiviert“, sagt Rußwurm. In der Kommunalpolitik wirkten sich Entscheidungen zumeist direkt bei den einzelnen Bürgern oder Gruppen und Vereinen aus. Die Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen könne Anerkennung bringen, aber auch zu Kritik oder gar persönlichen Anfeindungen führen. „Das muss man aushalten“, erzählt der langjährige Gemeinderat.

Flagge zeigen, mit Argumenten überzeugen

Sehr schnell habe er sich zum Leitgedanken gemacht, Vorgang und Personen strikt zu trennen, was nicht immer leicht sei. Wichtig sei ihm immer gewesen, seine Meinung auch deutlich zu begründen, Flagge zu zeigen und die Ratsmitglieder mit Argumenten zu überzeugen. Am Ende gehe es aber auch darum, Mehrheitsbeschlüsse zu akzeptieren, vertrauensvoll und respektvoll weiter zu arbeiten. Das habe dazu geführt, dass er in alle wichtigen Ausschüsse wie Bau- und Umweltausschuss, Rechnungsprüfungsausschuss und Personalausschuss berufen worden sei, berichtet der Finanzfachmann. Bei Sonderthemen habe er auch gerne in Arbeitskreisen mitgearbeitet.

„Insgesamt gesehen war meine Gemeinderatstätigkeit eine für mich gute Zeit mit vielen wertvollen Begegnungen und freundschaftlichen Beziehungen“. Aber alles habe seine Zeit. Besonders berührt habe ihn eine Begegnung mit einem Bürger, der ihm am Wahltag kräftig auf die Schulter geklopft und gesagt habe: „Rupert, ich danke dir für deine jahrelange Arbeit im Gemeinderat“.

Nachgefragt: Was freut Sie besonders?

Rupert Rußwurm: „Nach einer äußerst schwierigen und angespannten finanziellen Lage in den 90er erfolgte der mutige Beschluss , die Gewerbesteuersätze deutlich zu reduzieren. Mit diesem revolutionären Schritt wurde der Grundstein für künftige Gewerbeansiedlungen und damit einer deutlichen Verbesserung der Finanzausstattung der Gemeinde gelegt. Damit war es in den letzten Jahren möglich, über die vom Gesetzgeber vorgegebenen Pflichtaufgaben hinaus eigene Projekte zu realisieren.

Der zeitliche Einsatz beim Schulbauausschuss war enorm. Das Ergebnis freut mich heute noch. Standort, Architektur, organisatorische Aufteilung und die Qualität der Klassenzimmer des Schulhauses sind hervorragend. Mit vielen Argumentationen und Aktionen ist es gelungen, den bestehenden Beschluss, das neue Rathaus auf dem Grundstück der alten Schule zu errichten, aufzuheben und das Rathaus in exponierter Lage zu bauen. Begleitend damit erfolgte die gelungene Neugestaltung der Ortsmitte mit der teilweisen Verlegung der Kreisstraße, was für den Ort einen gewaltigen Schub an Attraktivität brachte. Auf mein wiederholtes Drängen um eine Renovierung der mittlerweile 40 Jahre alt gewordenen Gemeindehalle wurde eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Nach deren Ergebnis war man sich einig, die Renovierung und energetischen Sanierung der Halle einem Neubau vorzuziehen.

Der Erwerb der Sportflächen in Amerang: Damit sind diese Einrichtungen dauerhaft in Ortsnähe zum Vorteil der Kinder und Jugendlichen.“

Nachgefragt: Was ärgert Sie besonders?

Rupert Rußwurm: „Der Breitbandausbau, das sogenannte „schnelle Internet“ hat den Gemeinden viel Ärger und Enttäuschung eingebracht. Der Ausbau wurde in der Hände der einzelnen Kommunen gelegt, mit hohen aber extrem komplizierten und ständig wechselnden Förderrichtlinien, unter anderem mit einem eigenen „Breitbandzentrum Bayern“.

So hat die Gemeinde mehrfach Bestandsaufnahmen, Markterkundungen, Auswahlverfahren zu treffen, Zuwendungsbescheide zu beantragen und gegebenenfalls Kooperationsverträge zu schließen und am Ende einen nicht unbedeutenden finanziellen Eigenanteil zu leisten. Die digitale Infrastruktur ist heute ein ganz wesentlicher Faktor für gleichwertige Lebensbedingungen. Die Verantwortung für flächendeckend angemessene und ausreichende Telekommunikationsdienstleistungen hätte ausschließlich und als Monopol beim Bund bleiben müssen. Im internationalen Vergleich sind wir bei Internet- und Mobilfunkversorgung heute schlechter versorgt als manche Bananenrepublik.“

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